Belohnung
Ein iPad oder Möbelgutschein für einen Mietvertragsabschluss

Belohnung Immobilienfirma verspricht Möbelgutscheine und iPads für Vertragsunterzeichnung. Diese Masche ist kein Einzelfall aber laut dem Mieterverband doch eine eher unübliches «neueres Phänomen»

Anna Wepfer
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Mit einem Möbelgutschein werben die Vermieter der Liegenschaft Breiti in Nürensdorf.

Mit einem Möbelgutschein werben die Vermieter der Liegenschaft Breiti in Nürensdorf.

Limmattaler Zeitung

Wer derzeit auf der Suche ist nach einer neuen Wohnung, schätzt sich meist schon glücklich, wenn er innert nützlicher Frist eine bezahlbare Bleibe findet. Dass einen der Vermieter für die Unterschrift auf dem Vertrag auch noch belohnen könnte, ist da nur sehr schwer vorstellbar.

Genau das aber tut die auf Immobilienverwaltung spezialisierte Firma Livit: «Ihr Geschenk: iPad 4», steht gross über einem Wohnungsinserat, das in Tageszeitungen kursiert. Der Clou: Wer die 5,5-Zimmer-Wohnung in Dänikon im Zürcher Unterland für 2280 Franken monatlich übernimmt, bekommt nicht nur das laut Inserat grosse Wohnzimmer, die moderne Küche und den sonnigen Balkon, sondern auch noch einen Tablet-Computer mit dazu. Ein Zückerchen für den Neukunden im Wert von mehreren hundert Franken.

Auf der Livit-Website zeigt sich: Diese Masche ist kein Einzelfall. Wer den Vertrag für die 3,5-Zimmer-Wohnung in Zürich Wipkingen für 3190 Franken unterzeichnet, bekommt eine ganze Monatsmiete geschenkt. Auch in den 3,5 Zimmern in Küsnacht (2518 Franken) wohnt man einen Monat lang gratis. In Nürensdorf sind derweil gleich zwei Wohnungen ausgeschrieben, deren künftiger Bewohner mit einem Möbelgutschein über 2000 Franken rechnen darf. Einzige Einschränkung: Der Mieter muss mindestens zwölf Monate in der Wohnung bleiben.

«Ein neueres Phänomen»

Beim Zürcher Mieterverband hat man von solchen Angeboten auch schon gehört. Sie seien aber unüblich und «ein neueres Phänomen», sagt Geschäftsführerin Felicitas Huggenberger. Sie beobachtet, dass Geschenke für Mietverträge meist dann angeboten werden, wenn Wohnungen ausserhalb der Boom-Regionen liegen und im Vergleich mit umliegenden Wohnungen eher teuer sind. Wohnungen also, die nicht weggehen wie warme Weggli.

Huggenberger verfolgt die Entwicklung deshalb mit Skepsis. Sie befürchtet, die Geschenke seien Lockvogelangebote, die über Mängel einer Wohnung hinwegtäuschen sollen. «Ich bezweifle, dass die Livit einfach ihre Mieter mit iPads ausrüsten will», sagt sie. Viel wahrscheinlicher sei, dass die betreffende Liegenschaft einen Haken habe. «Interessenten rate ich deshalb, noch genauer hinzuschauen als sonst, den Mietvertrag überprüfen zu lassen und sich auch mal mit den Nachbarn zu unterhalten, bevor man einen Vertrag unterzeichnet.» Von Livit wollte gestern niemand mündlich Stellung nehmen.

Schriftlich teilte Sprecher Beat Gmünder mit, die Firma probiere – in Absprache mit dem jeweiligen Besitzer einer Liegenschaft – «neue und innovative Wege in der Vermarktung» aus. Das Anreizsystem werde in der Branche zwar zurückhaltend angewandt, sei aber durchaus üblich. Die Livit hat 2007 erstmals mit Belohnungen für Mieter gearbeitet. Die Frage, für welche Objekte Geschenke infrage kämen, beantwortet Gmünder vage damit, die Wohnungen seien «in Bezug auf Lage, Preis und Grösse sehr breit gefächert». Die Vermutung des Mieterverbands, die Livit wolle so ihre Ladenhüter loswerden, lässt er unkommentiert.

Bei anderen Immobilienverwaltungen reagiert man überrascht auf die Geschenke-Strategie: «Ich habe davon noch nie gehört», sagt etwa die Zürcher Filialleiterin einer grossen, schweizweit tätigen Immobilienfirma. Sie hält wenig von Belohnungen für Mieter. «Die Wohnung muss überzeugen, nicht das iPad oder der Möbelgutschein», sagt sie. Eine andere Immobilienverwalterin sagt, Mietreduktionen kämen als Anreiz insbesondere bei Erstvermietungen tatsächlich ab und zu vor. Auch schon gesehen habe sie, dass der neue Vermieter die Zügelkosten übernehme. Andere materielle Belohnungen sind ihr aber nicht bekannt.

Grosser Anklang bei Mietern

Ihre eigenen Liegenschaften vermarktet sie ohne Sonderangebote. Sie ist überzeugt: «Nur wegen eines Geschenks entscheidet sich niemand für eine Wohnung.» Die Erfahrungen der Livit gehen aber offenbar in eine andere Richtung.

«Der Anklang bei unseren Mietinteressenten ist gross und die Rückmeldungen sind positiv», schreibt Gmünder. Ein attraktives Geschenk könne bei der Wahl einer Wohnung «schon mal das berühmte Zünglein an der Waage spielen».

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