Schutz & Rettung
Direktor Hanspeter Fehr: "Die Peripherie ist unterversorgt"

In den peripheren Gebieten der Stadt Zürich müssen die Leute bei Notfällen länger auf die Sanität oder die Feuerwehr warten. Gerade dort werden in Zukunft aber immer mehr Menschen leben. Deshalb brauche es zusätzliche Wachen, betonte der Direktor von Schutz & Rettung am Dienstag vor den Medien.

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Die bestehenden Wachen: Süd (Weststrasse), Zentrum (Neumühlequai) und Flughafen sollen durch drei neue Wachen ergänzt werden. (Symbolbild)

Die bestehenden Wachen: Süd (Weststrasse), Zentrum (Neumühlequai) und Flughafen sollen durch drei neue Wachen ergänzt werden. (Symbolbild)

Keystone

"Die Peripherie ist unterversorgt", sagte Hanspeter Fehr, Direktor von Schutz & Rettung. In Leimbach, Seebach oder Hirzenbach erreiche der Rettungsdienst die Vorgaben nicht. Der Interverband für Rettungswesen gibt vor, dass Rettungskräfte in 90 Prozent der Fälle spätestens 15 Minuten nach Eingang des Alarms vor Ort sein müssen - aus medizinischen Gründen sind 10 Minuten empfohlen.

Über das ganze Stadtgebiet gesehen wurde 2016 beim Rettungsdienst der Wert von 10 Minuten in 79 Prozent aller Einsätze erreicht, wie der am Dienstag vom Stadtzürcher Sicherheitsdepartement vorgestellte Sicherheitsbericht 2016 zeigt. Die mittlere Hilfsfrist lag bei knapp 8 Minuten.

Bei der Feuerwehr sollte die Richtzeit von 10 Minuten in mindestens 80 Prozent aller Einsätze eingehalten werden. Über das ganze Stadtgebiet gesehen werde dies erreicht, sagte Fehr. 2016 lag die durchschnittliche Ausrückzeit bei 7 Minuten. Aber auch hier müssen Menschen in Osten oder im Norden der Stadt teilweise länger warten.

Drei neue Wachen in der Peripherie

"Es braucht einen Wechsel vom heutigen zentralen Wachensystem zu dezentralen Wachen in den Quartieren", sagte der Direktor von Schutz & Rettung. In den nächsten Jahren sollen deshalb zusätzlich zu den drei bestehenden Wachen Süd (Weststrasse), Zentrum (Neumühlequai) und Flughafen drei neue Wachen entstehen.

Diese Notwendigkeit ist auch dem zuständige Stadtrat Richard Wolff (AL) bewusst. "Darüber wird es bezüglich der finanziellen Ressourcen noch Diskussionen geben", sagte er vor den Medien. Am weitesten fortgeschritten ist die Planung einer neuen Wache in Zürich-Nord.

600'000 Franken für einen Projektwettbewerb hat der Stadtrat in eigener Kompetenz bereits bewilligt. Die restlichen 5 Millionen Franken für die weitere Ausarbeitung des Bauprojektes mit Kostenvoranschlag muss der Gemeinderat genehmigen. In dieser Wache soll zudem die Zentrale Einsatzlogistik (ZEL) untergebracht werden.

Weitere Wachen sind beim Schlachthof (Wache West) und an einem noch nicht bestimmten Ort im Osten geplant. Zudem sollen die bestehenden Wachen erweitert und ausgebaut werden. "Bis 2030 werden in Zürich 20 Prozent mehr Menschen leben", sagte der Direktor von Schutz & Rettung. "Das ist eine klare Aufforderung für uns zum Handeln."

Mehr Tätlichkeiten am Wochenende

Obwohl immer mehr Menschen in der Stadt lebten, sei die allgemeine Sicherheitslage in Zürich sehr gut, sagte Wolff. Die Anzahl der meisten Deliktarten ging in den letzten fünf Jahren deutlich zurück. So gab es weniger Einbrüche und Diebstähle und auch die Anzeigen wegen Angriffen oder Gefährdung des Lebens gingen zurück.

Zugenommen haben die Tätlichkeiten. Dies sei vor allem in der Nacht und an den Wochenenden auffällig, sagte der Sicherheitsvorsteher. Deshalb habe man auch das Arbeitszeitmodell bei der Polizei angepasst. Es sind nun in den Ausgehquartieren entsprechend mehr Polizisten zu diesen Zeiten im Einsatz.