Aus den Rissen im Beton wachsen vereinzelte Pflanzen. Die alten Zuschauerränge sind heruntergekommen und immer wieder ragen Metallstangen aus den ruinenhaften Überresten des alten GC-Stadions hervor. In der Mitte des Platzes wurde amateurhaft ein Fussballfeld auf den Belag gemalt. Ein Überbleibsel einer Aktion von GC-Fans im Frühjahr 2011. Die Zeiten des alten und grossen Hardturm Stadions sind definitiv vorbei. Übrig geblieben sind eine grosse Wand, die zum Aufhängen von Werbeplakaten verwendet wird, viel leerer Platz und unzählige schöne Fussballerinnerungen.
Der viele Platz soll nun verwendet werden. Seit letztem Winter existierte die Idee, seit gut einem Monate existiert der Verein Stadionbrache Hardturm und seit gut zwei Wochen konkretisiert sich das Projekt. Eine Gruppe von Anwohnern der Stadionbrache will das Areal zwischennutzen und dabei den Geist und Zusammenhalt des Hardturmquartiers fördern. Die Verhandlungen mit der Stadt, der Besitzerin des Areals, laufen zurzeit noch. Bereits Mitte Juli aber, könnte das Eröffnungsfest auf dem Hardturm statt finden.

Für die Projekte die auf dem Hardturm umgesetzt werden sollen, hat der Verein Stadionbrache Kriterien entwickelt. Im Fokus liegen soziale, emissionsfreie und kreative Ideen, die von den einzelnen, sich um einen Projektplatz bewerbenden Gruppen, selbständig umgesetzt werden können. Weder der Verein noch die Stadt will gross Geld in die Brache investieren. „Es geht darum Freiräume zu schaffen und kreativen Gruppen eine Plattform zu bieten", meinte Susanne Gruber, Vorstandsmitglied des Vereins Stadionbrache.

Bereits sehr konkret ist das Projekte Art-Pool, eine Idee aus der Skater- und Künstlerszene bei welcher eine kleine Betongrube am Anfang steht. In trockengelegten Swimmingpools in den USA nahm die Skaterszene 1960 ihren Anfang. Heute sind es selbstgebaute und verzierte Betongruben, in denen man einerseits Skateboard fahren und andererseits Künstler aus der ganzen Welt am „Pool" weiterbauen können. So entsteht nach und nach eine befahrbare Skulptur.

Weitere Ideen sind ein Blumenfeld mit Pflanzen zum Selberpflücken, ein Open-Air Kino, eine Kletterwand oder ein Yoga-Atelier, wo am frühen Morgen Kurse angeboten werden. „Wichtig ist aber, dass neben all den Projekten immer noch genügend Platz bleibt, um zum Beispiel einen Drachen steigen zu lassen", sagte Michael Emmenegger vom Vorstand des Vereins Stadionbrache.

Neben den Projekten, die auf die Gesamtdauer der Zwischennutzung auf der Stadionruine ausgelegt sind, gäbe es auch Platz für einmalige und kurzfristige Projekte. Unzählige Vereine und Gruppen haben bereits ihr Interesse angekündigt. Darunter die Zürcher Hochschule der Künste, die Roten Falken, eine politisch linke Jugendgruppe oder das Gemeinschaftszentrum Wipkingen.

„Das Projekt soll langsam wachsen und eine Eigendynamik entwickeln", schilderte Gruber vom Vorstand des Vereins Stadionbrache. Noch sei vieles ungeklärt. Es gäbe weder einen Wasser- noch einen Stromanschluss, die Frage der Sicherheit auf dem Gelände sei noch nicht fertig durchdacht und man wisse noch nicht wie genau man die Nutzung mit der Stadt vertraglich regeln werde, so Gruber weiter. Dennoch ist sie überzeugt, dass die Stadt mitmachen wird. „Wir hatten schon einige Sitzungen mit diversen Stellen der Stadtverwaltung", erzählte Gruber. Und dort sei der Verein mit seinen Ideen immer auf offene Ohren gestossen. Die Grundhaltung der Stadt aber, könne folgendermassen kurz zusammengefasst werden: „Grundsätzlich finden das Projekt alle toll, es will einfach niemand dafür bezahlen", erklärte Gruber. Doch genau dieser Umstand ist eine der grössten Stärken des Projekts. Es kostet nahezu nichts, schafft dennoch eine Oase mitten im Industriequartier und trägt zur Belebung der Gegend bei. Eine Win-Win Situation, wie aus dem Buche also.

Kein Quartier der Stadt Zürich hat sich in den letzten Jahren so stark verändert wie die Gegend zwischen Escherwyssplatz und Schlieren. Mit dem Tram Zürich West entstand eine neue Verbindung nach Altstetten, mit dem Prime Tower das höchste Gebäude der Schweiz und links und rechts der neu ausgebauten Pfingstweidstrasse schiessen Wohn- und Gewerbeüberbauungen wie Pilze aus dem Boden. Der Verein Stadionbrache will auf diese Entwicklung reagieren und auf dem Hardturmareal das Quartierleben fördern. „Wir hoffen auf die Entstehung von Vereinen, Jugendgruppen und einem gemeinsamen Bewusstsein für das Quartier", erklärte Gruber. Ihnen sei durchaus bewusst, dass die Projekte auf dem Hardturm bis Baubeginn des neuen Stadions, zurzeit geht man von einer Zeitspanne von drei Jahren aus, befristet wären. Die Vernetzungen die dabei aber im Quartier entstehen würden, wären es nicht, meinte Gruber augenzwinkernd.

Der Stadtrat will in diesen Tagen entscheiden, ob er grundsätzlich grünes Licht für das Projekt geben will. Danach müssten sich Verein und Stadt bei einer Geländebegehung noch über die vertraglichen Details einigen. Spätestens Mitte Juli möchte der Verein aber offiziell Eröffnung feiern. Und das, auf dem Areal der Stadionruine Hardturm.