In der reformierten Kirche Meilen ist es etwas kühler als früher. Seit 2010 wird sie auf 18 statt 19 Grad Celsius geheizt – wenn niemand dort ist, auf 12 Grad. Das ist eine der Massnahmen, die die Kirchgemeinde getroffen hat, um sich im letzten Herbst als eine der ersten in der Schweiz mit dem Grünen Güggel zu zertifizieren. Das Umweltmanagementsystem stammt aus Deutschland (siehe Kasten) und ist zugeschnitten auf Kirchgemeinden. Zuerst wird analysiert, welches Potenzial eine Kirchgemeinde hat, ökologischer zu funktionieren. «Dabei achten wir auf die Liegenschaften, also Wärme-, Strom- und Wasserverbrauch, aber auch Papier- und Abfallaufkommen werden überprüft», sagt Andreas Frei, der interessierte Kirchgemeinden berät. Danach werden Massnahmen und Ziele definiert. Auch Biodiversität, Beschaffungswesen, Mobilität und die Vermittlung von Nachhaltigkeit in Predigten und im Religionsunterricht können Themen des Grünen Güggels sein. Laut Frei können Kirchgemeinden mit der Einführung des Grünen Güggels bis zu 15 Prozent Energie und damit Kosten sparen.

Hängt bisher erst in Meilen: die Plakette des Grünen Güggels.

Hängt bisher erst in Meilen: die Plakette des Grünen Güggels.

Nistkästen für Mauersegler

In Bülach wurde im Rahmen des Projekts auf dem Kirchgemeindehaus eine Photovoltaikanlage installiert. Und im Kirchturm hat der Sigrist Nistkästen für Mauersegler eingebaut. «Im vergangenen Jahr waren erstmals alle Kästen besetzt», sagt Boris Conod, Leiter des Hausdienstes der Reformierten Kirchgemeinde Bülach. Das reformierte Bülach liess sich 2013 mit ISO 14001 zertifizieren, einem Ökozertifikat für Unternehmen, da es den Grünen Güggel in der Schweiz noch nicht gab.

Ganz am Anfang steht die katholische Kirchgemeinde in Pfungen. Anfang Jahr wurden Gebäude, Beleuchtung, Kühlschränke und Einstellungen von Druckern und Computern auf ökologisches Sparpotenzial hin analysiert. «Unsere Kirche wurde erst vor kurzem renoviert», sagt Kirchgemeindepräsident Patrick Fischer. Die Heiztechnik sei auf dem neusten Stand, nun wolle man diese ideal programmieren, sprich die Temperatur senken, wenn niemand in der Kirche ist. Auch der Kirchgarten soll mit Blumen und Stauden umgestaltet werden, damit nicht mehr eine so grosse Fläche gemäht werden muss. Obwohl erst Massnahmen aufgelistet wurden, rechnet Fischer damit, dass Pfungen 2017 die Zertifizierung erhalten wird. Rund 6000 Franken wird das Projekt die kleine Kirchgemeinde kosten. «Das ist wenig im Vergleich zu Zertifikaten in der Privatindustrie», sagt Fischer. «Natürlich hoffen wir, in Zukunft nicht nur Energie, sondern auch Geld zu sparen.»

Herzensangelegenheit

Auch Bonstetten hat erst gerade begonnen. Nach einer Bestandesaufnahme im Sommer wurden aber bereits Massnahmen getroffen: Die Turmfenster der Kirche wurden für Fledermäuse geöffnet. Neu kauft die Kirchgemeinde Solarstrom ein, und eine Buchsbaumhecke vor der Kirche wurde durch einheimische Schneeball- und Holunderstauden ersetzt. Treibende Kraft ist die Umweltingenieurin und Kirchenpflegerin Judith Grundmann: «Der Grüne Güggel ist meine Herzensangelegenheit.» Nun hofft sie, Freiwillige zu motivieren, sich mit ihr als Umweltteam zu engagieren.

«Es ist die Uraufgabe der Kirche, der Schöpfung Sorge zu tragen», sagt Dietrich Schuler, Kirchgemeindeschreiber der reformierten Kirche Dübendorf. Diese steht kurz vor der Zertifizierung und wird im Herbst eine Plakette mit dem Logo des Grünen Güggels erhalten. In Dübendorf herrschte laut Schuler wenig Nachholbedarf, was die Gebäude betrifft: «Wir haben etwa seit je LED-Leuchten.» Dennoch gebe es noch viel zu tun, auch im Kleinen: «Wir waren überrascht, dass ökologisches WC-Papier günstiger ist als unser bisheriges», sagt Schuler. Zurzeit arbeitet das Dübendorfer Umweltteam an einem Einkaufsführer für Apéros, damit nicht im Winter Trauben aufgetischt werden, sondern Produkte aus der Region. «Es sind oft banale Dinge, die viel ausmachen», sagt Feyna Hartman, Kirchenpflegerin und Umweltbeauftragte in Meilen. Die Seegemeinde hat bereits 2008 mit dem Projekt Grüner Güggel begonnen und dies mit einem Projektkredit von 10 000 Franken finanziert. Meilen hat viel zur Entwicklung des Labels beigetragen, etwa mehrere Energiebuchhaltungssysteme ausprobiert, bevor das sogenannte Grüne Datenkonto allen Kirchgemeinden empfohlen wurde.

Türen schliessen

Neben den baulichen Massnahmen gehe es vor allem ums Verhalten, sagt Hartman: Türen schliessen zu einem unbeheizten Raum oder eine Chorprobe nicht in der Kirche abhalten, die nicht geheizt wird, sondern in einem anderen Raum, dessen Heizung läuft. Das Umweltbewusstsein von Mitarbeitern und Gemeindemitgliedern verändere sich nicht von heute auf morgen. «Dafür braucht es viel Rückhalt in der Gemeinde.»

Nach der Zertifizierung ist das Projekt nicht abgeschlossen. «Es ist ein kontinuierlicher Verbesserungsprozess», sagt Umweltberater Andreas Frei. Jährlich führen die Umweltteams interne Audits durch. Nach vier Jahren muss sich die Kirchgemeinde rezertifizieren lassen. Mit dem Grünen Güggel wollen die Kirchen auch eine Vorbildfunktion übernehmen, um Private oder benachbarte Kirchgemeinden zu ökologischerem Handeln zu motivieren. Die Zahl der Interessenten steigt und wird bald zu gross für Frei. Im Herbst führt die kirchliche Umweltfachstelle Oeku, die Zertifizierungsstelle des Grünen Güggels, daher eine Ausbildung für Umweltbeauftragte durch. Danach können diese ihre eigene, aber auch Nachbargemeinden beraten.