Internetkriminalität
Dreiste Betrüger verschicken Rechnungen im Namen einer Behindertenstiftung

Dieser Betrugsversuch ist besonders fies: Unbekannte verschicken per E-Mail fiktive Rechnungen im Namen von Pigna, der Klotener Stiftung für Menschen mit Behinderung. Das Bundesamt für Polizei spricht von einer «Welle» solcher Mails.

Caroline Bossert
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Die Betrüger verschickten fiktive Rechnungen (Themenbild).

Die Betrüger verschickten fiktive Rechnungen (Themenbild).

Keystone

Anfang Juli erhält eine Frau ein merkwürdiges E-Mail. Darin wird sie aufgefordert, die am 27. Juni ausgestellte Rechnung der Klotener Stiftung Pigna, Raum für Menschen mit Behinderung, bis spätestens am 11. Juli zu begleichen. Die Auftragssumme belaufe sich auf 1872 Euro. Die Details für die in Rechnung gestellte Dienstleistung könne sie der Datei im Anhang entnehmen. Wie dieser Frau erging es auch anderen. «Wir hatten vor einigen Tagen gleich drei Anrufer, die sich über fiktive Rechnungen beklagt haben, die in unserem Namen verschickt wurden», erklärt Daniel Meier, Leiter Rechnungswesen und EDV bei Pigna. Er geht davon aus, dass viel mehr Menschen die Mails erhalten haben. «Solche Betrugsversuche werden oft im grossen Stil unternommen.»

«Wohlwollen wird ausgenutzt»

Die Mails seien nicht gezielt an Angehörige der in der Stiftung betreuten Menschen gegangen, sondern seien wahllos an irgendwelche Personen verschickt worden. Dass Cyberkriminelle selbst vor einer sozialen Einrichtung nicht haltmachen und diese für ihre Machenschaften missbrauchen, das findet Daniel Meier besonders dreist. «Hier wird das Wohlwollen, das der Stiftung entgegengebracht wird, einfach ausgenutzt.»

Bund warnt vor Betrugswelle

Die Stiftung für Menschen mit Behinderung ging gleich in die Offensive und meldete den Fall der Koordinationsstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (Kobik). Zudem warnte sie auf ihrer Internetseite vor den betrügerischen Mails. Pigna lasse nie Rechnungen per E-Mail oder durch Dritte versenden, heisst es dort.

Laut dem Bundesamt für Polizei (Fedpol) ist der Betrugsversuch im Namen von Pigna kein Einzelfall. Das Amt warnte Ende Juni gar vor einer neuen Welle von betrügerischen E-Mails. Die Empfänger werden zur Zahlung einer Rechnung aufgerufen, die angeblich nicht beglichen worden ist. Die Cyberkriminellen würden sich dabei zum Teil auch der Namen von tatsächlich existierenden Unternehmen und deren richtiger Kontaktangaben bedienen. Im Anhang der Betrugsmails finde sich dann ein Word-Dokument mit einer Schadenssoftware wie etwa einem Trojaner, der den Computer zu infizieren vermag. Meist können Betrüger mit einem solchen Programm persönliche Daten wie etwa Passwörter im betroffenen Computer mitlesen oder auch die Kontrolle über das Gerät erlangen.

Das Fedpol empfiehlt daher dringlich, die Nachricht zu löschen und den Anhang auf keinen Fall zu öffnen. Wer bereits einen solchen Anhang geöffnet und dadurch Schaden erlitten habe, könne dies bei der Kantonspolizei zur Anzeige bringen.

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