Stadtentwicklung
Eine Allee zwischen den neuen Prunkbauten und dem «Chreis Cheib»

Stadtentwicklung Der Zürcher Stadtrat will die Lagerstrasse zwischen Europaallee und «Chreis Cheib» aufwerten. Am 24. November wird darüberabgestimmt.

Matthias Scharrer
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Die Lagerstrasse in Zürich heute und nach der geplanten Neugestaltung.jpg

Die Lagerstrasse in Zürich heute und nach der geplanten Neugestaltung.jpg

AZ

An der Zürcher Lagerstrasse prallen Welten aufeinander: einerseits die Prunkbauten des neuen Stadtteils Europaallee, andererseits das alte Arbeiterquartier «Chreis Cheib». Das Scharnierstück dazwischen – die Lagerstrasse – soll nun zur schmucken Allee werden, wenn es nach dem Stadtrat geht. Über den dafür nötigen 16,7-Millionen-Franken-Kredit entscheiden die Stadtzürcher Stimmberechtigten am 24. November.

Visualisierung der Neugestaltung der Lagerstrasse

Visualisierung der Neugestaltung der Lagerstrasse

Zur Verfügung gestellt

Platz für Fussgänger und Velos

Geplant ist zwischen Sihlpost und Langstrasse eine Allee mit 86 Linden, einem breiteren Trottoir und breiteren Velowegen in beiden Fahrtrichtungen. «Es gibt keine Kapazitätserweiterung für den Autoverkehr, aber mehr Platz für Fussgänger und Velofahrer», sagte Stadträtin Ruth Genner (Grüne) gestern vor den Medien.

Die Zahl der Parkplätze werde um 6 auf 95 verringert, was angesichts des bestehenden Parkplatzüberhangs im Rahmen des «historischen Parkplatzkompromisses» drinliege. Zudem soll die Verbreiterung der Lagerstrasse Platz für eine neue Tramlinie schaffen, die frühestens 2030 kommt.

Die Lagerstrasse heute

Die Lagerstrasse heute

Limmattaler Zeitung

Das Projekt entspricht der stadträtlichen Verkehrsstrategie. Diese sieht vor, Mehrverkehr durch öffentliche Verkehrsmittel, Velos und Fussgänger abzuwickeln. Für zusätzlichen Verkehr dürften nur schon die 6000 neuen Arbeitsplätze und 400 Wohnungen sorgen, die im Neubauquartier Europaallee bis 2020 geplant sind. Ausserdem soll die Lagerstrasse Ausweichverkehr aufnehmen, wenn die Langstrasse dereinst tagsüber für den Autoverkehr gesperrt wird. Wann es dazu kommt, ist noch offen.

Zur Abstimmung kommt es, weil die AL das Referendum ergriffen hat. Sie stört sich daran, dass die Stadt den SBB für die Strassenerweiterung Land abkaufen will. Kostenpunkt: 8,9 Millionen Franken. Durch den 2006 vom Volk bewilligten Gestaltungsplan für den Stadtteil Europaallee profitierten die SBB schon genug, findet die AL. Schliesslich lasse er an bester Lage eine überdurchschnittlich dichte Bebauung und entsprechend hohe Rendite zu. Die AL hatte schon den Gestaltungsplan bekämpft.

Aus Sicht des Stadtrats ist die Argumentation der AL unhaltbar: «Die Entschädigung für den Landerwerb entspricht schlicht und einfach dem Gesetz», sagte Genner. Zudem erlaube der Europaallee-Gestaltungsplan den SBB nicht nur, in die Höhe zu bauen, sondern verpflichte sie auch, öffentlichen Raum qualitätsvoll zu gestalten. «Das ist auch mit Kosten verbunden», so Genner weiter.

Opposition gegen das Projekt Lagerstrasse kommt auch von der SVP: Sie lehnt es zum einen wegen des geplanten Parkplatzabbaus ab, zum anderen, da es unnötig teuer sei.

Ob der Regierungsrat das Projekt genehmigt, ist noch offen. Er will sich erst nach der Volksabstimmung dazu äussern. «Wir haben keine Meldung vom Amt für Verkehr, dass es nicht bewilligungsfähig wäre», sagte der stellvertretende Stadtingenieur Vilmar Krähenbühl.

2014 will der Stadtrat mit der Umsetzung beginnen. Einen Grossteil der von der Stadt vorfinanzierten Kosten würde laut Genner letztlich der Kanton übernehmen. Auch bei einem Nein bliebe der Stadtrat nicht untätig: Dann stünden die an der Lagerstrasse ohnehin fälligen Unterhaltsarbeiten an.