Kino Razzia
Ein geschichtsträchtiges Kino im Kreis 8 lebt wieder auf

Das Gebäude, in welchem das heutige Restaurant Razzia zu Hause ist, hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Nun werden wieder Filme gezeigt.

Lina Giusto
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In den 1980er-Jahren galt es als Schandfleck: Das Kino Razzia, 1989.

In den 1980er-Jahren galt es als Schandfleck: Das Kino Razzia, 1989.

Keystone

Das Gebäude an der Seefeldstrasse 82 im Zürcher Kreis 8 hat eine über 100 Jahre dauernde und bewegte Geschichte hinter sich. Die ehemalige Villa Mainau entstand 1847. Rund 30 Jahre später wurde das Gebäude durch einen Saalbau erweitert und zu einem Restaurant umfunktioniert. 1878 wurde die Villa durch ein zusätzliches Stockwerk zu einem gutbürgerlichen Mehrfamilienhaus umgebaut.

Der Innenraum war reich verziert mit Decken- und Wandbildern griechischer Götter von Maler Otto Haberer. Dieser Prunk verschwand 1950 bei einer kühlen und damals zeitgemässen Renovation hinter Gipswänden. Zu dieser Zeit wurde der Saal bereits seit knapp 30 Jahren als Kino genutzt, damals unter dem schlichten Namen «Seefeld». Wie das Gebäude blieb auch das Kino der Unbeständigkeit treu. So wechselte es 1973 seinen Namen zu «Kino 8», dann «Eroskino 8» und später «Hollywood». Im ehemaligen Stummfilmkino wurden damals mehrheitlich Sexfilme gezeigt. Es folgten Zwischennutzungen des Raumes durch das alternative Radio Lora oder den ersten Take-away der Stadt namens «Schmatzkönig».

Den Namen «Razzia» trägt das heutige Restaurant nun seit den 1980er-Jahren. Gerade in jener Zeit galt das Lokal als Schandfleck des Zürcher Seefeldes, da sich damals vor den Türen des Kinos die Drogenprostitution ausbreitete. Den vorerst letzten Handwechsel gab es 1986, als der 23-jährige Student Jürg Judin versuchte, mit Studiofilmen dem Kino zum Erfolg zu verhelfen. Sein Abenteuer endete 1989.

Dafür aber förderte Judin etwas anderes zutage, wie Herausgeber Urs Steiner in seinem Buch «Das Kino Razzia – Ein Abspann» schrieb. Kurz nach der Kinoübernahme riss Judin die Gipswände auf und entdeckte die seit nun mehr als 30 Jahren vergessenen Friesen Haberers. Ihr Wert: denkmalpflegerisch. Dennoch verstrichen nochmals rund 20 Jahre, bevor das Razzia denkmalpflegerisch restauriert seinen Betrieb als Restaurant aufnahm. Die vierköpfige Geschäftsführung haucht seit Anfang des Jahres dem Restaurant jeweils montags durch eine Filmvorführung wieder Kinoatmosphäre ein.