Pfefferspray und Schläge
Drei Zürcher Polizisten müssen sich vor Gericht verantworten

Drei Zürcher Stadtpolizisten stehen am Montag vor dem Bezirksgericht Zürich. Ihnen wird vorgeworfen, dass sie bei einer Personenkontrolle einen dunkelhäutigen Mann schwer misshandelt haben.

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Auf der Suche nach einem Verdächtigen, taktierten die Polizisten das Opfer mit Pfefferspray und Schlägen. (Archiv)

Auf der Suche nach einem Verdächtigen, taktierten die Polizisten das Opfer mit Pfefferspray und Schlägen. (Archiv)

Keystone

Die Kontrolle fand im Oktober 2009 in einem Zürcher Tram statt. Das Opfer war gerade mit einem Bekannten auf dem Heimweg, als ein Polizist und eine Polizistin zustiegen. Sie waren auf der Suche nach einem dunkelhäutigen Verdächtigen und meinten, fündig geworden zu sein. Der dritte Polizist fuhr mit dem Einsatzwagen hinter dem Tram her.

Das spätere Opfer und sein Bekannter wurden nach ihren Ausweisen gefragt, was bei den beiden nicht gut ankam. Ob es etwas mit ihrer Hautfarbe zu tun habe, dass sie als einzige im Tram kontrolliert würden, fragten sie gemäss Anklageschrift.

Ohne den beiden Männern erneut die Gelegenheit zu geben, sich auszuweisen, forderten die Polizisten sie kurzerhand zum Aussteigen auf. Beim Bahnhof Wiedikon wartete bereits der dritte Polizist, der mit dem Auto hinter dem Tram hergefahren war.

Mit Fäusten und Schlagstöcken

Der Kläger bat ausdrücklich darum, ihn nicht anzufassen, da er herzkrank sei und eine Operation hinter sich habe. Gemäss Anklageschrift trägt der Mann tatsächlich einen Defibrillator.

Die Polizisten liessen sich davon jedoch nicht zurückhalten. Die Polizistin sprühte dem Mann Pfefferspray ins Gesicht. Ihre Kollegen traktierten ihn mit Fäusten und Schlagstöcken.

Dabei soll einer der Polizisten das Opfer auch noch beschimpft haben. «Scheiss-Afrikaner, geh zurück nach Afrika», sagte er laut Anklage. In Handschellen brachten die Polizisten den Mann schliesslich auf die Wache - und von dort ins Universitätsspital.

«Unnötige Gewalt»

Die Liste seiner Verletzungen ist lang: Der Mann hatte unter anderem einen gebrochenen Lendenwirbel, Prellungen im Gesicht und am Hals, eine Zerrung am Oberschenkel und eine ernsthafte Knieverletzung, die er kurze Zeit später operieren lassen musste.

Der Staatsanwalt schreibt in der Anklageschrift von «unverhältnismässigen Mitteln und unnötiger Gewalt», um einen Mann zu disziplinieren und zu demütigen. Dies dürfe bei der polizeilichen Tätigkeit keinesfalls passieren.

Er fordert für alle drei Polizeiangehörigen eine Verurteilung wegen Amtsmissbrauchs und Körperverletzung. Bestraft werden sollen die Polizisten mit bedingten Geldstrafen, bei einer Probezeit von zwei Jahren. Die Anträge der Verteidigung werden erst beim Prozess am Montag vor dem Bezirksgericht Zürich bekannt gegeben.