Flughafen Zürich
Ein Fünftel mehr Schmuggelfälle

Flughafen Über 11 Tonnen illegale tierische Produkte hat der Zoll am Flughafen Zürich letztes Jahr entdeckt. Der Zigaretten- und Cannabisschmuggel hat markant zugenommen.

Manuel Navarro
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Auch der Zigarettenschmuggel hat im letzten Jahr stark zugenommen. (Symbolbild)

Auch der Zigarettenschmuggel hat im letzten Jahr stark zugenommen. (Symbolbild)

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Die rund 130 Beamten der Zollstelle Zürich Flughafen hatten letztes Jahr viel zu tun. Bei Kontrollen deckten sie insgesamt 4330 Schmuggelfälle auf, fast 18 Prozent mehr als im Vorjahr.

Dabei seien die Schmuggler zum Teil raffiniert vorgegangen, erklärte Heinz Widmer, der Leiter der Zollstelle, gestern vor den Medien. So kontrollierten die Beamten im letzten Juni zum Beispiel eine 48-jährige Frau, die mit mehreren Packungen von Keksen und Frühstücksflocken einreisen wollte. Die Verpackungen beinhalteten indes keine Nahrung, sondern vielmehr Zigaretten.

«Der Zigarettenschmuggel hat im letzten Jahr stark zugenommen», sagte Widmer. 1529 Aufgriffe wurden verzeichnet, mehr als doppelt so viele wie im letzten Jahr. «Weil uns viele Kuriere namentlich bekannt sind, reisen sie oft mit falschem Namen, falschen Gepäcksetiketten und gefälschten Reiserouten», erklärte er.

Er vermutet daher, dass kriminelle Organisationen und Insider an den Abflughäfen in den Schmuggel involviert sind. Grund für den zunehmenden Schmuggel mit Zigaretten seien die Preise. Diese seien im osteuropäischen Raum sehr viel günstiger als in Westeuropa.

Wachstumshormone im Breitensport

Oft ins Netz gingen den Beamten auch Personen, die versuchten, tierische Produkte aus Ländern mit hohem Seuchenrisiko in die Schweiz zu bringen. Über 11 Tonnen Würste, gefrorene Poulets und andere tierische Produkte wurden 2015 aufgegriffen und vernichtet. Ein Grossteil dieser Produkte stammte aus dem Kosovo, aus Thailand und aus Brasilien.

«Würde wegen solcher Produkte etwa die Maul- und Klauenseuche in der Schweiz ausbrechen, könnte dies einen enormen volkswirtschaftlichen Schaden verursachen», so Widmer. Bei den Ausbrüchen dieser Seuche in Grossbritannien 2001 und 2007 seien Schäden von schätzungsweise 13 Milliarden Franken entstanden.

Einen Hype habe es auch im Bereich Dopingprodukte gegeben. «Wachstumshormone haben den Weg in den Breitensport gefunden. Sie werden in Fitnesscentern eingenommen und können zu erheblichen gesundheitlichen Schäden führen», sagte Widmer.

775 Aufgriffe verzeichnete die Zollstelle, alleine 80 Ampullen voller Wachstumshormone versteckt in einem Lautsprecher. Einen weiteren Boom beobachtete die Zollstelle beim Schmuggel von Cannabisprodukten.

Wurden 2014 noch 2,7 Kilogramm entdeckt, waren es 2015 über 73 Kilo. Besonders ausgefuchst agierte ein Schmuggler, der ein Kilo Marihuana in einem ausgehöhlten Band des Nachschlagewerks Encyclopædia Britannica versteckte. Nicht minder kreativ, aber ebenso erfolglos war der Versuch, gefälschte Uhren in chinesischen Spielzeugautos zu verstecken.

Mehr gefälschte Dokumente

Neben der Zollstelle des Flughafens informierte gestern auch die Grenzwachtregion II, zu welcher die Kantone Zürich, Schaffhausen und Thurgau gehören, über die Bilanz des vergangenen Jahres. «Letztes Jahr wurden über 40 Prozent mehr gefälschte Dokumente entdeckt.

Das ist eine sehr starke Zunahme», sagte Kommandant Thomas Zehnder. Insgesamt seien 338 gefälschte Dokumente aufgedeckt worden, im Vorjahr waren es noch 239. Zudem wurden 81 Personen angehalten, die versuchten, ihre Identität mit einem echten, aber ihnen nicht zustehenden Ausweis zu verschleiern.

«Für die Zunahme gibt es vor allem zwei Gründe», führte Zehnder aus. «Erstens die wirtschaftliche Lage. So gibt es zum Beispiel Chauffeure, die hier einen gültigen Führerschein brauchen, um einen Job zu erhalten. Zweitens natürlich die Migration.

Mit einem Pass, mit welchem man in Europa ein Visum erhalten kann, kann man anders flüchten, zum Beispiel mit dem eigenen Auto.»

Die Migration hat sich auch sonst auf die Grenzwachtregion II ausgewirkt. So musste Zehnder seine Mitarbeiter zur Verstärkung unter anderem ins Tessin und in die Ostschweiz an die Grenze schicken.

Überrascht habe ihn zudem, dass gegen Ende Jahr viele Migranten über Deutschland in die Grenzwachtregion II gekommen seien. Im November und Dezember wurden in manchen Wochen schweizweite Rekorde gemessen.