Asyl
Eigene Wohnung: Wichtiger Integrationsschritt für Flüchtlinge

Flüchtlinge haben im Kanton Zürich besondere Schwierigkeiten, auf dem privaten Markt Wohnungen zu finden. Immer mehr private Initiativen helfen: Mehr als eine Ergänzung ist dies aber nicht

Silvan Gisler
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Eigene Wohnung: Wichtiger Integrationsschritt für Flüchtlinge. (Symbolbild)

Eigene Wohnung: Wichtiger Integrationsschritt für Flüchtlinge. (Symbolbild)

ZVG KEY

Die jüngsten Zahlen zeigen: 2015 stellten 39 523 Menschen ein Asylgesuch in der Schweiz, das sind 15 758 mehr als im Vorjahr.

In Zürich befanden sich 11 074 Menschen im Asylprozess. Eine Prognose für 2016 sei zwar schwer möglich, schreibt das Bundesamt für Migration, macht aber gleichzeitig klar: Weniger als 2015 werden es kaum sein.

Dies bedeutet auch eine erhöhte Belastung für den Kanton Zürich. Viele der Unterbringungen im Kanton laufen über grosse Organisationen wie die ORS Service AG oder die Asylorganisation Zürich (AOZ).

Allein die AOZ ist in der Stadt Zürich für die Unterstützung und Unterbringung von 2730 Asylsuchenden und vorläufig aufgenommenen Personen verantwortlich.

Gemäss AOZ-Sprecher Thomas Schmutz baut die Organisation ab Frühjahr 2016 bis 2018 weitere temporäre Wohnsiedlungen für Asylsuchende.

Schwierig gestaltet sich aber insbesondere die Suche nach Wohnungen und Zimmer für vorläufig Aufgenommene und anerkannte Flüchtlinge.

Denn sobald Asylsuchende einen Flüchtlingsstatus erhalten, werden sie dem kommunalen Aufnahmekontingent nicht mehr angerechnet und müssen sich eine neue Bleibe suchen.

Vor allem in den knappen Märkten der Städte ist das nicht ganz einfach. Betreibungsregisterauszug, Referenzen, Wohnadresse, Bewerbung schreiben – für die meisten Schweizer nur formale, für die Flüchtlinge grosse Hürden.

Keine Wunschkandidaten

Zum anderen gehören bei grosser Mieternachfrage wohl vorläufig Aufgenommene nicht zu den Wunschkandidaten vieler Hauseigentümer.

«Wir beobachten, dass es schwierig ist, für vorläufig aufgenommene Personen mit Status F adäquaten Wohnraum zu finden.

Viele betrachten diesen Status als zu unsicher», sagt auch Roman Della Rossa von der ORS, die privaten Wohnraum vermittelt. Aktuell sucht sie im Kanton Zürich Wohnraum für rund 50 Personen und Familien.

Auch die AOZ bestätigt die Schwierigkeiten: «Das Schaffen von guten Integrationsvoraussetzungen im Wohnbereich mit einer wachsenden Anzahl Flüchtlinge wird immer anspruchsvoller», so Schmutz.

Die AOZ unterstützt darum Flüchtlinge bei der Wohnungssuche mit individuellem Coaching und einem Schreibdienst, den Freiwillige zweimal pro Woche anbieten.

Wohnraum allerdings vermittelt sie nur, wenn ihn Private im Rahmen ihres persönlichen Engagements anbieten.

Auch die Kirche hilft

Privates Engagement ist vorhanden und wurde in den letzten Monaten zahlreicher: So vermittelt das Team von wegeleben.ch beispielsweise Zimmer in Wohngemeinschaften an Flüchtlinge.

Zuerst hauptsächlich in Bern tätig, können sie mittlerweile auch vielen Menschen in Zürich eine Bleibe verschaffen.

In Winterthur wiederum hat die katholische Kirche letzten Oktober den Verein Vinzenz-Wohnen (Viwo) gegründet, welcher Flüchtlinge bei der Wohnungssuche unterstützt, selber Wohnungen untervermietet und Vermietern gewisse Garantien abgeben und Mietzinskautionen übernehmen kann.

Als sie bei der Stadt Winterthur angefragt hätten, was sie tun könnten, habe man ihnen gesagt, «Wohnungen finden», erzählt die Viwo-Verantwortliche Zita Haselbach. Im Februar können wieder vier Familien untergebracht werden.

«Wenn Flüchtlinge auf eigene Faust eine Wohnung suchen müssen, haben sie oftmals keine Chance», sagt Zita Haselbach.

Viele Bedenken könnten jedoch aufgelöst werden, wenn eine Organisation wie die Kirche dahinterstehe, welche die Flüchtlinge auch begleite. «Die eigene Wohnung ist ein ganz wichtiger Schritt zur Integration», sagt Zita Haselbach.

Aber: «Wir haben eindeutig mehr Suchende als Wohnungen, die wir vermitteln können.»

Auch bei homeasyl.ch, die Anfragen vor allem aus Winterthur und Zürich erhält, übersteigt die Nachfrage das Angebot: Etwa 10 Vermieter und 15 Wohnungsuchende seien bisher zusammengekommen.

Die noch junge Plattform will ebenfalls Wohnungen und Zimmer an Flüchtlinge vermitteln. «Wir haben gerade erst angefangen», sagt Sam Radelfinger. Der Gruppe sei wichtig, dass sich alle Parteien persönlich kennen lernen.

«Mieter, Vermieter, Mitbewohner, das soll alles passen. Schlussendlich sollen sich die Menschen wohlfühlen.»

Radelfinger sieht die Vermittlertätigkeit als längerfristige und nachhaltige Aktion mit Integrationsgedanke: Die Flüchtlinge sollen nicht nur ein Dach über dem Kopf bekommen, sondern Teil der Gesellschaft werden.

In kleinem Rahmen

Urs Grob, Sprecher der kantonalen Sicherheitsdirektion, begrüsst diese Privatinitiativen als gelungene Ergänzung, und auch Thomas Schmutz von der AOZ betont, dass zivilgesellschaftliche Initiativen wichtig seien.

Gleichzeitig stellt er jedoch klar: «Diese Angebote und Vermittlungen bewegen sich quantitativ bisher in einem kleinen Rahmen.»

In Zukunft werden jedoch in Kantonen und Gemeinden mehr Asylbewerber sowie Flüchtlinge leben, die nicht vorübergehend untergebracht werden müssen, sondern langfristig eine Bleibe suchen. Es sind also noch weitere Angebote zu schaffen.