Die App «Beekeeper» richtet sich an Menschen, die nicht an einem Schreibtisch arbeiten. Andreas Slotosch, Partner beim gleichnamigen Zürcher Start-up, sagt: «Mehr als zwei Milliarden Menschen weltweit verfügen über keinen PC-Arbeitsplatz.» Mehrheitlich sind dies Angestellte in Hotels, im Detailhandel oder im produzierenden Gewerbe, die nicht einmal über eine firmeneigene E-Mailadresse verfügen.

Hier setzt die Firma Beekeeper mit ihrer App als Kommunikationsschnittstelle an. Sie funktioniert ähnlich wie Facebook oder WhatsApp. Im Zürcher Warenhaus Globus zum Beispiel ermöglicht der Einsatz der App, dass die Mitarbeitende auf den unterschiedlichen Verkaufsflächen direkt und in Echtzeit miteinander kommunizieren können. Das Warenhaus bietet ihnen mobilen Zugriff auf aktuelle Geschäftsinformationen oder Hinweise zu Produkten anderer Abteilungen.

So sieht die App des Zürcher-Startups aus.

So sieht die App des Zürcher-Startups aus.

Weiter können Mitarbeitende Reaktionen von Kunden über die App weiterleiten oder laufend über angelaufene Aktionen von der Verkaufsfläche aus berichten. Tom Winter, Leiter Verkauf der Globus AG, lässt sich von Beekeeper folgendermassen zitieren: «Wir hätten drei Jahre gebraucht, um so an die Mitarbeiter heranzukommen, so persönlich zu kommunizieren, wie wir es mit der App in nur ein paar Monaten erreicht haben.» Für Mitarbeiter ohne Smartphone bietet das Zürcher Start-up die Informationen über Bildschirme in den Pausenräumen an.

Mitarbeiter arbeiten wie Bienen

Damit wird klar: Neben Mitarbeiterbindung erhält ein Unternehmen, das die Beekeeper-App einsetzt, ein zusätzliches Kontrollinstrument. Slotosch sagt dazu: «Beekeeper verfolgt nicht die Absicht, den Arbeitsalltag ins Privatleben der Mitarbeiter hineinzutragen. Es ist immer eine Frage der Implementierung.» Deshalb seien klare Formulierungen von Richtlinien empfehlenswert, damit die Angestellten auch wissen, dass von ihnen keineswegs erwartet werde, auch nach Arbeitsschluss für den Arbeitgeber via App zur Verfügung zu stehen.

Christoph Küffer, Geschäftsführer von Peopleworks, einer Beratungsfirma für Personalfragen, teilt diese Einschätzung: «Die mit Apps verbundene erhöhte Erreichbarkeit ist eine dauerhafte Gratwanderung und Herausforderung für unsere Gesundheit. Die Balance zwischen on- und offline wird jeder für sich selbst finden müssen.» Je stärker die Mitarbeitenden bei der Ausgestaltung und Einführung einer solchen App involviert seien, desto grösser sei die Chance, dass die App genutzt werde. Auch sollte immer transparent kommuniziert werden, in welcher Form Daten gesammelt und ausgewertet werden. Die Datenhoheit solle aber beim Mitarbeiter selbst liegen. 

Slotosch vergleicht denn auch eine Firma, die ihre App nutzt, mit einem Imker, der seinen Mitarbeitenden einen angenehmen Arbeitsplatz zur Verfügung stelle, an den sie jeden Morgen gerne zurückkehren. Mit dem Ziel, dass sie motivierter und effizienter arbeiten.

Auch der Name der App geht auf dieses Bild zurück. Er setzt sich aus den beiden Wörtern «bee» für Biene und «keep» für behüten oder versorgen, zusammen. Slotosch unterstreicht auch die soziale Komponente der App: «Viele unserer Kunden verfügen auf der App über einen Kanal, auf dem arbeitsunabhängige Beiträge veröffentlicht werden können, also beispielsweise ein Geburtstags-Apéro. Und für dessen Foto verteilt man auch gerne nach der Arbeit ein Like.»

Alles begann mit einem Flirt

Kommunikation und Vernetzung. Das ist die zentrale Funktion dieser App, die neben Globus auch weitere Zürcher Kunden wie der Baustoffhersteller Holcim oder die Fluggesellschaft Helvetic Airlines bereits einsetzen. Ursprünglich aber war Beekeeper jedoch als Datingapp für Studierende an der ETH Zürich konzipiert worden. Diese Plattform entwickelte sich laut Slotosch schnell zu einer allgemeinen Kommunikationsplattform für Studenten in der ganzen Schweiz weiter. Entsprechend war der nächste Sprung auf der Entwicklungsleiter – jener zur professionellen Kommunikationsapp zwischen Angestellten einer Firma – kein grosser mehr.

Auch den Schritt in die USA hat die Firma bereits vor zwei Jahren mit ihrem Ableger in San Francisco, gewagt. Dort beschäftigt sie mittlerweile mehr als 20 Angestellte. Erst kürzlich konnte sie von Geldgebern wie Keen Venture Partners, Swisscom Ventures und diversen Privatinvestoren – darunter Skype-Gründer Niklas Zennström – acht Millionen Franken Fremdkapital akquirieren. Nur wenige Wochen vor der Investitionsrunde präsentierte das Unternehmen seine Plattform der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel an der Cebit, der weltweit grössten Messe für Informationstechnologien.

Nicht nur die strategischen Partner glauben an das Wachstumspotenzial der Firma. Slotosch sagt: «Mit der jüngsten Finanzierungsrunde haben wie die Weichen für eine weitere Expansion auf globaler Ebene gestellt.» Bereits heute nutzen Angestellte in über 100 Ländern der Welt emsig die Zürcher Kommunikationsplattform.