Solche Menschen reagieren auf geringste Konzentrationen von Chemikalien sowie elektromagnetische Felder mit körperlichen Beschwerden bis hin zu chronischer Erschöpfung. Die Stadt Zürich hat für dieses europaweit einzigartige Pilotprojekt das Grundstück im Baurecht zur Verfügung gestellt. Die Bauarbeiten wurden am Dienstag mit einem Spatenstich gestartet.

Damit Umwelterkrankte auf Linderung hoffen können, wurde in Zürich-Leimbach bereits die Bauparzelle nach baubiologischen Kriterien ausgewählt. Diese sei von Umwelteinflüssen wenig belastet, teilte die für den Bau verantwortliche Baugenossenschaft Gesundes Wohnen mit.

Auf der Baustelle gelten zudem strenge Vorschriften. Bei der Montage werden möglichst keine Chemikalien eingesetzt, es gilt ein Rauchverbot und Montageschäume oder Spraydosen dürfen nicht eingesetzt werden. Die Beschäftigten auf der Baustelle werden geschult und auf die besonderen Motagevorschriften hingewiesen.

Glasfaserstäbe statt Armierungseisen

Über ein komplexes Auswahlverfahren werden Baumaterialien genau spezifiziert, deren chemische Zusammensetzung eruiert und die Risiken übermässiger Emissionen abgeschätzt. Anschliessend testet eine ausgewählte Gruppe Umwelterkrankter geeignete Materialmuster und prüft diese auf ihre Verträglichkeit.

Bisherige Tests hätten teilweise überraschende Resultate erbracht, heisst es in der Mitteilung. So bewerteten MCS-Betroffene etwa Fensterrahmen aus PVC, die baubiologisch als «Unmaterial» gelten, deutlich besser als Verputz aus Lehm.

Im Endausbau soll das Gebäudeinnere eine Luftqualität wie auf der grünen Wiese haben. Erreicht werden soll dies durch die konsequente Umsetzung des «Zwiebelschalenprinzips». Das Treppenhaus liegt im Gebäudekern, darum herum gruppieren sich die potenziell belasteten Zonen.

In die aussen liegenden Ruhe- und Erholungsräume gelangt man erst nach dem Passieren einer Schmutzschleuse. Eine weitere Besonderheit liegt in der Betonarmierung. Um negative elektrobiologische Einflüsse zu minimieren, werden die Ruhe- und Erholungsräume mit Glasfasterstäben armiert.

Wohnungen werden verbilligt

Der Bau der 15 Spezialwohnungen kostet voraussichtlich 5,95 Millionen Franken. 20 bis 25 Prozent Mehrkosten aufgrund der speziellen Anforderungen seien darin eingeschlossen, schreibt die Wohnbaugenossenschaft. 80 Prozent der Wohnungen werden mit Mitteln der Wohnbauförderung vergünstigt. Eine kleine 2-Zimmer-Wohnung mit einer Fläche von 56 Quadratmetern wird rund 1050 Franken kosten.

Das Zürcher Pilotprojekt soll vertiefte Erkenntnisse über schadstoffarmes Bauen vermitteln. Das Bundesamt für Wohnungswesen (BWO) führt deshalb eine wissenschaftliche Projektauswertung durch.