«Wir haben in den vergangenen Wochen und Monaten erlebt, wie eine gute, langjährige landwirtschaftliche Praxis von Teilen der Öffentlichkeit plötzlich als nicht mehr tragbar empfunden wird», sagte Hans Frei, Präsident des Zürcher Bauernverbandes. Man wolle und müsse Antworten geben auf die Kritik. «Aber wir müssen auch signalisieren, dass es ganz ohne Pestizide nicht geht. Wir wollen unsere Kulturen auch künftig vor Krankheiten schützen, um unsere Produkte in der gewohnten Qualität und Quantität zur Verfügung stellen zu können.»

Frei wirkte etwas zerknirscht bei seinem gestrigen Auftritt zum Projektstart von «Pflopf». Die Abkürzung steht für «Pflanzenschutzoptimierung mit Precision Farming». Das Projekt wurde von den Kantonen Zürich, Aargau und Thurgau initiiert. Der Bund beteiligt sich finanziell. 60 landwirtschaftliche Betriebe machen mit, begleitet wird das Projekt von landwirtschaftlichen Forschungsanstalten.

Der gute Ruf, den das Schweizer Trinkwasser hat, wurde in den vergangenen Wochen arg ramponiert. Abbauprodukte des Pestizids Chlorothalonil wurden zuerst in zahlreichen Grundwasserquellen nachgewiesen und danach auch in etlichen Gemeinden im Trinkwasser, so wie es aus dem Wasserhahnen kommt.

Der Stoff selber ist krebserregend. Bei den Abbauprodukten ist das nicht erwiesen, es gilt vorsichtshalber ein relativ strenger Grenzwert. Die Schuldfrage war rasch geklärt: Der Stoff wird in der Landwirtschaft als Fungizid eingesetzt. Belastete Wasserproben finden sich deshalb vor allem dort, wo der Boden intensiv landwirtschaftlich genutzt wird.

Der Druck auf die Landwirtschaft steigt auch wegen der Trinkwasser-Initiative, die den Pestizideinsatz im Visier hat. Die Landwirtschaft muss den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln verringern. Wie das konkret gehen könnte, wurde gestern in Niederwil bei Andelfingen demonstriert: mit Drohnen, die Reben besprühen, und Traktoren, die kameragesteuert Unkraut hacken.

Das Ziel ist, den Pestizidverbrauch um mindestens einen Viertel zu senken. Zu diesem Zweck werden in den kommenden Jahren eine Reihe von Massnahmen und Hilfsmitteln eingehend getestet. Es handelt sich dabei nicht um ferne Zukunftsvisionen, die noch gar nicht marktreif sind. Die Technologien sind da, aber sie sind noch nicht weit verbreitet im Einsatz. Einer der Aspekte des Projekts ist deshalb auch, herauszufinden, was getan werden muss, damit die Technologien breiter eingesetzt werden.

Noch ist die Technik zu teuer

Ein Hindernis ist schnell ausgemacht: Hightech kostet. Ob GPS-Navigation für den Traktor oder eine Drohne für den Rebberg: unterhalb von einigen zehntausend Franken läuft nichts. Und die Geräte sind nicht nur teuer, ihr Einsatz benötigt Fachwissen.

Kleine Landwirtschaftsbetriebe können solche Investitionen oft nicht innert vernünftiger Zeit amortisieren. Abhilfe schaffen könnte beispielsweise der vermehrte Einsatz von Lohnunternehmern, welche die teuren Maschinen auf den Feldern mehrerer Kunden einsetzen können.

Gezeigt wurde gestern Nachmittag beispielsweise der Einsatz einer Pflanzenschutzdrohne. Das über 40 Kilogramm schwere Gerät kommt hauptsächlich an steilen Rebhängen zum Einsatz. Einmal programmiert, fliegt es den Rebhang vollautomatisch ab und sprüht das benötigte Pflanzenschutzmittel von oben auf die Reben. Durch den Abwind der Rotoren wird es aus geringer Höhe direkt in Richtung der Pflanzen geweht. Im Vergleich zu anderen Methoden geht so weniger des Mittels daneben.

Im Zentrum steht der Ansatz des «Precision Farming»: dessen Technologien ermöglichen, den richtigen Zeitpunkt, den richtigen Ort und die richtige Art einer Pflanzenschutzmassnahme besser zu bestimmen und durchzuführen. Deshalb sind unter anderem auch Prognosesysteme Bestandteil von «Pflopf».

Marco Pezzatti, Chef des Amts für Landschaft und Natur des Kantons Zürich, ist überzeugt, dass das Projekt den richtigen Ansatz verfolgt. «Die Zusammenarbeit von Forschung, Unternehmen und Landwirten wird uns weiterbringen.»