Fifa
Doku-Filmer Müller über Blatter: «Schon damals war etwas faul»

Der Zürcher Dokumentarfilmer Christoph Müller hatte 2002 die Gelegenheit, Sepp Blatter bei einer Wahlkampfreise durch Afrika zu begleiten. Ein Trip mit fahlem Nachgeschmack, der den SRF-Reporter-Film «Der polyglotte Sepp» mit sich brachte.

Daniel Diriwächter
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Reporter Christoph Müller war exklusiv an einer Wahlkampfreise von Sepp Blatter durch Afrika dabei.

Reporter Christoph Müller war exklusiv an einer Wahlkampfreise von Sepp Blatter durch Afrika dabei.

SRF und Keystone

Sepp Blatter beherrscht derweil weltweit die Schlagzeilen. Der Rücktritt des Fifa-Präsidenten sowie dessen vermeintliche Unantastbarkeit sorgen für Zündstoff und lassen die eigentlichen Korruptionsvorwürfe und Verhaftungen in neuem Licht dastehen.

Eher gelassen betrachtet der Dokumentarfilmer Christoph Müller die mediale Lawine. Als Profi seines Fachs konnte er schon ganz nahe, sozusagen in den inneren Kreis des einstigen Fussball-Papstes, einsehen. Das war 2002, als er exklusiv an einer Wahlkampfreise von Sepp Blatter durch Afrika teilnehmen konnte. Damals war er zu Beginn noch fasziniert von der FIFA-Hierarchie. „Aber als Dokumentarfilmer ist man bereit für Veränderungen“, so der Journalist, „sehr bald auf der Reise wurde mir klar, dass da etwas faul war.“

Die Faszination wich gewissem Entsetzen, dokumentiert von der Kamera. Im entsprechenden „Reporter“-Film „Der polyglotte Sepp“ wird schnell klar, dass nicht der völkerverbindende Geist des Fussballs eine Rolle spielt, sondern der schnöde Mammon. Das Christoph Müller trotzdem seine Kamera auf das Geschehen halten durfte zeigt, dass Sepp Blatter und seine Entourage in einer völligen anderen Welt spielten, quasi unberührbar und nach eigenen Regeln.

In „Der polyglotte Sepp“ wird schnell klar, wie ein Wahlkampf aussieht, wenn ihn die FIFA oder gar Sepp Blatter organisiert. „Ich wurde Zeuge, wie in diesen Kreisen Geschenke aller Art ausgetauscht werden“, berichtet Christoph Müller. Auch wurde einem der Interviewpartner von Christoph Müller ein vielversprechender Posten bei der Fifa versprochen, wenn er für Sepp Blatter stimme. Das behauptet dieser zumindest im Interview mit „Reporter“.

Ebenfalls beleuchtete der Film das damalige Goal-Programm. In das hauseigene Entwicklungshilfe-Projekt wurden Millionen reingesteckt. 2002 wurde Christoph Müller in Mali Zeuge, als Sepp Blatter ein opulentes Fifa-Gebäude im Rahmen des Hilfsprojekts einweihte. Lokalen Stimmen zufolge war jedes Büro darin grösser als das des malischen Präsidenten. Christoph Müller vermutet aber auch, dass Investitionen in den Mega-Bau ganz einfach verschwunden sind.

Sepp Blatter scheute sich damals nicht, auch persönlich vor die Kamera zu treten und die Fragen von Christoph Müller zu beantworten – oder eben nicht. „Ich fragte Sepp Blatter nach seinem Lohn, was er partout nicht preisgeben wollte, allerdings mit dem Vermerk, dass demnächst die Zahlen offengelegt werden.“ Noch heute weiss niemand, welches Salär Sepp Blatter erhält.

Der Film „Der polyglotte Sepp“ ist online leider nicht mehr anzusehen - Christoph Müller ist sich dessen Brisanz sehr wohl bewusst. Klar ist, dass 2002 Sepp Blatter mit 139 zu 56 Stimmen glanzvoll wiedergewählt wurde. Der Film vermittelt auch, dass das Fifa-Universum ein undurchsichtiges ist und gewissen Handlungen einen mehr als fahlen Beigeschmack haben.

Der Rücktritt ist für Christoph Müller heute eine logische Konsequenz der jüngsten Tage: „Ich nehme an, dass Sepp Blatter Angst hat vor einer Klage aus den USA“, so der Filmemacher. Beinahe resigniert fügt er an, dass solange sich die Struktur der Fifa nicht ändere, werde sie für die Korruption weiterhin Tür und Tor offen halten.