Kanton Zürich

Durchsetzung des Alkohol-Werbeverbots bringt Sportteams in Bedrängnis

Inskünftig wird auch klar geregelt sein, wie die Alkoholwerbung auf Sporttenues aussehen darf.

Inskünftig wird auch klar geregelt sein, wie die Alkoholwerbung auf Sporttenues aussehen darf.

Im Kanton Zürich wird vielerorts immer wieder das Alkoholwerbeverbot missachtet. Die Gesundheitsdirektion erarbeitete deshalb klarere Richtlinien, um das geltende Verbot ab Mai besser durchzusetzen und zu kontrollieren.

Als die Kloten Flyers vor wenigen Tagen die ZSC Lions zum Zürcher Derby empfingen, sass auf den Rängen der Kolpingarena in Kloten auch Gesundheitsdirektor Thomas Heiniger (FDP). Viele Tore bekam er nicht zu sehen. Dafür hatte er genügend Zeit, das Eisfeld zu mustern, in dessen Mitte gross das Logo der Bierbrauerei Calanda prangt. Zwar steht daneben «alkoholfrei», allerdings nur sehr klein.

Heiniger hatte an dieser Werbung keine Freude. Denn sie verstösst gegen das Gesetz. Bereits seit 2008 steht im Gesundheitsgesetz, dass auf öffentlichem Grund und in öffentlichen Gebäuden weiträumig wahrnehmbare Werbung für Alkohol und Tabak verboten ist. Auch Sportstadien fallen unter diese Klausel.

Im Grossen und Ganzen werde das Gesetz zwar eingehalten, sagt Heiniger. Es gebe aber immer wieder Verstösse. Am offensichtlichsten sind sie im Eishockey, wo sich traditionsgemäss viele Clubs von Brauereien sponsern lassen. Aber auch im Volleyball oder Fussball sei bisweilen Bandenwerbung für alkoholische Getränke zu sehen.

Busse von bis zu 50 000 Franken

Damit soll nun definitiv Schluss sein. Gestern kündigte der Kanton an, ab Mai das Werbeverbot durchzusetzen. Stichprobenartig wird die Gesundheitsdirektion überprüfen, ob das Gesetz eingehalten wird. Falls nicht, droht eine Busse von bis zu 50 000 Franken. Diese Busse hätte schon in den letzten Jahren angeordnet werden können, falls eine Privatperson gegen einen Sportclub Anzeige erstattet hätte. Das ist aber nie vorgekommen.

Um den Vollzug zu vereinfachen, hat der Kanton gestern Richtlinien zum Gesetz veröffentlicht. Darin geht es insbesondere um die Frage, wie die schwammige Formulierung «weiträumig wahrnehmbar» zu verstehen ist. Laut Heiniger meint sie, dass die betreffende Werbung aus einer Distanz von zehn Metern oder mehr gelesen werden kann. Wird für alkoholfreies Bier geworben, muss das auf den ersten Blick erkennbar sein. Das ist beim Calanda-Logo in Kloten nicht der Fall. Ein Knackpunkt sind auch die Trikots der Spieler, die oft grosszügig mit den Logos der Sponsoren versehen sind. Künftig dürfen diese Logos nun nur noch zehn auf zehn Zentimeter messen. Das ist deutlich weniger, als aktuell üblich.

Nur im Kanton Zürich

Entsprechend verärgert sind die betroffenen Vereine. «Wir verstehen den Sinn der Sache nicht ganz. Zürich erlässt als einziger Kanton schärfere Richtlinien als alle anderen», sagt Flyers-Sprecher Lukas Hammer. Was die neuen Richtlinien für Konsequenzen hätten, könne man jetzt noch nicht sagen. «Wir fragen uns aber, ob die Brauereien weiterhin gewillt sind, dieselben Summen zu sprechen für einen reduzierten Auftritt.» Heiniger sieht das gelassener. Die Clubs könnten ja stattdessen zum Beispiel im Programmheft oder mit Aufklebern am Kühlschrank Werbung machen, sagt er. Mit dieser Idee kann Hammer aber nichts anfangen. «Die Gesundheitsdirektion ist mit den Abläufen im Sportbusiness offenbar sehr wenig vertraut», sagt er. Wenn das Zürcher Modell Schule mache, dann fehlten in den Klubkassen bald einmal mehrere Millionen Franken.

Doch selbst wenn es beim Zürcher Sololauf bliebe - die neuen Richtlinien haben auch Auswirkungen auf andere Clubs. Sie gelten nämlich auch für auswärtige Teams, die in Zürcher Stadien spielen. Der HC Davos etwa dürfte mit seiner Feldschlösschenwerbung auf dem Tenue nicht mehr in der Kolpingarena oder im Hallenstadion auftreten. Laut HCD-Sprecher Marc Gianola ist noch offen, wie der Club darauf reagiert.

Heiniger sagt, für das strenge Gesetz selbst könne er nichts. Das habe der Kantonsrat beschlossen. Die nun verabschiedeten Richtlinien stellten eine «angemessene Auslegung» dar.

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