Musik
Ehemalige Klavierlehrerin veröffntlicht CD aus dem Altersheim

Altersheime sind längst nicht mehr Abstellgleise. Dies zeigt auch das jüngste Beispiel einer 76-jährigen ehemaligen Klavierlehrerin. Dank der Unterstützung im Altersheim produzierte sie rund 400 CDs mit ihren eigenen Kompositionen.

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Das Altersheim Selnau unterstützte die Piano-Komponistin Lucia Witte bei der CD-Aufnahme

Das Altersheim Selnau unterstützte die Piano-Komponistin Lucia Witte bei der CD-Aufnahme

Gaetan Bally/Key

Lucia Witte kam 2009 ins Altersheim Selnau in Zürich. Die Pianistin spielte viel Klavier, die Noten in A5-Heftli notiert, wie Heimleiter Gabriel Eichenberger im Gespräch mit der Nachrichtenagentur sda erzählt. Witte zeigte Eichenberger zudem eine ältere, bereits verschlissene Kassette und bat ihn, diese zu überspielen.

Erst da sei ihm klar geworden, dass es sich "bei der ansprechenden und emotionalen Musik" um Eigenkompositionen handle, sagt der Heimleiter. Er habe dann veranlasst, dass die handgeschriebenen Noten übertragen wurden. Witte hatte während 20 Jahren insgesamt 73 kurze Stücke von 30 bis 60 Sekunden komponiert.

Aufnahme im kleinen Tonhallensaal

Die Noten gab Eichenberger der Klavierlehrerin seiner Tochter. Ein Konzert der Klavierlehrerin und ihren Schülern und Schülerinnen im Altersheim Selnau war aber "nicht so ein wahnsinniger Erfolg", wie Eichenberger sagte. Die Schüler, aber auch die Klavierlehrerin, hätten "recht geschwitzt".

Der Heimleiter gab nicht auf. Er wandte sich an den Klavierlehrer und Konzertpianisten Joshua Nowak. Für diesen war der Fall schnell klar: Solche Noten könne nur ein ausgebildeter Konzertpianist spielen. Im August 2012 gab Nowak im Altersheim Selnau ein "ganz schönes" Konzert.

Dann folgte die Idee einer CD. Der Heimleiter fragte bei der Tonhalle an, ob sie "einen guten Flügel" hätten. Im Dezember 2012 spielte Joshua Nowak im Kleinen Tonhallensaal in Zürich 50 der insgesamt 73 Miniaturen ein.

Rund 400 CDs mit dem Titel "Les miniatures pour piano" wurden produziert. Sie kommen aber nicht in die Läden: Eichenberger ging es darum, das Werk der heute 76-Jährigen zu sichern - und nicht darum, Geld zu verdienen.