Stromausfall
Doppeltes Blackout in Zürich: Jetzt ist die Ursache bekannt

Zwei Stromausfälle legten die Zürcher Innenstadt am Sonntagabend und Montagnachmittag lahm. 10'000 Anschlüsse waren betroffen. Grund dafür war nicht ein Transformator – wie anfänglich angenommen – sondern eine defekte Leitung.

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Zweimal in weniger als 20 Stunden fällt im gleichen Gebiet in der Zürcher Innenstadt der Strom aus. Erst liegen die Kreise 1 und 4 am Sonntagabend während einer Stunde im Dunkeln, dann ereignet sich am Montagnachmittag die nächste Panne am Unterwerk Zeughaus. Die Folge: Erneut geht in der Zürcher Innenstadt während einer halben Stunde nichts mehr.

Der doppelte Stromausfall überraschte auch das Elektrizitätswerk der Stadt Zürich (EWZ), wie Mediensprecher Harry Graf gestern gegenüber "TeleZüri" sagte. "Die beiden Stromausfälle weisen darauf hin, dass nicht unbedingt der Transformator die Ursache sein muss. Der Wurm könnte auch in einem aussenstehenden Störschalter oder am Hochspannungsnetz selber liegen."

Am Sonntagabend zwischen 21 und 22 Uhr wurde es in etlichen Teilen der Zürcher Innenstadt plötzlich zappendduster.
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Impressionen vom Stromausfall in der Zürcher Innenstadt
Im ersten Moment nach dem Ausfall waren auf den Strassen Schreie der Menschen zu hören, berichten Augenzeugen.
In den betroffenen Gebieten herrschte eine gespenstische Stille.

Am Sonntagabend zwischen 21 und 22 Uhr wurde es in etlichen Teilen der Zürcher Innenstadt plötzlich zappendduster.

Keystone

Tatsächlich standen die Stromausfälle nur am Rande im Zusammenhang mit den Transformatoren: Die eigentliche Ursache lag an einer Leitung, wie die EWZ mitteilt. Ein defekter Isolator der Hochspannungsleitung zwischen Samstagern und Frohalp am Stadtrand Zürichs habe zu einem Spannungseinbruch im Verteilnetz geführt. Die beiden Transformatoren am Unterwerk Zeughaus hatten sich daraufhin automatisch ausgeschaltet, um grösseren Schaden durch den Spannungseinbruch zu verhindern. Der Defekt wird gemäss EWZ in den nächsten Tagen behoben.

Nicht mehr Störungen als anderswo

Je rund 10'000 Anschlüsse waren vom doppelten Blackout betroffen, darunter auch viele Gastrobetriebe wie das Bistro Pub Aladin. Hier blieb das Essen am Sonntagabend während einer Stunde kalt. Geschäftsführer Toluay Zeyner nahm es jedoch mit Humor und lacht über die Geschichte einer Kundin, welche solchen Hunger hatte, dass sie das Essen auch kalt entgegennahm. "Sie sagte, mir ist es egal - dann haben wir ihr einen kalten Hamburger serviert", schildert er.

Weniger amüsiert hat sich Mustafa Aydin, Geschäftsführer der Bäckerei Happy, welche nur wenige Meter vom Bistro Pub entfernt liegt. Zur Zeit des Stromausfalls am Sonntagabend liefen die Backöfen auf Hochtouren. "Leider mussten wir die Ware, welche gerade im Backofen war, wegwerfen", bedauert er gegenüber "TeleZüri". Wären die Backwaren zu 80 bis 90 Prozent durchgebacken gewesen, hätten die Angstellten sie noch retten können. Dennoch zeigt er sich froh, dass der Stromausfall nach einer Stunde behoben werden konnte. "Hätte es länger gedauert, hätten wir auch unsere Ware aus Tief- und Kühlschrank entsorgen müssen."

Gleich zwei Stromausfälle innerhalb weniger als 20 Stunden - was ist bloss los in der grössten Stadt der Schweiz? Marie Oswald, Sprecherin der EWZ, relativiert: "Das Gefühl, dass es in Zürich häufiger zu Störungen kommt als an anderen Orten, täuscht", sagt sie gegenüber "Blick". In der Grossstadt werde viel gebaut, deshalb sei sie naturgemäss anfälliger für Störungen. (sme)