Baurecht
Doch keine Prunkvilla: Winkelwiese geht an Stadt Zürich zurück

Der umstrittene Neubau auf dem Grundstück der Villa Winkelwiese in Zürich wird nun doch nicht erstellt: Der Baurechtsnehmer zieht ins Ausland. Das Areal geht deshalb wieder an die Stadt Zürich zurück.

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villa winkelwiese
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Die Ueberbauung mit der Hausnummer 10 an der Winkelwiese in Zuerich am Donnerstag, 25. September 2008.
Anwohner protestierten auch mit Plakaten.
Anwohner protestierten auch mit Plakaten.
Eine Ueberbauung an der Winkelwiese in Zuerich am Donnerstag, 25. September 2008.

villa winkelwiese

Keystone

Die Abgabe des Grundstücks mit der bestehenden Villa Winkelwiese 10 im Baurecht und das geplante Villenprojekt waren über Jahre höchst umstritten: So wurde gegen den Entscheid des Gemeinderats vom Februar 2008 das Referendum ergriffen.

Die Gegner wollten erreichen, dass statt einer Privatvilla auf dem städtischen Land in der Altstadt Familienwohnungen durch die Stadt erstellt werden. Die "Prunkvilla" war von den Gegnern als "störender Fremdkörper in der Altstadt" kritisiert worden. Die Stadtzürcher Stimmberechtigten sagten im September 2008 aber knapp Ja zum privaten Bauprojekt.

Bis zur gültigen Baubewilligung dauerte es noch einmal einige Jahre: Zuerst wurde das Baugesuch sistiert, um den Umfang der Unterschutzstellung des Gartens zu klären. Dann wurden gegen die im Jahr 2012 erteilte Baubewilligung Rekurse erhoben, die das Bundesgericht im Mai 2014 aber abwies.

Im September 2014 wurde der Baurechtsvertrag ins Grundbuch eingetragen, worauf die Stadt den Baurechtszins von 210'000 Franken im Jahr erhielt. Gemäss Vertrag hätte spätestens ein Jahr danach mit dem Neubau begonnen werden sollen.

Vor Ablauf der Frist forderte die Stadt einen verbindlichen Terminplan. Der Baurechtsnehmer bat darauf die Stadt um einen Aufschub, der bis Ende Juli 2016 gewährleistet wurde.

Keine Nutzung als Zweitwohnsitz

Zum Neubau kommt es nun aber doch nicht: Der Baurechtsnehmer, der seit 1981 in der Stadt Zürich wohnt, wird seinen Lebensmittelpunkt ins Ausland verlagern, wie das Finanzdepartement am Donnerstag mitteilte. Er hat deshalb der Stadt vorgeschlagen, vom Vertrag zurückzutreten und auf die Erstellung der Villa zu verzichten. Eine Nutzung als Zweitwohnsitz liege wohl nicht im Sinne der Stadt.

Damit geht das Grundstück wieder an die Stadt zurück. Sie zahlt dem Baurechtsnehmer 4,5 Millionen Franken zurück. Dagegen entschädigt der Baurechtsnehmer die Stadt mit 250'000 Franken und übernimmt die Handänderungskosten. Die bereits geleisteten Baurechtszinsen von gut 400'000 Franken bleiben bei der Stadt.

Die Stadt prüft nun mögliche Nutzungen für das Grundstück. Die im Jahr 1932 erstellte Villa Winkelwiese, in der zeitweise der ehemalige Zürcher Stadtpräsident Emil Landolt wohnte, ist nicht im Inventar der schützenswerten Bauten aufgeführt. Hingegen sind das Gartenhaus und grosse Teile des Gartens geschützt. Die befristeten Mietverhältnisse mit den Bewohnenden der Villa und des Gartenhauses werden vorläufig weitergeführt.

Die Grünen, die sich 2008 unter anderen gegen das Villenprojekt gewehrt hatten, zeigen sich in einer Mitteilung "hocherfreut über die glückliche Wendung". Sie fordern den Stadtrat auf, die Möglichkeit eines Erhalts der Villa sowie die Zugänglichkeit des Parks nochmals in Betracht zu ziehen.