Züri-Fäscht 2013

Ein Volksfest in der Limmatstadt für Krethi und Plethi

Zwei Millionen Leute, und jeder will etwas anderes.

Zwei Millionen Leute, und jeder will etwas anderes.

Wer geht heute ab 17 Uhr wohin? Ein Überblick zur besseren Orientierung. Die Supereltern ziehen am Besten gleich zu einem der grossen Chilbi-Plätze beim Bürkliplatz oder am Hafen Enge und der Massenmuffel zieht sich am Besten in die Altstadt zurück.

Die Nichtsverpasserin

Bereits um 14 Uhr sucht sie den Himmel nach dem Super Puma ab, der seine Runden dreht. Die Wartezeit bis zur Eröffnung verbringt sie mit der Inspektion des Festgeländes und einem Besuch der Wakeboard-Show. Pünktlich um 17 Uhr steht sie auf dem Münsterhof und schaut zu, wie Stadtpräsidentin Corine Mauch mit Gesellschaftstenor Leo Wundergut das Züri-Fäscht eröffnet. Ab da wirds hektisch: Draisinenrennen am General-Guisan-Quai, eine Fahrt mit dem schwimmenden Auto des ACS, Trampolin-Show am Utoquai, Bikeshow am Mythenquai und wieder zurück zum Utoquai fürs Wasserspiel um 19.15 Uhr, verpasst sie dadurch allerdings den Hochseilakt zwischen Grossmünster und St. Peter. Wie gut, dass dieser wie viele der Programmpunkte am Samstag und Sonntag immer wieder auftauchen – falls ihr noch eine Attraktion durch die Lappen geht.

Die Stimmungskanone

Instinktiv marschiert der «glatte Hagel» zur Festmeile Wolf bei der gleichnamigen Bierhalle. Er bestellt einen langen Spiess aus irgendeinem marinierten Tier, der im Barbecue-Smoker gegart wurde, und geniesst mit 300 Gleichgesinnten die lüpfige Musi der Partyband Werner & Company. Auf dem Hirschenplatz hat er das Militärspiel der Schweizer Luftwaffe in der Soldatenstube leider verpasst, dafür hört er der Brass Band Winterthur zu und genehmigt sich eine Portion Ghackets mit Hörnli aus der Gulaschkanone. An der Riviera bei der Quaibrücke bleibt er in Heidis Alphüttenbar hängen, wo zu Kapellmeister Don Philippos Hüttengaudi-Sound die Tanzbeine zucken. Am Bellevue, auf dem Schweizer-Platz, lässt er zu einem letzten Bier und der Musik von Ueli’s Family-Band den Abend ausklingen.

Die Nachteule

Den Sonnenuntergang verpasst sie, stattdessen tanzt sie bis zum Sonnenaufgang. Je nach Präferenz schaut sie schnell ins Gay-Village oder nebenan zum Yacht Club Clubbing ins Quai 61 rein. Die Wassertaxis fahren nach halb elf nicht mehr, also besticht sie mit einem Wodka Red Bull einen Bootsbesitzer von der Goldküste, der sie übers Wasser zum Hafen Riesbach fährt, wo sie auf der Tanzwiese am Electronic Outdoor Festival bis in die frühen Morgenstunden zu den Beats von insgesamt 50 Live-DJs auf der Wiese herumhüpft. Nach einem Nickerchen im Schatten eilt sie am nächsten Morgen an den Sechseläuten-Platz zum Chillout-Brunch in der Toro-Bar. «Was, die hatten ein Feuerwerk?», fragt sie ungläubig einen Gast, der neben ihr am Tresen steht.

Der Massenmuffel

Das Feuerwerk wollte er sich eigentlich vom Üetliberg aus anschauen. Aber er traut dem Wetter nicht, also hat er extra seinen Platz im Strandbad Mythenquai reserviert, von wo aus er den ungetrübten Blick aufs Spektakel geniesst. Weil am Abend bekanntermassen zu viel los ist, verschiebt er seinen Bummel ums Seebecken auf Samstagnachmittag. Und wenn dann langsam die Menschenmenge an den See strömt, zieht er sich in die Altstadt zurück, wo er jederzeit in eine weniger verstopfte Gasse ausweichen kann. Vor dem Hotel Storchen genehmigt er sich husch ein Cüpli und sucht danach am Rande des Getümmels das «Raclette Deluxe» an der Bahnhofstrasse auf, wo er ein Camembert-Raclette kostet.

Der Gast aus der Agglo

Am Hauptbahnhof wartet er erst eine Viertelstunde aufs Tram, das wegen des Fests nicht fährt. Danach begibt er sich zu Fuss an die Langstrasse, wo er erfährt, dass das Züri-Fäscht ums Seebecken herum stattfindet. Endlich am Limmatquai angekommen, verpasst er das Drachenbootrennen, dafür fällt ihm beim Bellevue die High Diving Show auf, wo so krasse Typen von einem 20-Meter-Turm voll so ins Wasser springen. Nebenan entdeckt er eine Pirateninsel, auf der Bier ausgeschenkt wird, was er voll fett findet. Am Bellevue holt er sich auf der Traminsel einen Hamburger und am Utoquai entdeckt er eine Beiz, in der türkischer Bum-Bum aus den Lautsprechern quillt. Potz, denkt er, das tönt ja wie daheim. Irgendwann findet er an den Bahnhof zurück, wo er einen Nachtzuschlag für die S-Bahn löst, den er eigentlich am Züri-Fäscht-Wochenende nicht gebraucht hätte.

Die Supereltern

Um das Gequengel der Knirpse zu vermeiden, gehts zuallererst auf einen der Chilbi-Plätze, entweder beim Bürkliplatz oder am Hafen Enge. Mit Zuckerwatte und Schoggibananen bewaffnet, rennt alles los auf die ersten Bahnen, immer in der Hoffnung, dass das eben konsumierte Magenbrot im Magen bleibt. Im Arboretum-Park entdecken die Eltern eine Kinderkrippe. Sie beschliessen spontan, ihre Dreikäsehochs für eine Weile in der Obhut der Betreuerinnen zu lassen, und eilen zur Relax-Zone des Gastkantons Tessin, wo sie zum Risotto den Klängen einer Jazzband aus Ascona lauschen, bis sie um 21 Uhr die Kinder abholen müssen. Später wird eine Runde entlang den 300 Ständen flaniert – und nach dem Feuerwerk sind die Kleinen eh hundemüde, dann kann die Familie getrost den Rückzug antreten.

Der Nerd

Mit der Züri-Fäscht-App auf dem iPhone lotst der ETH-Student seine Kumpels durch die Menge zum Kiosk Riesbach, wo jeder im Trupp mithilfe eines Energierechners seinen Beitrag zur 2000-Watt-Gesellschaft kalkuliert. Mit einem alkoholfreien Cocktail in der Surfbar stossen sie auf ihr gutes Resultat an. Während sie am Himmel gespannt das solarbetriebene Elektroflugzeug verfolgen, bahnen die Jungs sich ihren Weg hoch ans Utoquai. Auf der dortigen Solarmeile gönnt sich der Nerd eine Testfahrt mit einem Elektrofahrzeug. Dort erfährt er auch, dass am Samstag um 10 Uhr vor Ort ein Weltrekordversuch mit Elektromobilen aufgestellt werden soll, weshalb seine Kumpels und er nach dem Besuch des CO-Fights von Myclimate und einer kurzen Inspektion der 1000 Meter Schienen für die Gruben-Festbahn zwischen dem Schanzengraben und dem Hafen Enge bereits die Heimreise antreten.

Die Multikultitante

Einen ersten Hunger auf fremde Kulturen stillt sie auf dem Lindenhof, wo sie zu Volkstänzen an rund 30 Ständen Kulinarisches aus aller Welt probiert. Um die Thai-Currys, Fladenbrote und Reiskuchen zu verdauen, spaziert sie quer durchs ganze Festgelände, in der Hoffnung irgendwo auf einen Flashmob der Musiker des Zürcher Kammerorchesters zu stossen. Dazwischen begibt sie sich zum «Züri Himmel», wo die katholische Kirche des Kantons ihr 50-Jahr-Jubiläum feiert, und wohnt dort peruanischen Tänzen bei. Sobald die Dunkelheit über die Stadt hereinbricht, stellt sie sich vors Grossmünster, an dessen Mauern der Lichtkünstler Gerry Hofstetter Bilder projiziert. Das Feuerwerk geniesst sie aus Distanz, und um nicht von «Ahs» und «Ohs» gestört zu werden, montiert sie Ohrstöpsel und hört den klassischen Klängen via Internet-Radio zu.

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