Eigentlich wäre es ein Tag zum Feiern gewesen – und zwar gleich zweimal. Erstmals schwammen am Mittwochnachmittag mehr als 10'000 Schwimmerinnen und Schwimmer im Rahmen der Stadtzürcher Seeüberquerung durch den Zürichsee: 10'705 waren es genau, unter ihnen 234 Jugendliche im Alter zwischen 12 und 15 Jahren. «Das ist neuer Rekord», jubelten die Veranstalter auf ihrer Website. Zudem hat an der diesjährigen Seeüberquerung die 100'000. Schwimmerin teilgenommen. Deborah aus Zürich wurde im Vorfeld der Seeüberquerung ausgelost und durfte mit der Badekappe Nummer 100'000 an den Start. Wie die Veranstalter mitteilen, haben «ganz genau berechnet» seit der ersten Durchführung 109'580 Personen an der Seeüberquerung teilgenommen.

Doch so richtig freuen mochte sich am Mittwochabend niemand mehr. Denn der Anlass wurde von einem tragischen Unfall überschattet. Ein Teilnehmer musste von der Wasserschutzpolizei in kritischem Zustand geborgen werden, wie die Zürcher Stadtpolizei kurz nach 18 Uhr mitteilte. Er verstarb nach erfolgloser Reanimation noch vor Ort. Es handelte sich dabei um einen 66-jährigen Schweizer, der im Kanton Zürich wohnte, teilte die Stadtpolizei Zürich in einer Mitteilung vom Donnerstag mit. 

Reanimation kam zu spät

Es war kurz vor 17.30 Uhr, als die Wasserschutzpolizei der Stadtpolizei Zürich darüber orientiert wurde, dass es bei der Seeüberquerung zu einem gravierenden Zwischenfall gekommen sei. Teilnehmende Schwimmer hatten eine leblose Person im Wasser bemerkt und schlugen Alarm. Wasserschutzpolizisten und das Sicherungspersonal der Seeüberquerung konnten den Mann rasch bergen.

Die Helfer leiteten sofort Reanimationsmassnahmen ein und transportierten den nicht mehr ansprechbaren Mann zum Strandbad Tiefenbrunnen. Dort übernahm ein Notarzt von Schutz und Rettung Zürich die weiteren lebensrettenden Sofortmassnahmen. Für den Mann kam jedoch jede Hilfe zu spät und er verstarb kurz darauf. Die Hintergründe, die zum tragischen Zwischenfall geführt haben, werden durch die Stadtpolizei und vom Institut für Rechtsmedizin abgeklärt. Die Untersuchungen der Rechtsmedizin schliessen aber eine Einwirkung Dritter aus, heisst es in einer Medienmittelung vom Donnerstag.

Einmal quer über den Zürichsee

Einmal quer über den Zürichsee

Zürich - 05.07.17 - Am Mittwochmachmittag fand zum 29. Mal die traditionelle Stadtzürcher Seeüberquerung statt. Mehrere tausend Personen haben die Strecke von 1,5 Kilometer über den Zürichsee vom Strandbad Mythenquai bis ins gegenüberliegende Tiefenbrunnen bei bestem Wetter zurücklegt. Seit 1985 haben rund 100'000 Schwimmerinnen und Schwimmer an der Seeüberquerung teilgenommen.

Nachdem bekannt wurde, dass ein Teilnehmer von der Wasserschutzpolizei in kritischem Zustand geborgen worden war, schloss das OK der Seeüberquerung um 17.50 Uhr die Kasse. Wer seine Startnummer bereits bezogen hatte, habe allerdings noch starten können, gaben die Veranstalter bekannt. Denn das Sicherheitsdispositiv der Seeüberquerung habe jederzeit aufrechterhalten werden können. Die 1500 Meter lange Schwimmstrecke führte vom Strandbad Mythenquai in das gegenüberliegende Strandbad Tiefenbrunnen. Über 100 Rettungsschwimmerinnen und -schwimmer sicherten die Strecke.

«Wir tun alles, um Unfälle zu vermeiden»

Die Verantwortlichen vom Verein Stadtzürcher Seeüberquerung waren am Mittwochabend tief betroffen über den tödlichen Unfall. Es sei das erste Mal, dass es zu einem solch tragischen Vorfall gekommen sei, sagte Manuela Schläpfer auf Anfrage der Limmattaler Zeitung. Zwar sei es auch schon vorgekommen, dass jemand habe ins Spital geliefert werden müssen, beispielsweise wegen Unterkühlung. «Eine schwere Verletzung oder einen Todesfall gab es aber noch nie», so Schläpfer. Es sei ernüchternd, feststellen zu müssen, dass man nicht vor solchen tragischen Vorfällen gefeit sei, selbst wenn die Sicherheitskonzepte immer funktioniert hätten. «Wir tun alles, um Unfälle zu vermeiden», sagte Schläpfer.

Natürlich trübe der tödliche Unfall die Freude über den ansonsten gelungenen Tag, sagte die Sprecherin. Eigentlich wolle das Team vom Verein Stadtzürcher Seeüberquerung sich über die beiden Rekorde freuen, gleichzeitig sei man erschüttert über den Todesfall. Man befinde sich in einem Wechselbad der Gefühle, so Schläpfer.