Am Anfang stand eine Wette. Diese lautet: «Bis April 2019 soll der Hauptbahnhof Zürich zum digitalsten und persönlichsten Bahnhof der Welt werden.» Eingegangen sind sie die SBB 2017 mit Digitalswitzerland. Dem schweizweiten und branchenübergreifenden Verband gehören mehr als 100 Mitglieder an. Sie alle zusammen verfolgen das Ziel, die Position der Schweiz als digitaler Hotspot zu stärken.

Im Rahmen des «My smart station Zürich HB» haben die SBB in Zusammenarbeit mit Creaholic, Aroma und der Swisscom Kickbox gestern ein Minilabor lanciert. Die sogenannte Sandbox befindet sich mitten im Zürcher Hauptbahnhof, den täglich rund 400 000 Menschen passieren. «Diese Sandbox ist selber ein Prototyp. Wir testen, ob das Testen von digitalen Prototypen an diesem Ort überhaupt Anklang findet», sagte Philipp Leimgruber, Projektleiter vonseiten der SBB, vor den Medien.

Bis und mit Sonntag können Start-ups wie auch etablierte Firmen ihre digitalen Ideen den Passanten vorstellen und diese von ihnen testen lassen. So etwa präsentiert die neue Swisscom-Plattform Naminha ihre Idee, wie Köche mit Gastgebern verbunden werden können. Diese sieht vor, dass die Gastgeber Zeit, Ort, Anzahl Gäste und das Menü bestimmen. Die Köche kümmern sich dann um alles, kochen, bedienen und räumen anschliessend wieder auf. «Die Prototypen sollen auf Herz und Nieren vom Endkunden geprüft werden», sagte Leimgruber.

Das ganze funktioniert nach dem Motto «Love it – change it – leave it» (zu Deutsch: «lieb es – veränder es – lass es bleiben»). Die Rückmeldungen der Kunden sollen im Anschluss an das Sandbox-Projekt in die Weiterentwicklung der digitalen Produkte einfliessen. Auf diesem Weg finden die Unternehmer heraus, ob ihre Idee in die richtige Richtung geht («love it»), wie sie verbessert werden kann («change it») oder ob man die Idee besser bleiben lässt («leave it»). «Wir versuchen so, die Digitalisierung sichtbar und erlebbar zu machen», sagte Leimgruber.

Einfach und spielerisch

Neben der Swisscom testet auch die Zürcher Kantonalbank eine digitale Lösung, wie Kunden über E-Banking oder über das Smartphone virtuelle Gutscheinkarten beziehen oder verschenken können. Die SBB befragen Passanten vor Ort nach ihrer Meinung zu den Funktionen des Schliessfachs der Zukunft. Neben den bekannten Firmen stellen auch diverse Start-ups ihre Prototypen der breiten Öffentlichkeit vor.

Insgesamt werden 23 Ideen von 13 Firmen in diesen Tagen am Zürcher Hauptbahnhof erlebbar gemacht. Damit die Firmen ihre Ideen überhaupt präsentieren dürfen, mussten sie zwei elementare Bedingungen erfüllen, wie Leimgruber sagt: «Es darf keine Promotion sein. Die Projekte sollen echte Fragen an ihre potenziellen Endkunden stellen. Zudem muss die Idee ein breites Bedürfnis abdecken.»

Überdies gibt es für Interessierte im Labor kostenlose Schnupperkurse zum «Prototyping» und «Kanban». Dabei handelt es sich um eine Arbeitsmethode, mit der Aufgaben auf einfache und spielerische Art organisiert werden können. Des Weiteren können kreative Köpfe ihre Geschäftsideen bei Kickbox4everyone präsentieren. Die besten Ideen werden mit 1000 Franken Startkapital unterstützt.

Die nächste Sandbox soll dann kommenden März nochmals im Zürcher Hauptbahnhof stattfinden. Es ist aber laut Leimgruber nicht auszuschliessen, dass das Ideen-Labor einst auch an anderen Bahnhöfen auftauchen wird. Dabei gehe es immer darum, das Erlebnis und den Aufenthalt am Bahnhof weiter zu steigern. Ob die SBB ihre 2017 eingegangene Wette gewinnen, zeigt sich dann kommenden Frühling.