Jetzt ist sie da, die Saison der Public Viewings, der Festivals – und der Chemie-Toiletten. Wer kennt ihn nicht, den eklig süsslichen Geruch, den diese meist blauen, roten oder weissen Plastikhäuschen verströmen? Manch einer nimmt ihn hin, weil die einzige Alternative der Gestank von Exkrementen wäre. Stimmt das? Nein. Diese Überlegung ist grundfalsch, weiss Jojo Linder, Mitgründer der jungen Firma Kompotoi aus Meilen. Es gibt eine sinnvolle Alternative zum Chemie-Klo, die nicht nur die Toilettengänger freut, sondern darüber hinaus auch noch Gärtner und Bauern glücklich machen könnte: die Kompost-Toilette.

Direkt neben dem Public Viewing mitten in der Stadt Zürich steht es, ein kleines hölzernes Häuschen mit eingefrästem Herzchen an der Tür. «Es wirkt so heimelig und schön, dass wir es unterdessen sogar für Hochzeiten vermieten können», freut sich Linder. Doch was ist das Besondere an der Kompost-Toilette? «Einerseits ist es das Äussere: Das Häuschen besteht komplett aus Holz, einem nachwachsenden Rohstoff, der eleganter und einladender wirkt als Plastik. Zudem werden die Häuschen in der Schweiz hergestellt – direkt in unserer Kompotoi-Scheune in Meilen», verrät Linder.

Trotz aller Schönheit, das Äussere ist nur zweitrangig, das eigentlich Spezielle ist das Klo selber. «Wir haben schon oft darüber geredet, dass die heutigen Toilettenlösungen in den Haushaltungen ökonomischer Schwachsinn sind», holt er aus. «Das Abwasser wird durch ewig lange Röhrensysteme zu den Kläranlagen transportiert, um dort vom Schmutz gesäubert zu werden. Auf der anderen Seite importieren die Bauern Unmengen von Phosphor als Dünger aus Drittweltländern. Dabei wäre dieser Stoff in unseren Exkrementen vorhanden. Bisher hatte nur noch nie jemand den Mut, diese beiden Probleme zu vernetzen.»

Und So funktioniert das Konzept der Komposttoilette: Es gibt ein Pissoir für den Männerurin plus ein normales WC für Kot und Frauenurin. «Bei letzterem ist es gut, wenn der kompostiert wird, weil er oft viele Hormone enthält», verdeutlicht Linder. Sonst muss Urin nicht kompostiert, sondern nur in einem Verhältnis von etwa 1:10 mit Wasser verdünnt werden und steht dann bereits als natürlicher Dünger bereit.

In der Kammer für Kot allerdings liegt eine spezielle Einstreu, die man auch zum «Spülen» verwendet. Sie bindet den Geruch, kann aber noch viel mehr: «Die Einstreu enthält verschiedene Stoffe – alle 100-prozentig biologisch abbaubar», hält Jojo Linder fest. «Einerseits enthält sie Sägespäne, genauer gesagt sind auch sie Recycling-Produkte, denn wir verwenden den Drechselabfall aus der Sargproduktion in Zürich. Diese werden mit Biokohle vermischt, einem sehr guten Speicher für die Nährstoffe aus dem Kot, der für die Erde zusätzlich ein perfekter Dünger ist.»

Insgesamt nennt er das Gemisch einen «super Bodenverbesserer». Diesen möchte das Team künftig an Gärtner oder Bauern weitergeben können. «So kehrt der Human Output in den Nährstoffkreislauf zurück, wo er hingehört. Heute sind Exkremente Abfall, dabei wären sie eine Ressource.»

Mittlerweile sind etwa zehn Toilettenhäuschen im Einsatz. «Wir haben schon für Partys, Hochzeiten, Public Viewings, Festivals, aber auch auf Baustellen Kompotoi-Häuschen aufstellen können.» Den Service, die Leerung und Reinigung übernimmt das Kompotoi-Team. Direkt vom Topf aus können die Kompotoi-Benutzer an der Innenwand auch das Prinzip nachlesen. «Oft sind die Benutzer dann so begeistert, dass sie sich fragen, ob man das nicht auch daheim oder in Restaurants fix installieren könnte. Unsere Antwort: Natürlich geht das.» Man kann bei Kompotoi WC-Häuschen auch langfristig mieten oder kaufen. Den Service bietet das Team auch dann an. «Bei einer vierköpfigen Familie reicht beispielsweise eine monatliche Leerung. Wer zwei Tanks besitzt, kann uns auch alle zwei oder drei Monate kommen lassen, um den Kompost abzuholen», erklärt er.

In Genf gebe es bereits eine moderne Siedlung, die mit einem solchen System arbeitet. «In diesen Projekten sehen wir unsere Zukunft.» Zuerst müsse die Idee der Komposttoilette aber aus dem Tabu-Bereich in der Gesellschaft herausgeholt werden. Ein Fernziel wäre es, aus den Exkrementen via Biogas-Anlage Energie zu gewinnen. «Dann könnten wir damit unsere Transporter betreiben, das wäre schon fast ein perfekter Kreislauf», schwärmt Jojo Linder.