«Es war die absolute Dummheit meines Lebens», erklärte der Limmattaler Zauberkünstler am Montag vor dem Zürcher Obergericht. Der Mittdreissiger gab alle Vorwürfe zu. So hatte er als Buchhalter einer Urdorfer Firma zwischen Februar 2007 und Dezember 2008 immer wieder unrechtmässige Zahlungen an fiktive Gläubiger ausgelöst und auf dieses Weise über eine Million Franken abgezweigt.

Viel Luxus herbeigezaubert

«Ich stand unter dem Druck meines Vaters und meiner Frau», erklärte sich der Beschuldigte vor den Schranken. Allerdings war das eigentliche Tatmotiv viel einfacher: Der Limmattaler finanzierte sich nicht nur sein teures Hobby als Magier, sondern gönnte sich auch ein Leben in Luxus.

Plötzlich standen zwei Rennwagen der Marke Ferrari in seiner Garage oder diverse Zauberartikel im Wert von über 300’000 Franken. Der verheiratete Familienvater leistete sich sogar einen privaten Flugsimulator für über 121’000 Franken. Der Zauberer zeigte sich auch grosszügig gegenüber Dritten. So überwies er einem befreundeten Tierfotografen aus Zürich rund 200 000 Franken.

Rasanter sozialer Abstieg

Als der Hokuspokus des Beschuldigten Ende 2009 aufflog, verschwand der für zwei Monate in Untersuchungshaft. Der rasante soziale Abstieg setzte aber erst nach dem ersten Strafprozess im letzten November vor dem Bezirksgericht Dietikon ein. Der Limmattaler wurde wegen Veruntreuung und weiteren Delikten zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe von drei Jahren verurteilt.

Ein Jahr davon unbedingt. Zudem wurde er nicht nur verpflichtet, der Privatklägerin den Schaden zu ersetzen, sondern auch dem Kanton Zürich aus dem widerrechtlich erlangten Vermögensvorteil über 127 000 Franken abzuliefern. Als auch noch die Boulevard-Presse ausführlich über den ersten Prozess berichtete, war die Katastrophe für den Illusionisten perfekt. Er verlor bereits am nächsten Tag seinen neuen Job und ist seither arbeitslos.

Der Verteidiger, der den Dietiker Entscheid angefochten hatte, verlangte vor Obergericht eine Bewährungsstrafe von höchstens zwei Jahren. Der Anwalt stellte dabei eine gewisse Opfermitverantwortung in den Vordergrund. So sei seinem Mandanten keine besondere Raffinesse zu attestieren. Vielmehr hätten die Kontrollen der Firma versagt. Der Beschuldigte sei nicht der typische Wirtschaftskriminelle und bereue heute alles, plädierte er.

Strafe leicht gesenkt

Für das Obergericht kam eine umfassende Bewährungsstrafe aufgrund des hohen Deliktsbetrags sowie der langen Tatzeit von rund zwei Jahren nicht mehr infrage. Der Gerichtsvorsitzende Franz Bollinger sprach von einem unverfrorenen Vorgehen und einem krassen Vertrauensmissbrauch des Beschuldigten. «Er hat ohne Not gehandelt und einen luxuriösen Lebensstil geführt», führte Bollinger aus.

Das Obergericht kam dennoch zu einer leichten Strafsenkung und setzte neu eine teilbedingte Freiheitsstrafe von 30 Monaten fest. Neun Monate davon soll der Betrüger absitzen. Strafmindernd werteten die Oberrichter einen fraglichen Zeitungsartikel der Boulevard-Presse. Der Artikel hätte aufgrund der Identifizierbarkeit nie so veröffentlicht werden dürfen, sagte Bollinger. Solche Berichte seien geeignet, Existenzen zu zerstören, begründeten die Oberrichter den Rabatt für den Beschuldigten. Dieser sollte nun alsbald eine neue Arbeitsstelle finden. Dann könnte er die Strafe in Halbgefangenschaft verbüssen und müsste nur über Nacht ins Gefängnis einrücken.