Minigolf
Ein Spiel für akribische Analysten

Sandra und Maja Wicki gehören zu den besten Minigolfspielerinnen der Welt. Sie können jede Bahn mit einem Schlag spielen und brauchen manchmal Tage, um aus ihren 1500 Bällen den richtigen dafür auszusuchen.

Daniel Stehula
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Sie wurden in die Minigolfwelt hineingeboren: Sandra und Maja Wicki vom MC Effretikon

Sie wurden in die Minigolfwelt hineingeboren: Sandra und Maja Wicki vom MC Effretikon

Die Minigolfwelt dreht sich um 28 Bahnen, aus denen 18 für eine Anlage ausgewählt werden. Ob in Malmö, Kloten oder Nischni Nowgorod – die Bahnen sind überall die gleichen: Looping, Kegel, Wellen etc.

Was den Gelegenheitsspieler manchmal zu Wutausbrüchen treibt («Jetzt rollt der Ball schon wieder am Loch zuoberst im Kegel vorbei!»), befeuert den Ehrgeiz der Expertinnen und Experten. Turnierspielerinnen wie Sandra und Maja Wicki brauchen nur 18 Schläge für die 18 Löcher – wenn alles nach Plan läuft.

Die Wicki-Schwestern wurden in eine Minigolffamilie hineingeboren. Mutter Esther holte vor der Geburt der Kinder einen EM-Sieg. Vater Wolfgang engagiert sich im nationalen Minigolfverband. Er ist Präsident des Minigolfklubs Effretikon, Mutter Esther Aktuarin. Sandra sagt, mit zehn Jahren habe sie von ihren Eltern einen Minigolfschläger geschenkt bekommen. Mit 14 Jahren nahm sie das Training auf, zwei Jahre später meldete sie sich zum ersten Turnier an. Die jüngere Schwester Maja folgte ihr auf einem ähnlichen Weg.

Heute trainieren die beiden jungen Frauen nur noch in der direkten Vorbereitung auf ein Turnier intensiv.

«Dann sind wir bis zu einer Woche auf der Anlage, wo der Wettkampf stattfindet», erklärt Sandra. Man könnte zwar auch Grundschläge im Hausflur üben, aber das Training auf der Anlage ist mehr als blosses Üben. Hier geht es darum, die unbekannte Anlage zu analysieren, herauszufinden, ob auf den genormten Bahnen Gefälle sind, welche den Ball ablenken. «Den ersten Schlag an einem neuen Ort», sagt Sandra, «spiele ich immer gerade in Richtung Loch.»

Maja Wicki zeigt auf Bahn zwei, wie sie den Ball mit einem Schlag versenkt. Die Zwei ist frei von Hindernissen – abgesehen von vier Steinquadern, die mit Zwischenräumen um das Loch herum aufgestellt sind. Zum Abschlagsort hin ist eine Lücke und je nach Anlage und Präzision des Spielers lässt sich der Ball geradeaus ins Loch bugsieren.

Doch in Effretikon, mit blossem Auge ist es nicht zu erkennen, fällt die Bahn nach links ab. Der Ball fände auf geradem Weg nie ins Ziel. Maja spielt ihn also in einem flachen Winkel an die rechte Bande. Der Ball rollt nach vorne, prallt an der Aussenseite des vorderen rechten Quaders ab, touchiert die rechte Bande nochmals und bewegt sich – wie von einem unsichtbaren Faden gezogen – langsam und stetig auf das Loch zu. Ein sanftes Ploppen ertönt, als der Ball zielsicher ins Loch fällt. Die Präzision des Balls, die allen Ungereimtheiten der Bahn trotzt, ist beeindruckend.

Mit dem MC Effretikon hat Maja Wicki fünf Jahre in Folge die Mannschafts-Schweizer-Meisterschaft gewonnen. Den Europacup, die Champions League der Minigolfer, haben die Schwestern mit dem Team auch schon gewonnen.