Wahlen 2011/ZH

Dramatischer Absturz einer Jungpolitikerin

Anita Borer.  zvg

Anita Borer. zvg

Auf dem zweiten Listenplatz der SVP startete Anita Borer. Gleich hinter Christoph Blocher. Doch am Sonntag stürtzte die Jungpolitiker ab. Sie landete abgeschlagen auf Platz 17.

Anita Borer Die 25-jährige Anita Borer, Präsidentin der jungen SVP, durfte auf dem zweiten Listenplatz hinter Christoph Blocher starten, landete aber auf dem hoffnungslosen Platz 17. Was ist mit ihr passiert?

Mit dem Jungstar Natalie Rickli, heute 35, hatte vor vier Jahren alles ähnlich begonnen. Die Parteioberen setzten die Neue den Altgedienten vor die Nase auf Platz zwei. Sie rutsche auf Rang sechs ab, wurde aber gewählt. Mit Anita Borer hätte alles ähnlich funktionieren sollen. Auch sie erhielt Platz zwei und damit das Eintrittsticket für den Nationalrat. Sie stürzte aber am Sonntag auf Platz 17 ab und verpasste die Wahl klar. Dabei lässt sich Borers politischer Hintergrund mit jenem Ricklis vergleichen: ein halbes Jahr Kantonsrätin und Erfahrung als Gemeinderätin.

Offensichtlich ist Borers Name oft gestrichen worden. Über die Motive lässt sich spekulieren. Tatsache ist, dass die Bisherigen hinter Borer ebenso wie die nachstossenden Leute mit Erfahrung und Leistungsausweis brüskiert waren, als man ihnen erneut eine unerfahrene junge Frau vor die Sonne stellte. SVP-Kantonsrat Willy Haderer, Ratsdoyen und Gemeindepräsident, deutet dies an: «Das mit dem zweiten Listenplatz wurde überhaupt nicht ausdiskutiert.» Frustpotenzial war also vorhanden.

Borer könnte auch der zweite Platz hinter Blocher zum Verhängnis geworden sein. Man strich sie, um Blocher zu kumulieren. Oder die SVP-Wähler kumulierten Rickli auf Borers Kosten, um eine zweite junge Frau in der SVP-Delegation zu verhindern.

So oder so. Die Gescheiterte gab sich gestern tapfer. «Klar, ich habe das Ziel nicht erreicht, aber tragisch ist das nicht.» Sie mache weiter wie bisher und gebe jetzt erst recht Gas. Schlägt die Niederlage nicht aufs Gemüt? «Ich wusste, dass es schwierig werden könnte, und musste auf alles gefasst sein.» Den Frust lässt sich Anita Borer nicht anmerken.

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