Zürich

Ein Loch für 1,1 Milliarden — so soll der Rosengartentunnel in Zürich aussehen

Der Autoverkehr soll anstatt über die Rosengartenstrasse durch einen insgesamt 2,3 Kilometer langen Tunnel geleitet werden.

Der Autoverkehr soll anstatt über die Rosengartenstrasse durch einen insgesamt 2,3 Kilometer langen Tunnel geleitet werden.

2,3 Kilometer lang und 1,1 Milliarden Franken teuer: Der Kanton Zürich stimmt am 9. Februar über den Rosengartentunnel ab. Warum er umstritten ist und 5 weitere Dinge, die Sie zum Grossprojekt wissen müssen.

Worum geht es?

50'000 Fahrzeuge pro Tag donnern über die Rosengartenstrasse in Zürich. 1972 wurde die Verkehrsachse eigentlich als Provisorium der Westtangente in Betrieb genommen. Das Provisorium ist aber längst zur Dauerlösung geworden – nun könnte es bald weichen. Die Bevölkerung des Kantons Zürich stimmt am 9. Februar über das Rosengartenprojekt ab. Der Autoverkehr soll anstatt über die Rosengartenstrasse durch einen insgesamt 2,3 Kilometer langen Tunnel geleitet werden. Die Kapazität des Autoverkehrs soll so erhalten und die Rosengartenstrasse auf einem Abschnitt von etwa 700 Metern beruhigt werden. Auf ihr würde als neue ÖV-Verbindung das Rosengartentram fahren.

Wo kommt der Tunnel genau hin?

Die beiden Tunnelportale liegen am Wipkinger- und Bucheggplatz. Der Tunnel führt durch den Käferberg hindurch und hat eine Kurvenform – aus einem ganz bestimmten Grund. Seit der Brandkatastrophe im Mont-Blanc- und im Gotthardtunnel hat der Bund neue Regeln für Tunnelbauten festgelegt. Die Steigung in einem Tunnel darf maximal fünf Prozent betragen. Ist es zu steil, würde der Rauch bei einem Brand wie bei einem Kamin ans obere Ende ziehen. Das kann sehr gefährlich werden und Rettungen erschweren.

Der Rosengartentunnel soll 2,3 Kilometer lang werden und vom Milchbuck bis zur Nordstrasse reichen.

Der Rosengartentunnel soll 2,3 Kilometer lang werden und vom Milchbuck bis zur Nordstrasse reichen.

Die Bauzeit des Tunnels wird Schätzungen zufolge rund acht Jahre dauern. Ein Grossteil des Baumaterials und der Baucontainer wird sich laut Tages-Anzeiger beim Bucheggplatz auf der Grünfläche in Richtung Käferberg befinden. Doch auch andere Quartiere werden von der Grossbaustelle betroffen sein. Einerseits müssen einige Häuser dem Bauprojekt weichen, andererseits wird zeitweise der Verkehr durch Quartierstrassen geführt werden müssen.

Wie soll das aussehen?

Wie die Tunnelportale und das Rosengartentram unter- und oberirdisch aussehen sollen, zeigen die folgenden Visualisierungen von Architron:

Wer ist für den Tunnel?

Der Zürcher Regierungsrat und der Stadtrat sind für das Projekt. Der Stadtrat hat aber einige Zweifel am Kosten-Nutzen-Verhältnis des Tunnels und wird sich deshalb nicht aktiv im Abstimmungskampf miteinbringen.

Laut Regierungsrat werde mit dem Grossprojekt eine wichtige Verkehrsachse für die Zukunft fit gemacht. Der Tunnel bringe nicht mehr Verkehr, sondern wickle diesen «flüssiger und siedlungsverträglicher» ab. Die Rosengartenstrasse zerschneide aktuell den Lebensraum tausender Menschen. «Das Gesamtprojekt bietet die Chance, die getrennten Quartierteile wieder miteinander zu verbinden», schreibt die Baudirektion des Kantons.

Wer ist dagegen und warum?

Anfänglich hatte das Grossprojekt viele Befürworter. Doch nun regt sich immer mehr Widerstand. Kritisiert wird vor allem der klimatische Aspekt. SP, Grüne und AL wehren sich gegen die «Autobahn», die mitten durch das Zürcher Quartier gebaut wird.

Auch Quartierverbände und die Umweltorganisation UmverkehR wehren sich vehement gegen den Tunnel. Kritisiert werden vor allem die hohen Kosten und die Belastung der Wohnbevölkerung durch die jahrelange Bauzeit. «Das Pro-Lager argumentiert immer mit dem ÖV, dabei fliessen über 75 Prozent der Projektkosten in ein Autoprojekt, bei welchem ein Kapazitätsausbau nicht ausgeschlossen werden kann», schreibt UmverkehR in einer Medienmitteilung.

Wer übernimmt die Kosten?

Gemäss Berechnung des Kantons übernimmt die Stadt Zürich 48 Millionen Franken von den insgesamt 1,1 Milliarden Franken. Diese sollen der weitergehenden Aufwertung und Umgestaltung des Quartiers dienen.

25 Prozent der Gelder kommen aus dem Verkehrsfonds, 75 Prozent werden durch den Strassenfonds finanziert. 30 bis 40 Prozent der Kosten soll der Bund übernehmen. Das Bundesamt für Raumentwicklung hat das Projekt im März 2019 jedoch an den Kanton zurückgewiesen, um das Kosten-Nutzen-Verhältnis zu verbessern. Ob der Bund tatsächlich einen Beitrag leistet, ist derzeit noch offen.

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