Entscheidung
Ein Schicksalsjahr für die Region Glattal und den Militärflughafen Dübendorf

Mitte 2014 dürfte sich zeigen, wie es mit dem Militärflugplatz Dübendorf weitergehen wird. Beim Bund träumt man von einer militärisch-zivilaviatischen Mischnutzung. Diverse Firmen aus der Privatfliegerei sollen ihr Interesse bekundet haben.

Michael Rüegg
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Einschnitt in die Boomregion Glattal: Flugplatz Dübendorf. Keystone

Einschnitt in die Boomregion Glattal: Flugplatz Dübendorf. Keystone

256 Hektaren gross ist das Gelände des Militärflugplatzes Dübendorf, so viel steht fest. Das ist einer der einzigen Fakten an dem es derzeit nichts zu rütteln gibt. Was das Schicksal der künftigen ehemaligen Basis der Luftwaffe angeht, ist vieles im Ungewissen. Klar ist aber, dass ein Betrieb als reiner Militärflugplatz nicht mehr rentiert. Bereits heute «schläft» die Luftwaffenbasis.

Beim Bund träumt man von einer militärisch-zivilaviatischen Mischnutzung. Seit längerem war zu hören, dass diverse Firmen aus der Privatfliegerei ihr Interesse bekundet haben. Ende November wurde bekannt, dass einige davon eine «Flugplatz Dübendorf AG» gegründet haben. Der Bund startete kurz vor Jahresende auf der Suche nach einem zivilen Partner ein Einladungsverfahren.

Regierungsrat will keine Flieger

Diese Pläne widerstreben dem Regierungsrat. Er würde zwar der Weiterführung einer militärischen Helikopterbasis zustimmen, die auch von der Rega und der Polizei genutzt werden könnte – doch einen privaten Flughafen will er ebenso wenig wie eine Ausdehnung des Flughafens Kloten auf Dübendorf. Stattdessen ist immer wieder von einem «Innovationspark» die Rede. Diesen will die Kantonsregierung unbedingt realisieren, ganz egal, was mit dem Rest des Geländes geschieht.

Diesen Monat formulierte der Regierungsrat in einem Postulatsbericht seine Absicht, die vom Bund geplante aviatische Nutzung auf verschiedenen Ebenen zu bekämpfen.

Freihalten als dritter Weg

Fliegerei oder Innovationspark? Bei dieser Fragestellung vergisst man gern eine dritte Option. Der Kanton Zürich wächst munter, speziell der Agglomerationsgürtel rund um die Stadt Zürich. Es sind längst nicht nur Zuwanderer aus der EU, die sich hier niederlassen, auch das wirtschaftliche Wachstum und die Schweizer Binnenmigration führen dazu, dass im Glattal immer mehr Wohn- und Arbeitsraum entsteht. Angesichts dieser Entwicklung wäre es angezeigt, eine alte Idee wieder aufzuwärmen: Den Flugplatz für die nächsten 25 Jahre stillzulegen und als Landreserve zu behalten.

Wie dies geht, zeigt etwa das Beispiel Berlin Tempelhof. Nach der Schliessung 2008 wurde das Flughafengelände stillgelegt, seit 2010 ist es für die Öffentlichkeit zugänglich. Seither tummeln sich auf den ehemaligen Pisten und den Wiesen dazwischen an heiteren Wochenenden Hundebesitzer, Drachenflieger und Inlineskater. Die Nutzung der Brache durch die Öffentlichkeit war ein derartiger Erfolg, dass mittelfristige Pläne zum weiteren Ausbau der Anlage kurzfristig in die Schublade gewandert sind.

An kommende Generation denken

Für die Boomregion Glattal ist die Frage, was mit dem Flugplatzareal geschieht, von entscheidender Bedeutung. Von der Fliegerei hätte die Mehrheit der Bevölkerung wenig, abgesehen vom Lärm. Da würde ein Innovationspark nach den Ideen der Kantonsregierung der Region wohl einen grösseren Nutzen stiften.

Doch je mehr Abstand man von den militärischen Zäunen rund ums Flugfeld gewinnt, desto mehr ergibt sich eine Sicht aufs Ganze. Für den Kanton hiesse das Gebot: so viel Land wie möglich für kommende Generationen frei zu halten. Es ist die letzte derartige Landreserve im Kanton Zürich. Ob der Bund das allerdings auch so sieht, steht in den Sternen.