Zürich

Dreister Räuber sprüht Passanten Pfefferspray ins Gesicht und stiehlt dessen Rolex

Für diesen Diebstahl und einen weiteren Vorfall wird der Täter zu 39 Monaten Freiheitsstrafe und 12 Jahren Landesverweis verurteilt. (Symbolbild)

Für diesen Diebstahl und einen weiteren Vorfall wird der Täter zu 39 Monaten Freiheitsstrafe und 12 Jahren Landesverweis verurteilt. (Symbolbild)

Der 43-jährige Slowake stand vorher schon in Prag, Kopenhagen, Wien und Stuttgart für verschiedene Delikte vor Gericht. Nun muss er sich in Zürich verantworten.

Auf einer Treppe am Kempfhofweg im Stadtzürcher Kreis 10 baut sich ein Fremder vor einem Passanten auf und sprayt ihm Pfefferspray ins Gesicht. Dann nimmt er die Rolex am Handgelenk des Opfers und verdreht ihm den Arm. Das Opfer stürzt alsbald mit Kinn voran die Treppe hinunter. Der Räuber klaut diesem dann noch eine Umhängetasche, wirft diese allerdings wieder weg und flüchtet mit der Rolex. Die Rolex ist mindestens 7500 Franken wert. Das Opfer erleidet in der Folge einen komplizierten Schulterbruch. Das vollständige Fixieren benötigt sechs Wochen, die Physiotherapie ein Jahr. Dies berichtet die «NZZ» am Montag. 

Der Täter: ein 43-jähriger Slowake. Er ist offiziell ein Gebäudereiniger von Beruf, hat sieben Kinder von vier verschiedenen Frauen und mindestens zehn Vorstrafen über Europa verteilt. Er stand vorher schon in Prag, Wien, Kopenhagen, Antwerpen und Stuttgart vor Gericht – für Raubstraftaten, Körperverletzungen, Diebstählen und Drogendelikten und verbrachte mehr Zeit im Gefängnis als auf Reisen. Die längste Strafe waren hierbei fünfeinhalb Jahre Freiheitsentzug, welche er 2011 in Wien einfuhr.

Anschuldigungen für drei Fälle in zwei Monaten

Neben dem Vorfall im Kreis 10 wird der Angeklagte für zwei weitere Taten beschuldigt, allesamt im August und September 2018. Zum einen wird dem 43-Jährigen vorgeworfen, mit einem Komplizen einen Mann im Kreis 1 ausgeraubt zu haben, als dieser an einem Bancomaten Bargeld bezog. Das Opfer spürte hierbei einen spitzen Gegenstand im Rücken. Im Kreis 4 hat der 43-Jährige ebenfalls versucht, einen Passanten auszurauben. Dieser setzte sich allerdings heftig zur Wehr.

Der Angeklagte gibt den ersten Überfall zu. Er habe dem Opfer allerdings nicht den Arm verdreht und sei nicht für die Schulterverletzung verantwortlich. Den zweiten Fall schildert er komplett anders als das Opfer. Hier beteuert der Angeklagte, dass man sich zuvor kannte, gescherzt und gelacht habe und zusammen zum Bancomaten gegangen sei. Dort habe er sein Opfer aber tatsächlich gestossen und ihm das Geld weggenommen. Es sei kein spitzer Gegenstand im Spiel gewesen.

Im dritten Fall wird der Mann beschuldigt, weil sein Handy zum Zeitpunkt der Tat in der Nähe des Tatorts eingeloggt war. Der Slowake beteuert hierbei seine Unschuld und dass er in diesem Fall nichts damit zu tun hätte. 

Das Motiv des Mannes sei nach eigener Angabe, dass er Geld für Drogen brauchte. Allerdings habe er sich nicht mehr delinquieren wollen – er sei wegen einer Ungarin in den Drogenkonsum abgerutscht und habe täglich drei bis acht Gramm Kokain zu sich genommen. Weiter meint er, dass ihm alles leid tue und er nur noch nach Hause zu seiner Familie wolle.

39 Monate Freiheitsstrafe und 12 Jahre Landesverweis

Der Staantsanwalt meint, «der kolportierte Drogenkonsum» sei «schlicht unglaubhaft» – es seien in der Untersuchungshaft keinerlei Entzuggsymptome aufgetreten. Während er eine Freiheitsstrafe von 5 Jahren und 13 Jahre Landesverweis beantragt, plädiert der Verteidiger im ersten Fall auf der Treppe auf Raub, im zweiten fall auf Diebstahl und im dritten Fall auf Freispruch und beantragt daher 15 Monate Freiheitsstrafe unbedingt und 5 Jahre Landesverweis.

Tatsächlich spricht das Bezirksgericht Zürich den 43-Jährigen im dritten Fall frei. Der Grund: Die Aussagen des Opfers zur Identität des Täters bei der Konfrontation mit Fotos seien nicht verlässlich gewesen. Die anderen zwei Taten ergeben einen Schuldspruch wegen mehrfachen Raubes mit 39 Monaten Freiheitsstrafe und 12 Jahren Landesverweis. Das Vorgehen sei brutal und dreist gewesen und es sei im Interesse der Schweizer Öffentlichkeit, dass der Mann diesem Land länger fernbleibe.

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