Juso
Ein neuer grosser Wurf soll her, ein «politisch fundierter und durchdachter»

Fabian Molina übernimmt dieses Wochenende das Präsidium der JUSO und ist die neue Hoffnung für die Jungen Sozialdemokraten - zu Recht. «Wir wollen keine SP für Junge sein, sondern eigene Themen lancieren», sagt der 23-jährige Zürcher.

Simone Matthieu
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Fabian Molina

Fabian Molina

Die Fussstapfen, die er ausfüllen muss, sind gross. An Cédric Wermuths grossen Gesten und Worten kam keiner vorbei. Er gab der Juso ein Gesicht in Medien und Öffentlichkeit.

Sein Nachfolger David Roth hat mit der 1:12-Initiative der Partei trotz ihrer Ablehnung zu starkem Aufwind verholfen. Und nun also Fabian Molina. Wenigstens braucht der kaum Konkurrenz zu fürchten: Die Präsidenten der Jungen FDP und der Jungen SVP sind nach Einschätzung Molinas «ziemlich inexistent». Selbst die «Basler Zeitung» bezeichnet Anian Liebrand, Präsident der Jungen SVP Schweiz, als «seltsames Bürschlein».

Nach der offiziellen Wahl an diesem Wochenende wird Molina - kommt nicht noch etwas völlig Unvorhergesehenes dazwischen - die Schweizer Juso in die Zukunft führen. Die Partei hätte zwar gerne eine Frau an der Spitze gehabt, aber keine wollte den Job, weshalb sich Molina zur Verfügung stellte. Verdient hat er das Amt. Molina war Gründungspräsident der Juso Illnau-Effretikon und Co-Präsident der Juso des Kantons Zürich. «Auf mir lastet eine grosse Verantwortung. Unser Aufstieg begann vor etwa sechs Jahren, aber aus einem Auf- kann auch immer wieder ein Abstieg werden. Es liegt auch an mir, zu schauen, dass das nicht passiert», so Molina.
«Mein Vater war ein Sans-Papiers»

Dass der 23-jährige Zürcher den Job packt, ist kaum zu bezweifeln. Der Gewerkschaftssekretär der Unia ist ein Arbeitstier. Neben seinem Job studiert er im dritten Jahr Geschichte und Philosophie. «Als ich als Jugendlicher politisiert wurde, war mir klar, dass die Politik eine arbeitsreiche Aufgabe ist.» Er erinnert sich noch genau an jenen Tag. «Es war der 11. September, ich sass vor dem Fernseher und sah die Türme einstürzen. Ich war 11 Jahre alt und realisierte: Es gibt eine Welt da draussen. Für die begann ich mich zu interessieren.» Ein zweites Erlebnis, das ihm nahe ging, und seinen Weg in die Politik vorgab, war das neue Asylgesetz, welches Flüchtlingen ohne Papiere keinen Schutz gewährt. «Wäre dieses Gesetz früher gekommen, gäbe es mich nicht. Mein Vater kam als Papierloser, als Sans-Papiers in die Schweiz.»

Molina redet eloquent und sicher. Er ist jemand, der weiss, wovon er spricht. Täglich füttert er seinen Twitter- und Facebook-Account mit Neuigkeiten und seiner Meinung zum aktuellen politischen Geschehen. Er reisst mit und überzeugt - zwei nicht unwichtige Fähigkeiten für einen Parteichef.

Fundiert und durchdacht

Seine Pläne als Juso-Chef sind klar: Es muss ein neuer grosser Wurf à la «1:12» her, «aber einer, der politisch fundiert und durchdacht ist». Eine Idee liegt schon bereit: «Unsere Initiative gegen die Spekulation mit Nahrungsmitteln. Unsere Aufgabe ist es, den Leuten zu zeigen, dass dadurch in der dritten Welt unzählige Menschen verhungern.»

Die Juso opponierte immer schon gegen die Mutterpartei SP. Will Molina so weiterfahren? «Aber sicher. Wir sind seit je unabhängig von unserer Mutterpartei. Wir wollen keine SP für Junge sein, sondern eigene Themen lancieren. Die Rolle der Juso ist es, das Gewissen der politischen Linken zu sein, während diese zu oft in der Realpolitik verhaftet bleibt.»

Bei so viel Sicherheit und zielgerichtetem Engagement kommt der Verdacht auf, die Juso habe einen PR-Berater engagiert. Molina lacht: «Das wurden wir schon mal gefragt. Aber nein, wir haben keinen. Wir haben hingegen viele Leute in der Partei, die etwas von Kommunikation verstehen und die man anfragen kann.»

Wie schon seine Vorgänger ist Molina ein charismatischer Hansdampf in allen Gassen. «Genau das braucht es in der Politik», sagt Politikexperte Andreas Ladner. «Die Politik lebt von Personalisierung. Auch die Junge FDP und die Junge SVP sind garantiert aktiv gewesen, aber es braucht eine gewisse Persönlichkeit, um sich und seine Anliegen in der Öffentlichkeit wirksam zu präsentieren.» Ohne dies mache es keinen Sinn, ein solches Amt inne zu haben.