Kantonsschüler-Rauswurf
Drogen-Gymnasiast: «Schnell und richtig reagiert»

Der Rektor der Zürcher Kantonsschule Oerlikon hatte im Frühling 2005 zu Recht darüber informiert, dass die Polizei gegen einen Gymnasiasten wegen Verdachts auf Drogenhandel ermittelte. Das Obergericht sprach ihn am Dienstag frei.

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Keystone

Der Rektor der Zürcher Kantonsschule Oerlikon hatte im Frühling 2005 zu Recht darüber informiert, dass die Polizei gegen einen Gymnasiasten wegen Verdachts auf Drogenhandel ermittelte. Das Obergericht sprach ihn am Dienstag vom Vorwurf der Amtsgeheimnisverletzung frei.

Ebenfalls freigesprochen wurde der mitangeklagte Polizei-Hauptmann, der die Schulleitung vertraulich über die Ergebnisse der Untersuchung ins Bild gesetzt hatte. Das Obergericht bestätigte den Freispruch der Vorinstanz.

Drogenfahnder hatten am 7. April 2005 den damals 18-jährigen Schüler aus dem Unterricht heraus festgenommen und demonstrativ in Handschellen abgeführt. In der Schultasche waren 50 Gramm Marihuana und eine elektronische Waage sichergestellt worden.

Am Tag danach hätte der Gymnasiast zum Präsidenten der Schülerorganisation (SO) gewählt werden sollen. Der Rektor und die Schulleitung liessen sofort schriftlich verkünden, der Kandidat sei suspendiert und es laufe ein polizeiliches Ermittlungsverfahren wegen Verstosses gegen das Betäubungsmittelgesetz gegen ihn. Der Gymnasiast flog kurz darauf von der Schule.

Ein erster Freispruch

Daraufhin nahm dieser einen Anwalt, der sich an die Staatsanwaltschaft wandte. Diese erhob Anklage gegen den damaligen Rektor, einen Prorektor und einen Polizeihauptmann. Die drei hätten nicht öffentliche Vorgänge widerrechtlich publik gemacht, fand der Staatsanwalt. Das Bezirksgericht Zürich kam im letzten Sommer zum Schluss, die Beschuldigten hätten nicht rechtswidrig gehandelt.

Kosten von 12000 Franken

Gleicher Meinung war nun auch das Obergericht. Die Schulleitung habe «schnell und richtig reagiert», sagte einer der Richter. Ohne die Information wäre es wohl an der Schule zu Protesten gekommen. Der Polizeioffizier habe rechtmässig im Rahmen einer gegenseitigen Amtshilfe gehandelt, nicht zuletzt zum Schutz der Schülerschaft.

Mit den Freisprüchen wird der heutige Student zur Kasse gebeten: Er muss die Berufungskosten von 3000 Franken tragen und den beiden Prozessgegnern je 4400 Franken Entschädigung zahlen. (sda)