Stadionbrache

Eidechsen, Skater und Bäcker erobern Hardturm

Eidechsen huschen über Tribünenstufen, und aus Ritzen im Gestein wuchern Sträucher: Während sich Architekten den Kopf über ein neues Stadion zerbrechen, gedeiht eine Oase in Zürich-West.

Eidechsen huschen über Tribünenstufen, und aus Ritzen im Gestein wuchern Sträucher. Was vom einstigen Hardturm-Stadion übrig geblieben ist, entwickelt zunehmend Qualitäten einer antiken Ruine. Eine Oase der Ruhe, der grosszügigen Leere inmitten des vom Bauboom geprägten Stadtteils Zürich-West ist entstanden. Und die Ruine lebt.

Arbeiter fegen den asphaltierten Platz inmitten der Stadionruine sauber, auf dem bis zum Wochenende noch das Musical Cats gastierte. Jetzt ist das Hardturm-Areal wieder vorwiegend Brache. Und während auf dem Asphalt ein Spielfeld für Hobby-Fussballer gezeichnet ist, spricht die Brachwiese hinter der früheren Gegentribüne ganz andere Nutzer an.

Marc aus Barcelona kurvt im Artpool auf seinem Skateboard herum. Sein aus Spanien mitangereister Kumpel kümmert sich derweil um das Fleisch auf dem Grill. Der skateboardgängige Artpool am Rande der Brachwiese ist ein Resultat der vom Verein Stadionbrache diesen Sommer lancierten Bemühungen, neues Leben aufs Hardturm-Areal zu bringen. Dazu gehört auch der Backofen inmitten der Wiese, der jeweils sonntags um 17 Uhr eingeheizt wird. Wer will, kann hier Brot und Pizza backen.

Wie lange diese Oase bestehen bleibt, ist offen. Die Planungsgeschichte für ein neues Stadion auf dem Hardturm-Areal reicht bis in die 1990er-Jahre zurück und war von zahlreichen Rückschlägen geprägt. Nun nimmt der Zürcher Stadtrat einen neuen Anlauf. Anfang Oktober gab er bekannt, welche Architekten am Architekturwettbewerb fürs neue Stadion teilnehmen dürfen. Ende Oktober erhalten sie die detaillierten Projekt-Unterlagen. Im Juli 2012 will der Stadtrat dann das Siegerprojekt präsentieren, das 2017 gebaut sein soll. Besuchern von Zürich-West sei daher geraten: Geniessen Sie die Stadionbrache, solange es sie gibt!

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