Bülach

Ein CEO einer Schweizer Firma ist knapp am Rasertatbestand vorbeigeschrammt

«Ich habe dabei nicht auf den Tacho geachtet und wusste nicht, dass ich derart schnell unterwegs war». (Symbolbild)

«Ich habe dabei nicht auf den Tacho geachtet und wusste nicht, dass ich derart schnell unterwegs war». (Symbolbild)

Zwei Kilometer pro Stunde gaben den Ausschlag: 52-Jähriger erhält eine bedingte Strafe. Im vergangenen November hat der Schweizer innerhalb einer Woche gleich zweimal gegen das Strassenverkehrsgesetz verstossen.

Dieser Beschuldigte gehört zur untypischeren Sorte der Straftäter. Er ist ein erfolgreicher Geschäftsmann und CEO eines Schweizer Unternehmens, er ist verheiratet, hat drei Kinder und bastelt gerne an alten Fahrzeugen herum. Der 52-Jährige zeigte sich vor dem Bezirksgericht Bülach denn auch einsichtig: «Ich habe einen Fehler begangen und daraus gelernt.»

Der Schweizer hat im vergangenen November innerhalb einer Woche gleich zweimal gegen das Strassenverkehrsgesetz verstossen. Zuerst war er auf einer Landstrasse im Bezirk Bülach mit 144 Kilometern pro Stunde statt dem erlaubten Tempo 80 unterwegs. Abzüglich der Sicherheitsmarge sind das 58 km/h zu viel.

Wenige Tage später verlor er mit demselben Auto der Marke Porsche in einer Kurve die Kontrolle, prallte in eine Strassenlampe und rutschte anschliessend eine Böschung hinunter. Am Fahrzeug waren Sommerpneus montiert.

Der Beschuldigte sagte bei der Gerichtsverhandlung: «Beim Porsche handelte es sich um einen Oldtimer, welchen ich selbst restauriert habe.» Mit diesem habe er sich dann auf eine kurze Testfahrt begeben, um zu prüfen, ob auch alle Gänge richtig funktionieren würden. «Ich habe dabei nicht auf den Tacho geachtet und wusste nicht, dass ich derart schnell unterwegs war», beteuerte der Mann vor Gericht. Und er meinte zur Beschwichtigung, dass zu diesem Zeitpunkt gar keine anderen Autos auf der zu hundert Prozent übersichtlichen Strasse unterwegs gewesen seien.

Monatseinkommen von 76'000 Franken

Der Unfall eine Woche später sei ein anderes Thema: «Es war eine unproblematische Kurve. Ich meinte, ich sei langsam genug unterwegs», sagte der 52-Jährige. Er habe auch nicht daran gedacht, dass zu diesem Zeitpunkt Sommerpneus am Fahrzeug montiert gewesen seien.

Die Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland klagte den Schweizer unter anderem wegen vorsätzlich grober Verletzung der Verkehrsregeln an und forderte dafür eine Freiheitsstrafe von elf Monaten sowie eine Busse von 10'000 Franken.

Der Verteidiger des Beschuldigten plädierte für eine mildere Bestrafung. Eine bedingte Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu 840 Franken (gesamt 100'800 Franken) sowie eine Busse von 10'000 Franken seien für die Delikte seines Mandanten gerechtfertigt.

Dieser unüblich hohe Tagessatz kommt aufgrund des Einkommens des Beschuldigten zustande. Als CEO einer grossen Schweizer Firma mit über 2000 Mitarbeitenden verdient er rund 76'000 Franken pro Monat. Der Verteidiger machte in seinem Plädoyer auf die Unverhältnismässigkeit der geforderten Strafe aufmerksam. «Es kann nicht sein, dass ein alkoholisierter Fahrer, der innerorts mit übersetzter Geschwindigkeit unterwegs ist, milder bestraft wird als mein Mandant», zog er den Vergleich zu einem bereits gefällten Urteil.

Gericht verhängt höchstmögliche Busse

Das Bezirksgericht Bülach sprach den Firmenchef wegen vorsätzlich grober Verletzung der Verkehrsregeln (Geschwindigkeitsüberschreitung) und fahrlässiger Verletzung der Verkehrsregeln (Unfall) schuldig. Es verhängte eine bedingte Freiheitsstrafe von neun Monaten sowie die höchstmögliche Busse von 10'000 Franken.

«So schnell zu fahren, war rücksichtslos und völlig unnötig», begründete der Richter. Der Beschuldigte hatte Glück: Wäre er zwei Kilometer pro Stunde schneller gefahren, hätte er den sogenannten Rasertatbestand erfüllt und wäre noch härter bestraft worden.

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