Mitfeiern wird auch Julia Gerber Rüegg. Die in der Gemeinde Wädenswil wohnhafte SP-Kantonsrätin kämpft seit Jahren für Seeuferwege entlang des Zürichsees. Das neue Teilstück geht auf eine Initiative ihrer Partei und der Grünen in Wädenswil und Richterswil zurück. «Ich finde den Weg genial», sagt Gerber Rüegg, «jetzt kann man von Horgen bis nach Richterswil dem See entlang spazieren». Einziger Stolperstein ist ein kleiner Abschnitt zwischen dem Bahnhof Wädenswil und der Halbinsel Giessen, wo man auf die stark befahrene Seestrasse ausweichen muss.

Gerber Rüegg ist Präsidentin des «Vereins JA zum Seeuferweg», der eine kantonale Initiative lanciert hatte, um den Bau eines durchgehenden Uferweges voranzutreiben. Doch das Initiativkomitee zog seinen Vorstoss im November 2011 zurück - zugunsten eines Gegenvorschlages des Kantonsrats. Dieser sieht vor, dass jährlich 6 Millionen Franken für den Bau von Uferwegen entlang von Gewässern budgetiert wird, zwei Drittel davon sollen in den Weg um den Zürichsee fliessen.

Positiv zum neuen Wegstück, das morgen eingeweiht wird, äussert sich auch SVP-Fraktionschef Jürg Trachsel. Als Einwohner von Richterswil lobt er den Weg, der morgen eröffnet wird: «Er ist ein guter Kompromiss.» Man sei nicht nur mit den Landeigentümern sondern auch mit der Natur Konzessionen eingegangen. Doch im Allgemeinen bleibt Trachsel skeptisch: «Wir von der SVP sind grundsätzlich keine Anhänger von Seeuferwegen». Wo ein Weg möglich sei, gebe es heute meist schon einen. «Dort, wo Enteignungen nötig wären, sind wir strikt dagegen,» so Trachsel.

Das Wort «Enteignung» mag hingegen SP-Politikerin Gerber Rüegg nicht hören. «95 Prozent des Ufers entlang des Zürichsees ist aufgeschüttet und gehört nicht den Grundeigentümern», erklärt sie. Mit dem Gegenvorschlag soll nun über die Jahre ein durchgehender Weg entstehen. Auch dort, wo Villa an Villa steht. «Wo der Bau am Ufer überhaupt nicht möglich ist, kann man auf kreative Lösungen ausweichen, zum Beispiel mit Stegen», so Gerber Rüegg.

Allgemeinheit geht vor

Juristisch ist umstritten, ob die Ufer den langjährigen Grundbesitzern zustehen oder der Allgemeinheit. SVP-Fraktionschef und Anwalt Trachsel sagt: «Konzessionsland ist das eigentumsähnlichste Instrument, das wir kennen». Doch das Zürcher Verwaltungsgericht hat Anfang dieses Jahres eine Beschwerde von drei Grundeigentümern gegen einen Steg in Zürich Wollishofen abgewiesen. Das öffentliche Interesse an einem Seeuferweg stehe über privaten Interessen, argumentierte das Gericht. Nach Ansicht der Richter muss ein Seeuferweg zudem zwingend am Seeufer entlangführen.