Drohnen haftet ein schlechtes Image an. Im Krieg stehen sie für unsichtbare Vernichtung, Fotodrohnen stören die Privatsphäre. Schon das Surren in der Luft nervt und wird als Lärmbelästigung empfunden. Aber Drohnen sind auch hilfreiche Arbeitsgeräte – etwa in der Landwirtschaft. Dass sich ihrer als Erster im Weinbau am Zürichsee nun ausgerechnet jemand zum Sprühen von Pflanzenschutzmitteln bedient, der möglichst biologisch arbeiten will, mag widersprüchlich wirken.

Domenic Kunz unterstützt die Initiative «Für sauberes Trinkwasser», die in der Landwirtschaft unter anderem den Einsatz von Pestiziden einschränken möchte. Er setzt darum nur widerwillig auf chemischen Schutz. Aber in einem Grossteil seiner Rebparzelle im Stäfner Lattenberg bleibt ihm keine Wahl. Falscher und Echter Mehltau können die Arbeit eines ganzen Jahres zunichtemachen.

In 20 Minuten erledigt

Für Kunz ist die Drohne ein Kompromiss: wenn schon Chemie, dann sparsam und effizient. Denn das wie eine fliegende Spinne aussehende Gerät nimmt den Eingriff in die Natur schonender vor, als dies mit bisherigen Geräten möglich ist. Von oben sprüht es ein Mittel gegen Pilzkrankheiten dosiert über die Reben. Der für Drohnen brevetierte Pilot Ueli Sager, von der Firma Eagle Eye Multicopter Service GmbH (Meilen) engagiert, steuert den Flugapparat mit acht Rotoren in einem Geviert, das er zuvor mit Geodaten in den Computer eingegeben hat. Gleichmässig zieht nun die Drohne ihre Bahnen über der 30 Aren grossen Parzelle und entlässt kaum sichtbar das Fungizid aus knapp vier Metern Höhe. Bei zwei Zwischenlandungen wird der zehn Liter fassende Tank gefüllt, nach knapp 20 Minuten ist der Rebberg geschützt.

«Mit der Rücken- oder Schlauchspritze hätte ich mit meiner Frau vier Stunden gebraucht», sagt Kunz. Das Behandeln der Reben sei anstrengend und koste viel Energie. «Darum nehmen wir für diese Arbeit gerne die moderne Technologie in Anspruch.»

Der Stäfner Weinbauer sieht sich als Bearbeiter der Natur in der Verantwortung, zumal die chemischen Pflanzenschutzmittel in der Schweiz immer stärker unter Druck geraten. «Daher ist es wichtig, dass wir im Lattenberg, der als Erholungszone gilt, so viele synthetische Mittel wie nötig und so wenige wie möglich ausbringen.» Mit der Drohne komme er diesem Ziel näher.

Dass die Drohnen den wenigsten Spaziergängern gefallen, weiss Kunz. Er nimmt sich die Zeit und rechtfertigt die neue Technologie. Er erklärt ihnen, dass es dank ihr weniger Spritzmittel brauche. Es seien im Vergleich zum herkömmlichen Spritzverfahren auch keine Dampfwolken über den Reben zu sehen. Deshalb müsse er weder Schutzanzug noch Maske tragen, was zeige, wie kontrolliert die Mittel eingesetzt werden. Die Drohne helfe, das Problem der Gesundheitsgefährdung im Weinbau zu reduzieren.

Marcel Maurer ist CEO der Meilemer Firma Eagle Eye Multicopter Service GmbH, die auf Drohneneinsätze jeder Art spezialisiert ist. Für ihn stehe die Technik erst am Anfang ihrer Möglichkeiten. Die Entwicklung laufe auf Hochtouren. «Bald wird es bessere Sprühdüsen und eine optimierte elektronische Steuerung geben», sagt der Meilemer. Dann werde der Spareffekt beim Einsatz der Spritzmittel erst so richtig zur Geltung kommen.