Zürich

Durchmesserlinie: Verzögerung um ein halbes Jahr

Die Durchmesserlinie nimmt ihren Betrieb wegen dem Bahnhof-Ausbau in Oerlikon erst Mitte 2014 auf. Die Arbeiten kommen aber gut voran, versichern die Projektverantwortlichen.

Roland Kobel, Gesamtprojektleiter der Durchmesserlinie Zürich, hatte eine gute und eine schlechte Nachricht: Die gute: Die Arbeiten kommen gut voran. Die schlechte: Die Erweiterung des Bahnhofs Oerlikon um zwei Gleise führt zur Verschiebung der Inbetriebnahme der Durchmesserlinie um ein halbes Jahr.

Ursprünglich war die Rede davon, die Durchmesserlinie zwischen Altstetten und Oerlikon, die zusammen mit dem unterirdischen Bahnhof Löwenstrasse eine erhebliche Kapazitätsvermehrung bringt, Ende 2012 in Betrieb nehmen zu können.

Dann verschob man die Eröffnung auf Dezember 2013, und gestern nun hiess es, es werde Mitte 2014. Als Grund für die neue Verzögerung gab SBB-Gesamtleiter Roland Kobel an, der nachträglich ins Bauprogramm aufgenommene Bau der Gleise 7 und 8 im Bahnhof Oerlikon mache die Verschiebung nötig.

Damit werden die Angebotsverbesserungen der ersten Phase der S-Bahn-Teilergänzung später als versprochen wirksam, wie Dominik Brühwiler, Leiter Verkehrsplanung beim Zürcher Verkehrsverbund, erwähnte. Nicht gerüttelt wird am Zeitplan für die nächsten Schritte: Im Dezember 2015 werden die Brückenbauten von Altstetten zum Hauptbahnhof fertig sein, was zu einer völligen Neuorientierung beim S-Bahn-Verkehr führt und auch im Fernverkehr zu Neuerungen Anlass gibt.

Die dritte, im Dezember 2018 vollendete Etappe erlaubt Verbesserungen im Verkehr zwischen Zürich und Winterthur. Kosten wird die Durchmesserlinie jetzt nach dem Einbezug des Ausbaus beim Bahnhof Oerlikon über 2 Milliarden Franken.

Passanten merken kaum etwas

Die SBB nahmen die Orientierung zum Anlass, gleich noch eine Baustellenbesichtigung in einem Teil des werdenden Bahnhofs Löwenstrasse durchzuführen. Im westlich gelegenen Abschnitt 2, der unter Leitung von Günter Ernst steht, sind 120 bis 140 Arbeiter im Einsatz, die hier tonnenweise Gestein abtragen und tonnenweise Beton einbringen. 180000 Kubikmeter Material wird über Förderbänder auf die Züge verladen, welche in die Nähe von Schaffhausen fahren, wo das Material zur Auffüllung ausgebeuteter Kiesgruben dient.

Im Gegenzug werden Kies und Sand herangeführt, um die nötigen 125000 Kubikmeter Beton herzustellen. Die Bahnhofshalle erhält 420 Meter lange Perrons, sie wird 42,5 Meter breit. Während am einen Ort noch Erde abgetragen wird, wird andernorts die zwei Meter dicke Bodenplatte betoniert, und gegen die Rampe Richtung Altstetten hin sind Abdichtungsarbeiten im Gang. «Man will hier ja Züge fahren lassen und nicht Schiffe», spasste Ernst.

Man befindet sich hier nämlich tief im Grundwasser, das über eine ganze Reihe von Entwässerungsbrunnen künstlich abgesenkt und ein paar hundert Meter entfernt über Schluckbrunnen wieder in den Boden geleitet wird. «Bemerkenswert finde ich, dass die Passanten, welche einen Stock höher die Passage Sihlquai benützen, keine Ahnung haben, was hier unten läuft», sagte Günter Ernst lachend. Man gebe sich grosse Mühe, dass der Baulärm nicht nach aussen dringe.

Aber lärmig ist es, auch kalt und staubig, die Arbeiter müssen einiges aushalten. Der Aushub beim Bahnhof Löwenstrasse wird Ende 2011 abgeschlossen sein, beim Weinbergtunnel wird es 2012, bis die Gleise verlegt werden. Für den Ausbau des Bahnhofs Oerlikon liegen noch nicht alle Bewilligungen vor, doch dann wird man auch hier mit Hochdruck arbeiten. «Wir haben noch einige Herausforderungen vor uns», meinte Roland Kobel.

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