Zürich
Eigenmietwert eines Hauses: Kantonsrat gegen Streichung von Abzügen

Der Zürcher Kantonsrat hat am Montag eine Parlamentarische Initiative (PI) nicht überwiesen, die verlangt hat, dass Hausbesitzer künftig ungenutzte Zimmer nicht mehr von der Steuer absetzen können sollten. Die Parlamentsmehrheit wollte ältere Hausbesitzer nicht in Bedrängnis bringen.

Merken
Drucken
Teilen
Die Parlamentarische Initiative forderte die Abschaffung der Möglichkeit, ungenutzte Zimmer vom Eigenmietwert eines Hauses abziehen zu können. (Symbolbild)

Die Parlamentarische Initiative forderte die Abschaffung der Möglichkeit, ungenutzte Zimmer vom Eigenmietwert eines Hauses abziehen zu können. (Symbolbild)

KEYSTONE

Mit 98 zu 69 Stimmen lehnte der Kantonsrat eine PI ab, welche die Möglichkeit abschaffen wollte, ungenutzte Zimmer vom Eigenmietwert eines Hauses abzuziehen.

Die Mehrheit der kantonsrätlichen Kommission für Wirtschaft und Abgaben (WAK) lehnte es ebenso wie der Regierungsrat ab, den Unternutzungsabzug aufzuheben. Er werde bei der direkten Bundessteuern gewährt und existiere schon im alten Steuergesetz. Zudem würden rund die Hälfte der Kantone ähnliche Bestimmungen kennen.

2000 bis 3000 Fälle im Kanton

Würde der Unternutzungsabzug aufgehoben, könnte sich dies fatal auf ältere alleinstehende Personen und Ehepaare auswirken. Sie hätten steuerlich keine Möglichkeit mehr, einen Abzug geltend zu machen. Im schlimmsten Fall müssten sie ihr Eigenheim und die gewohnte Umgebung verlassen, befürchteten die Gegner.

Ausserdem soll es sich nach Ansicht der WAK nur um 2000 bis 3000 Fälle handeln, welche den Abzug geltend machen könnten. Möglich ist der Abzug nur, wenn die Liegenschaft zuvor voll bewohnt war und nach Auszug der Kinder oder Tod eines Lebenspartners unterbesetzt ist.

Härtefälle befürchtet

Die Ratsrechte bezeichnete den Vorschlag am Montag als unsozial, die Ratslinke und Teile der Mitte hielten dagegen, dass die heutigen Abzüge falsche Anreize bieten würden.

Judith Bellaiche (GLP, Kilchberg) fragte sich, weshalb Besitzer untergenutzter Häuser zwar die Liegenschaft und den Garten unterhalten könnten, aber die wenigen hundert Franken für die vorliegende Steuer nicht übrig haben sollten. Dem Kanton entgingen Steuereinnahmen und wertvoller Wohnraum bleibe ungenutzt.

Ruth Ackermann (CVP, Zürich) fragte: "Wenn jemand den Eigenmietwert des Hauses nicht mehr bezahlen kann, soll er es dann dank des Abzugs behalten können?" Mieter hätten diese Möglichkeit nicht, wenn die Wohnung nach Auszug der Kinder zu gross werde.

Der bessere Weg sei, auf Bundesebene den Eigenmietwert abzuschaffen, meinte Hans-Jakob Boesch (FDP, Zürich). Seines Erachtens sei der Nutzen gering, wenn der Abzug abgeschafft würde. Aber: "Der administrative Aufwand ist gross und das Risiko besteht, dass es zu Härtefällen kommt."