Das aus einem Forschungsprojekt des Kinderspitals Zürich hervorgegangene Start-up hat sich die Herstellung von Hauttransplantaten zum Ziel gesetzt, die aus einem kleinen Stück Haut der Patienten gezüchtet werden. Schon seit über 14 Jahren erforscht die Tissue Biology Research Unit der Chirurgischen Klinik des Kinderspitals Zürich die Herstellung komplexer menschlicher Haut. Damit soll Verbrennungsopfern und Patienten mit anderen Hautdefekten geholfen werden.

Die Gründer von Cutiss, zu denen auch die Biologin Daniela Marino gehört, wollen aus dem Forschungsprojekt ein erfolgreiches Unternehmen machen. Cutiss gewann vergangene Woche den Start-up-Wettbewerb Venture 2015 in der Kategorie Businessplan. Das Forscherteam um Ernst Reichmann hofft auf den endgültigen Durchbruch in den kommenden Jahren. Gelingt dieser, könnte er die Situation von zahlreichen Verbrennungsopfern verbessern. Auch Patienten mit anderen schweren Hautdefekten, wie beispielsweise angeborenen grossflächigen Muttermalen, könnten davon profitieren.

Aus wenig mach viel

Heute wird bei Hauttransplantationen ein Stück gesunde Spalthaut des Patienten an die betroffene Stelle transplantiert. Zur Züchtung eines Hauttransplantats im Labor hingegen muss viel weniger Haut entnommen werden. «Wie gross die Hautbiopsie sein muss, hängt von der benötigten Fläche und der zur Verfügung stehenden Zeit ab», sagt Reichmann. Oft reiche ein Stück Haut von der Fläche einer Briefmarke. Daraus entsteht durch das Verfahren von Cutiss ein deutlich grösseres Stück Haut. «Die am Kinderspital unternommenen klinischen Studien weisen darauf hin, dass die Qualität der so gezüchteten Haut sehr gut ist, im Grunde ähnlich der einer Vollhaut», sagt Reichmann. Die fertigen Hauttransplantate aus dem Labor bestehen aus Ober- und Unterhaut. Dass die Methode grundsätzlich funktioniert, steht schon seit einiger Zeit fest.

Trotzdem ist es noch ein weiter Weg, bis Cutiss das Verfahren als Produkt auf den Markt bringen kann. «Die Forschung ist fürs Erste abgeschlossen, aber nun stehen die klinischen Studien an», sagt Reichmann. Derzeit läuft die erste von drei Studienphasen.

Hoher finanzieller Aufwand

Der finanzielle Aufwand ist immens. Laut Reichmann benötige Cutiss zuerst einmal etwa 2,5 bis 3 Millionen Franken, um in die Gänge zu kommen. Bis zu einer Markteinführung wären mehrere weitere Finanzspritzen in dieser Grössenordnung nötig. Möglich wäre laut Reichmann auch, dass die Zulassungsbehörden der Methode den sogenannten Orphan-Status geben. Diesen Status erhalten Arzneimittel und Methoden zur Behandlung von seltenen Leiden. Das Zulassungsverfahren wird durch diesen Status sowohl einfacher als auch günstiger.