Befristete Verträge von Ärztinnen, welche zum Endzeitpunkt des Arbeitsverhältnisses schwanger oder im Mutterschaftsurlaub sind, sollen bis zu dem Tag verlängert werden, an dem der Mutterschaftsurlaub endet. Dies ist die Weisung, die der GLP-Stadtrat Andreas Hauri an die Betriebe des Stadtzürcher Gesundheits- und Umweltdepartementes herausgegeben hat.

Derzeit klären die Stadtspitäler ab, ob eine Anpassung in ihrem jeweiligen Personalrecht notwendig ist. «Änderungen des Personalrechts wurden noch keine vorgenommen», sagt das Gesundheits- und Umweltdepartement auf Anfrage.

Brisant ist, dass derzeit im Personalrecht unter Artikel 122 festgehalten ist: «Bei befristeten Arbeitsverhältnissen besteht der Anspruch auf Mutterschaftsurlaub bis zum vereinbarten Austrittsdatum, sofern nicht eine Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses vereinbart worden ist.»

Verband schaltet sich ein

Zur besagten Weisung für Ärztinnen der beiden Stadtspitäler Waid und Triemli kam es erst kürzlich. Ausgelöst wurde dies durch einen konkreten Fall, der sich in einem der beiden Stadtspitäler zutrug. Eine Assistenzärztin, die über ein befristetes Anstellungsverhältnis verfügte, wurde schwanger.

Ihr Arbeitgeber verweigerte ihr den Mutterschaftsurlaub. Dies, obwohl für städtische Angestellte – wozu auch die Mitarbeitenden der beiden Stadtspitäler gehören – eine 100-prozentige Lohnzahlung während des 16-wöchigen Mutterschaftsurlaubs festgesetzt ist.

In der Folge nahm sich der Verband Zürcher Spitalärztinnen und Spitalärzte (VSAO Zürich) dieses Falls an. Er liess den besagten Sachverhalt rechtlich von der Fachstelle für Gleichstellung der Stadt Zürich sowie jener des Kantons Zürich einschätzen. Alle drei Institutionen erachten die indirekte Diskriminierung in der geschilderten Sachlage als gegeben.

Befristete Anstellungen können negative Konsequenzen mit sich bringen. In Fällen von Krankheit, Schwangerschaft oder Mutterschaft können Lohnfortzahlungen sowie der bezahlte Mutterschaftsurlaub mit dem Ende eines Arbeitsvertrages dahinfallen. Bei Krankheit oder Unfall können befristet angestellte Ärztinnen und Ärzte das Risiko mit einer individuellen Versicherung abfedern. Dahingehend sind Frauen und Männer gleichermassen betroffen.

Im Falle der Schwangerschaft aber sieht die Sachlage anders aus. Sich in befristeten Anstellungen befindende Ärztinnen finden meist keine nahtlose Weiterbeschäftigung. Die Folgen sind Erwerbslosigkeit bis zur Geburt und eine verminderte Mutterschaftsentschädigung.

Ärztinnen von Willkür abhängig

«Das befristete Arbeitsverhältnis bei Assistenzärztinnen und Assistenzärzten lässt sich sachlich mit der Ausbildung begründen», sagt Susanne Hasse, Rechtsanwältin und Geschäftsführerin des VSAO Zürich, auf Anfrage. Es liege aber eine indirekte Diskriminierung vor, «weil sich die befristeten Anstellungsverhältnisse der sich in Ausbildung befindenden Ärztinnen gegenüber auszubildenden Ärzten in diesem Zusammenhang überproportional nachteilig auswirken», so Hasse weiter.

Zudem besteht aufgrund der Karriereplanung von Assistenzärztinnen und Assistenzärzten ein hohes Abhängigkeitsverhältnis zu den Vorgesetzten. «Betroffene trauen sich kaum zu reagieren und machen deshalb still die Faust im Sack. Sie sind damit der Willkür ihrer Vorgesetzten ausgeliefert», sagt Hasse.

Entsprechend wurden die Stadtspitäler in die Pflicht genommen, die befristeten Arbeitsverhältnisse der Ärztinnen, welche im Zeitpunkt der Beendigung des Arbeitsverhältnisses schwanger oder im Mutterschaftsurlaub sind, bis zum Ende des Mutterschaftsurlaubes automatisch zu verlängern.

Diskriminierung beseitigen

In einem Anfang Woche publizierten Aufruf geht der Verband nun einen Schritt weiter. Das Rundschreiben wurde an die vom Schweizerischen Institut für ärztliche Weiter- und Fortbildung zertifizierten Weiterbildungsstätten, die Ärztinnen und Ärzte im Kanton Zürich ausbilden, versandt. Zudem wurden über das Institut für Hausarztmedizin der Universität Zürich auch ambulante Hausärzte, welche Praxisassistenzen anbieten, auf diese Diskriminierung hingewiesen.

Zwar sei bereits bei einigen Spitälern die automatische Verlängerung des befristeten Arbeitsvertrages von schwangeren Ärztinnen bis zum Ende des Mutterschaftsurlaubes üblich. Dennoch habe diese Regelung noch nicht den Weg in alle Personalreglemente und Arbeitsverträge gefunden, wie Hasse sagt.

Sollte es weiterhin zu entsprechenden Diskriminierungen von Ärztinnen im Rahmen von Schwangerschaft und Mutterschutz kommen, will der VSAO Zürich für seine Mitglieder den Rechtsweg beschreiten.