Ihre Entschädigung für das Präsidium der Aids-Hilfe wird kritisiert. Wie rechtfertigen Sie das Entgelt von 50000 Franken?

Doris Fiala: Der Job, den ich bei der Aids-Hilfe Schweiz angenommen habe, nimmt sehr viel Zeit in Anspruch und bringt auch eine grosse Verantwortung mit sich. Es handelt sich nicht um irgendein «Mandätli». Die Organisation steht finanziell massiv unter Druck. Schaffen wir es nicht, das Ruder rumzureissen, gibt es sie in zwei Jahren nicht mehr. Jetzt ist professionelles Krisenmanagement gefragt. Bei dieser anspruchsvollen Tätigkeit befand die Mitgliederversammlung das Entgelt als gerechtfertigt.

Kann eine gemeinnützige Organisation nach wirtschaftlichen Kriterien geführt werden?

Wie in der Privatwirtschaft auch, werde ich an meiner Leistung gemessen. Gelingt mir der Turnaround nicht, werde ich abgewählt. In den ersten vier Wochen als Präsidentin ist es mir aber immerhin gelungen, Spendenzusagen in dreifacher Höhe meiner Entschädigungssumme an Land zu ziehen. Würde es mir nur ums Geld gehen, müsste ich VR-Mandate anstreben – und nicht versuchen, die Aidshilfe aus der Krise zu führen.

Was würden Sie anders machen, wenn Sie die Zeit bis vor Ihrer Wahl zurückdrehen könnten?

Ich hätte auf eine noch offensiver Kommunikation bestehen sollen. Der Vorstand der Aids-Hilfe hätte die Entschädigungssumme nach der Wahl erwähnen sollen. Ich habe aber kein Unrecht begangen. Ich engagiere mich seit zehn Jahren für HIV-Infizierte; das neue Amt ist für mich eine ideelle Sache. Die Vorwürfe, die gegen mich erhoben werden, sind massiv unter der Gürtellinie. Man kann mich doch nicht mit CS-Chef Brady Dougan vergleichen.