Zürich
Dumpinglöhne und harte Arbeitszeiten: Unia blockiert Zara-Baustelle

Dicke Luft auf der Zara-Baustelle an der Zürcher Bahnhofstrasse: Nach Arbeitskontrollen und Dumpingvorwürfen setzte sich die Unia am Montag für einen Unterbruch der Arbeiten ein.

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Die Baustelle im ehemaligen Bally-Haus an der Zürcher Bahnhofstrasse.

Die Baustelle im ehemaligen Bally-Haus an der Zürcher Bahnhofstrasse.

Keystone

Auf der Baustelle im ehemaligen Bally-Haus an der Zürcher Bahnhofstrasse herrscht dicke Luft. Die Gewerkschaft Unia setzte sich am Montag für eine Einstellung der Arbeiten ein. Am Wochenende war sie mit Lohndumpingvorwürfen an die Öffentlichkeit getreten. Im Januar hatte die Arbeitskontrollstelle bei den Gipsern einen Besuch gemacht.

Die spanische Modekette baut derzeit das Bally-Haus zu einer Zara-Filiale um. Zara mietet das Gebäude von PSP Swiss Property und ist für die Innenausbauten verantwortlich. Ausgeführt werden diese unter anderem von Malern, Gipsern und Metallbauern, die bei spanischen Firmen angestellt sind.

"Bereits im Januar hat bei den Malern und Gipsern eine Kontrolle stattgefunden", sagte ein Vertreter der paritätischen Kommission am Montag auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda. Daraufhin sei die in La Coruña ansässige Firma angeschrieben worden.

Diese habe um Fristerstreckung gebeten. "Die Frist läuft noch." Bisher lägen der Arbeitskontrollstelle jedoch noch keine weiteren Informationen vor, sagte der Sprecher weiter.
Lohndumpingvorwürfe

Die Lohndumpingvorwürfe der Gewerkschaft Unia richten sich sowohl an die Mieterin, das Modehaus Zara sowie an die Vermieterin, die PSP Swiss Property.

Gemäss Aussagen von Betroffenen und entsprechenden Dokumenten, die der Unia nach eigenen Angaben vorliegen, würden auf der Baustelle Tiefstlöhne von nur 900 bis 2000 Euro bezahlt. Dafür müssten die rund 30 bis 40 betroffenen spanischen Arbeiter aus dem Bauhaupt- und Ausbaugewerbe bis zu 60 Stunden pro Woche arbeiten.

Mit diesen Arbeitsbedingungen würden sämtliche geltenden Gesamtarbeitsverträge massiv verletzt, hält die Unia fest.

Zara sowie die Bauherrin PSP Swiss Property wurden von der Unia schriftlich über die Vorkommnisse informiert und aufgefordert, die Missstände bis vergangenen Samstag zu beheben. Statt schnell und entschlossen zu handeln, hätten die beiden Firmen auf Zeit gespielt und für die kommenden Tage schriftliche Stellungnahmen in Aussicht gestellt, so die Unia am Montag.

Unia hat deshalb die betroffenen Arbeiter dazu aufgerufen, am Montag nicht zu arbeiten. Dazu seien diese bereit gewesen, hiess es bei der Unia auf Anfrage. Sie wollten zu ihrem Recht kommen. Zara müsse sich endlich bewegen und die Bücher offenlegen.
Unterschiedliche Zuständigkeiten

Bei PSP habe man keinen Grund, Unregelmässigkeiten anzunehmen, sagte Sprecher Vasco Cecchini am Montag. PSP sei nur für den Umbau der Fassade zuständig. Hier arbeite man mit einem Schweizer Unternehmen zusammen. Für den Innenausbau verantwortlich sei Zara.

«Schweizerische Anforderungen» angeblich erfüllt

Gemäss Unia ist die spanische Goainvest für die Realisation des Innenausbaus verantwortlich. Die Goainvest ist zu 100 Prozent im Besitz der Inditex, dem Mutterhaus des Zara-Konglomerats. Der internationale Mediendienst teilte noch am vergangenen Freitag mit, dass die Arbeitsbedingungen aller Arbeiter auf der Baustelle «strikt den schweizerischen Anforderungen bezüglich Lohn und Arbeitszeiten entsprechen».

Demnach sei ein dem "Tages-Anzeiger" vorliegender Lohnausweis inkomplett und potentiell missverständlich. Statt einem Monatslohn von 900 Euro habe der betroffene Arbeiter 3150 erhalten. Die Differenz entstehe wegen den zusätzlich bezahlten Transport- Hotel- und Essenskosten.

Die Gewerkschaften lassen diese Argumentation jedoch nicht gelten. Der Schweizer Mindestlohn müsse ohne Zusatzleistungen erfüllt werden. «Wenn eine Zürcher Firma einen Angestellten nach Genf schickt, muss sie ihm auch den vollen Lohn plus Hotel und Reise bezahlen», sagt Lorenz Keller von der Unia dem "Tages-Anzeiger". (flo/sda)