Birmensdorf
Eine Autorin kämpft gegen die Verschwendung von Lebensmitteln

Mit ihrem politischen Mitstreiter kämpft die Birmensdorferin Hélène Vuille dagegen, dass Supermärkte nach Ladenschluss Lebensmittel wegwerfen. Bisher ohne Erfolg. Wie geht es weiter?

David Hunziker
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Hélène Vuille fordert eine nationale Regelung.

Hélène Vuille fordert eine nationale Regelung.

Florian Niedermann

Der Zürcher Regierungsrat macht seine Position gegenüber dem Dietiker CVP-Kantonsrat Josef Wiederkehr klar: Er lehnt es ab, Supermärkte per Gesetz dazu zu zwingen, Lebensmittel an Bedürftige abzugeben, die sonst weggeworfen würden. Die Zusammenarbeit zwischen Detailhandelsbetrieben und wohltätigen Organisationen müsse «den beteiligten Akteuren überlassen werden», schreibt der Regierungsrat in seiner Antwort auf eine entsprechende Anfrage Wiederkehrs. Durch mögliche Gesetze wären die Wirtschaftsfreiheit und die Eigentumsgarantie der entsprechenden Betriebe gefährdet. Zu bevorzugen seien dagegen «positive Anreize», wobei die Massnahmen dazu auf Bundesebene getroffen werden müssten, schreibt der Regierungsrat.

Die Anfrage geht ursprünglich auf die Initiative der Birmensdorfer Autorin Hélène Vuille zurück, die sich schon seit Jahren dafür einsetzt, dass Lebensmittel, die sonst in den Abfall wandern, Bedürftigen zukommen. Seit 1998 fährt sie mindestens zweimal pro Woche zur Migros Wiedikon, holt dort Esswaren ab und bringt sie zu einem Obdachlosenheim. Die gesundheitlichen Bedenken des Regierungsrats weist Vuille entschieden zurück: «Es hat davon noch nie jemand Bauchweh gekriegt.» In Wiederkehr hat sie einen politischen Mitstreiter gefunden, über den sie sagt: «Josef ist der erste Politiker, den ich in den 14 Jahren meines Kampfes kennen gelernt habe, der Nägel mit Köpfen macht.»

Dieser ist von der Reaktion des Regierungsrats nun vor allem enttäuscht. «Die Antwort ist zögerlich und mutlos. Ich finde das schade, weil das Echo aus der Bevölkerung bei diesem Thema sehr gross ist», gibt Wiederkehr zu bedenken. Mit dieser Einschätzung deckt sich auch das Ergebnis einer Leserbefragung der Limmattaler Zeitung: Eine überwältigende Mehrheit von 99 Prozent der Teilnehmenden hat sich dabei für Vuilles Ideen ausgesprochen.

Wiederkehr hat bereits angekündigt, dass er eine Volksinitiative in Betracht zieht, wenn alle parlamentarischen Wege scheitern. «Die Chancen schätze ich als sehr hoch ein, dass eine Volksinitiative zustande kommen würde», meint Wiederkehr. Auch Vuille betont, dass sie bei ihren Auftritten die Empörung der Bevölkerung spüre. «Allerdings ist eine Initiative auch mit grossen finanziellen Aufwendungen verbunden», betont Wiederkehr. «Wir müssten abklären, wo wir entsprechende Mittel und weitere Ressourcen erhalten könnten.»

Was für politische Mittel kommen überhaupt infrage?

Bleibt er auf der kantonalen Ebene erfolglos, will Wiederkehr sich in Bern weiter einsetzen. Autorin Vuille würde diesen Weg sowieso bevorzugen. «Es geht nur mit einer nationalen Regelung», betont sie. Das Postulat der Waadtländer GLP-Nationalrätin Isabelle Chevalley, das zum gleichen Thema bereits hängig ist, kennt Wiederkehr noch nicht. Mitstreiter hat er in Bern jedoch bereits gefunden: «Ich habe positive Signale von Politikern aus Bern erhalten, die sich ebenfalls für die Sache einsetzen würden.» Namen will Wiederkehr noch keine nennen.

Ob kantonal oder national: Es stellt sich die Frage, welche politischen Mittel überhaupt infrage kommen. In seiner Antwort lässt der Regierungsrat durchblicken, dass neue gesetzliche Regelungen für ihn nicht infrage kommen. Er favorisiert die Schaffung von Anreizen, etwa durch ein entsprechendes Label. In dieser Hinsicht deckt sich die Position der Regierung mit derjenigen des Ethik-Professors Markus Huppenbauer, der im Gespräch mit der Limmattaler Zeitung Ende März gegen gesetzliche Lösungen argumentiert hat. Nur ein kultureller Wandel könne das Problem lösen.

Auch Wiederkehr hat nichts gegen neue Anreize: «Von meiner politischen Einstellung her bin ich sehr dafür, dass man zuerst einmal Anreize schafft.» Jedoch bleibe die Antwort des Regierungsrats auch diesbezüglich zu oberflächlich. Ausserdem geht Wiederkehr einen Schritt weiter: «Wenn Anreize allein nicht zielführend sind, muss man einen Schritt weiter gehen und verbindliche Regeln einführen.»

Während Wiederkehr sich auf politische Lösungen konzentriert, versucht Vuille neue Netzwerke aufzubauen. Wiederkehr unterstützt sie dabei: «Ich hoffe, dass Frau Vuille auch auf anderen Wegen als dem politischen Erfolg haben wird.»

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