Covid-19
Dozentin zur Reinigung von Isolierzimmern: «Grossflächig zu sprühen, ist nicht sinnvoll»

Mit einem Film macht die Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften Putzpersonal fit für die Reinigung von Isolierzimmern. Dozentin Irina Pericin Häfliger erklärt, was wichtig ist.

Rahel Urech
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Das Coronavirus ist eine grosse Herausforderung für die Reinigungskräfte in Spitälern und Pflegeheimen. Um sie zu schulen, hat ZHAW-Dozentin Irina Pericin Häfliger einen Schulungsfilm zur Reinigung von Isolierzimmern gedreht.

Das Coronavirus ist eine grosse Herausforderung für die Reinigungskräfte in Spitälern und Pflegeheimen. Um sie zu schulen, hat ZHAW-Dozentin Irina Pericin Häfliger einen Schulungsfilm zur Reinigung von Isolierzimmern gedreht.

Michael Trost

Sie haben neue Standards entwickelt zur Reinigung von Isolierzimmern, in denen Covid-19-Patienten liegen, und einen Schulungsfilm gedreht. Wie kamen Sie auf diese Idee?

Irina Pericin Häfliger: Nach Ausrufung der Notlage wegen des Coronavirus haben uns Verantwortliche vom Spital Wetzikon angefragt, ob wir sie unterstützen und Schulungen für die Reinigungskräfte übernehmen würden. Sie befürchteten, dass ­wegen Krankheit viele Reinigungskräfte ausfallen würden und Ersatzpersonal schnell eingeschult werden müsste. Unsere Kompetenzgruppenleiterin Hospitality Management schlug Videos als geeignetes Mittel für die Ausbildung vor.

Wie lief der Dreh ab?

Zunächst war es sehr schwierig, zu diesem kritischen Zeitpunkt überhaupt einen Ort zu finden, an dem wir filmen durften. Die Spitäler durften von Externen ja nicht betreten werden. Das See-Spital Horgen kam uns dann entgegen. Innerhalb weniger Tage stampften wir ein Projektteam aus dem Boden. Gamma Renax, eine Firma aus Dübendorf, die Facility Services anbietet, drehte die Videos.

Zur Person

Irina Pericin Häfliger ist Dozentin und Beraterin für Reinigungs- und Textilmanagement am Institut für Facility Management an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) Wädenswil. Sie ist 50 Jahre alt und lebt im luzernischen Schötz.

Sie selbst haben in diesen Videos auch eine Rolle.

Ja. Im Film ist fast das ganze Initiantenkomitee zu sehen. Der CEO von Gamma Renax hatte die Hauptrolle als Reinigungskraft. Er trug eine Brille, Schutzmantel, Maske und Handschuhe und zeigte, wie die Schutzausrüstung an- und ausgezogen wird. Ich legte mich als Patientin ins Bett.

Worauf müssen die Reinigungskräfte achten, wenn sie Isolierzimmer reinigen?

Während der Patient im Zimmer liegt, müssen alle möglichen Kontaktpunkte gereinigt und desinfiziert werden, wie zum Beispiel der Lichtschalter, das Telefon und der Bettrand. Der Boden muss gereinigt und desinfiziert werden. Wichtig ist, dass die Technik und die Abläufe eingehalten werden. Wenn der Patient auszieht, werden die Flächen von aussen und innen vollständig gereinigt.

Wie haben Sie sich als ­Patientin gefühlt?

Es ist öde. Der Raum ist leer, nur vermummte Personen betreten ihn. Man ist sehr allein, und obwohl ich nur eine kurze Zeit dort lag, kann ich mir vorstellen, dass dies sehr herausfordernd ist für kranke Personen. Ebenso natürlich für die Reinigungskräfte; unter der Schutzausrüstung wird es sehr heiss. Unsere Reinigungsstatisten waren nass unter ihren Mänteln und Masken.

Ihre Filme sind auf Youtube zu sehen und werden an gewissen Spitälern zur Schulung eingesetzt. Welches Echo haben Sie erhalten?

Wir haben sehr viele positive Reaktionen erhalten. Gerade Langzeitpflegeinstitutionen und Kliniken sind froh, einen Standard zu haben, an den sie sich halten können. Natürlich gibt es auch Kritik: Die grossen Spitäler haben ihre eigenen Standards. Für andere ist es nicht realisierbar, wenn wir sagen, dass in den Isolierzimmern die Kontaktflächen reduziert und beispielsweise Vorhänge und Kleiderbügel entfernt werden sollen.

Wie lange hält sich das ­Coronavirus denn auf ­Oberflächen?

Das hängt davon ab, in welcher Konzentration das Virus vorhanden ist, wie porös oder glatt die Oberfläche ist und um welches Material es sich handelt. Die Meinungen dazu sind sehr unterschiedlich, sie reichen von einzelnen Stunden bis neun ­Tagen.

Institutionen der Langzeitpflege und Kliniken sind froh, einen Standard zu haben, an den sie sich halten können.

(Quelle: Irina Pericin Häfliger, Dozentin an der ZHAW)

In gewissen Ländern werden die Strassen grossflächig mit Desinfektionsmittel eingenebelt. Für wie sinnvoll halten Sie dies?

Über die Schuhsohlen steckt man sich nicht an. Grossflächig zu sprühen, ist nicht sinnvoll, das sagt auch die WHO. Die Tröpfchen mit Viren halten sich zwar in der Luft, aber die Konzentration ist gering und die Expositionsdauer zu kurz, als dass man sich anstecken könnte.

Wir befinden uns in einer Phase, in der Hygiene sehr wichtig ist. Wie wichtig ist Sauberkeit im Alltag?

Ich frage meine Studenten immer, wie oft sie die Bettwäsche wechseln. Die Antwort liegt irgendwo zwischen ein und acht Wochen. Dies wie auch die Sauberkeit in der eigenen Wohnung sollte dem individuellen Wohlbefinden angepasst sein. Da im Staub Bakterien und Viren haften, sollten Bad, Küche, Oberflächen, Boden einmal pro Woche mit alkalischen oder sauren Reinigungsmitteln gereinigt werden, der Boden öfter, wenn er schmutzig ist. Desinfizieren ist nicht notwendig.

Und was ist jetzt mit der Bettwäsche?

Ich empfehle, sie alle zwei bis drei Wochen zu wechseln, im Sommer, wenn man schwitzt, eventuell öfter.

Wie sauber sieht es bei Ihnen zu Hause aus?

Ich weiss um den Wert einer sauberen Umgebung für das Wohlbefinden und sehe den Schmutz auswärts oder bei mir daheim. Doch wir brauchen ja Bakterien und Viren um uns, um das Immunsystem an sie zu gewöhnen. Deshalb bin ich nicht übertrieben hygienisch. Das könnte ich auch gar nicht, denn neben mir leben noch mein Mann und unsere Tochter im selben Haushalt, die bezüglich Ordnung und Sauberkeit andere Vorstellungen haben als ich.