Zwischennutzung
Ein Hochhaus der Fotografie für acht Monate

Nahe beim Paradeplatz ist ein Bürogebäude der UBS zum Ausstellungsraum für bis zu 50 Fotografen mutiert. Am Donnerstag eröffneten Stadtrat André Odermatt und Ausstellungsmacher Romano Zerbini die Photobastei.

Matthias Scharrer (Text und Fotos)
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Stadtrat André Odermatt (rechts), Veranstalter Romano und Carmen Zerbini bei der Eröffnung der Photobastei vor Bildern von Paolo Pellegrini.

Stadtrat André Odermatt (rechts), Veranstalter Romano und Carmen Zerbini bei der Eröffnung der Photobastei vor Bildern von Paolo Pellegrini.

Matthias Scharrer

So schnell kanns gehen: Am 13. November vergangenen Jahres hatte Romano Zerbini den Vertrag für die Zwischennutzung des ehemaligen UBS-Bürohochhauses an der Bärengasse 29, nahe beim Paradeplatz, unterzeichnet. Wenige Tage vorher hatten die Banker ihre Büros geräumt. Gestern schnitt Zerbini zusammen mit dem Zürcher Stadtrat André Odermatt ein blaues Band vor der Eingangstür durch: Die Photobastei ist eröffnet. Sie bietet auf sieben Stockwerken Fläche für bis zu 50 gleichzeitig stattfindende Foto-Ausstellungen. Hereinspaziert.

Im Parterre lockt eine Bar zum Verweilen. Der Charme des Improvisierten, Provisorischen ist allgegenwärtig: Die Bar ist aus SBB-Paletten gezimmert, Sektgläser bilden einen Kronleuchter. Odermatt stösst mit Zerbini, der seit Jahren die Fotowerkschau EWZ-Selection in Zürich veranstaltet, an. Der SP-Stadtrat lobt das «wunderbare Zwischennutzungsprojekt» und fügt an: «Die illegalen Zwischennutzungen, wie auf dem Koch- und Labitzke-Areal, halten uns auf Trab.»

Odermatt erinnert daran, dass das nun zwischengenutzte Gebäude 1955, als es nach Plänen von Werner Stücheli erbaut wurde, das erste Hochhaus in der Zürcher Innenstadt war. Mittlerweile sei es etwas in Vergessenheit geraten. «Jetzt wird es für acht Monate zur Hochburg für zeitgenössische Fotografie.»

Die ersten zwei Stockwerke sind für grosse Ausstellungen renommierter Fotografen reserviert. Den Auftakt bilden Kriegsfotografien des Magnum-Fotografen Paolo Pellegrin. In die darüber liegenden fünf Stockwerke können sich Fotografen zu günstigen Konditionen für kurze Zeit einmieten, um ihre Werke nach eigenem Gusto auszustellen. Anders als in konventionellen Galerien stehe hier der Verkaufsgedanke nicht im Vordergrund, erklärt Zerbin – und folgert: «Es ist ein Ort für Fotografie, die man selten sieht.»

Christine Bärlocher und Christian Bobst, die in den oberen Stockwerken Kojen für ihre Fotos gebucht haben, sind begeistert: «Hier steckt viel Herzblut drin», sagt Bärlocher, die eine Fotoserie über das Alltagsleben einer Familie ausstellt. «Das ist wie ein Blick in mein Atelier.» Bobst zeigt Fotos eines Salzsees im Senegal, die er im Auftrag eines Hilfswerks geschossen hat. «Hier kann ich meine Fotos in der Grösse und dem Layout zeigen, das ich für richtig halte», schwärmt er. «Bei angewandter Fotografie ist das sonst nicht möglich.» Daher sei die Photobastei etwas Einmaliges. Das Experiment dauert bis zum 31. August. Dann werden die Räume im ältesten Hochhaus der Zürcher City zu Luxusbüros.

Photobastei, Bärengasse 29, 8001 Zürich, Di-So 12-21 Uhr.

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