Ein 12-Jähriger betrat am Dienstag im US-Bundesstaat New Mexico die Turnhalle einer Schule mit einer Waffe und schoss um sich. Zwei Schüler und ein Schulangestellter wurden verletzt. An Schweizer Schulen gab es bisher noch nie einen solchen Zwischenfall.

Dennoch hat sich die Stadt Zürich überlegt, präventiv ein einheitliches Amok-Alarmsystem einzuführen. Doch der Gemeinderat hat den dafür notwendigen Kredit von 5,2 Millionen Franken am Mittwochabend mit 77 zu 44 Stimmen deutlich abgeschmettert.

Sich nicht erpressen lassen

«Ich bin der Meinung, dass unsere Gesellschaft anders funktioniert als jene in den USA oder auch Deutschland», sagt etwa SP-Gemeinderätin Andrea Nüssli. Sie habe deshalb Nein gestimmt, weil sich die Gesellschaft von derartigen Taten nicht erpressen lassen dürfe. Man müsse ihnen mit Prävention begegnen. «Ich zweifle die Technik einer solchen Anlage nicht an, aber sie schürt bei den Kindern nur unnötig Angst», sagt die 52-Jährige.

In anderen Städten und Kantonen wurden die Schulen bereits mit Amok-Alarmsystemen ausgestattet. Der Kanton Basel-Stadt etwa begann im letzten Frühling, die Schulen mit einem dreistufigen Alarmsystem für rund 5 Millionen Franken aufzurüsten. Damit ist Basel führend punkto Sicherheit. «Der Alarm kann an sogenannten Auslösestationen im und um das Schulgebäude ausgelöst werden», sagte Hans Georg Signer, Leiter Mittelschulen und Berufsbildung des Basler Erziehungsdepartements, damals gegenüber der «Basler Zeitung».

Auch der Kanton Thurgau hat im vergangenen Jahr die Schulen angehalten, ein Sicherheitskonzept zu erstellen, wie Paul Roth, Generalsekretär beim Departement für Erziehung und Kultur, erklärt. «Das Konzept wurde jeweils auf die Örtlichkeit angepasst und im Rahmen des üblichen Erneuerungsprozesses umgesetzt», sagt Roth. Eine Vorgabe ist beispielsweise, dass für den Ernstfall die Möglichkeit besteht, die Schulzimmertüren von innen zu verschliessen.

Im Bildungszentrum Wirtschaft Weinfelden, wo die Türen nur mit einem Badge geöffnet werden können, mussten deshalb Notfallbadges in kleinen, gesicherten Kästchen montiert werden. Diese hätten die Schüler irritiert, sagte ein Lehrer gegenüber dem «St. Galler Tagblatt»: «In jeder Schulstunde sehen sie dieses Kästchen vor sich, als ob ein Amoklauf etwas völlig Alltägliches, Banales wäre.»

«Gewisse Sicherheit» ist gegeben

Darauf angesprochen, ob die neuen Sicherheitsinstallationen nicht unnötig Ängste schüren, wiegelt Roth ab: «Uns sind keine derartigen Rückmeldungen bekannt und ich glaube, sie geben den Schülern und Lehrern eher eine gewisse Sicherheit, dass Vorkehrungen getroffen wurden, um im Ernstfall vorbereitet zu sein.»