Motion Joss
Digitaler Wandel: Die Zürcher Regierung will den Schulen keine Lösung vorgeben

Rosmarie Joss (SP) fordert in einer Motion, dass digitale Geräte den Schulen kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Der Zürcher Regierungsrat spricht sich aber dagegen aus.

Ruedi Burkart
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Die Regierung spricht sich gegen die Motion von Rosmarie Joss aus.

Die Regierung spricht sich gegen die Motion von Rosmarie Joss aus.

Keystone

Der Kanton soll die Gemeinden und Schulen weiterhin im digitalen Wandel nur unterstützen und Empfehlungen zur Entwicklung abgeben, schreibt der Zürcher Regierungsrat. «Die Gemeinden und Schulen wiederum sind gefordert, die Situation in pädagogischer und technischer Hinsicht laufend
zu überprüfen und zukunftsgerichtet die notwendigen Schritte zu unter nehmen.»

Damit nimmt der Regierungsrat ablehnend zu einer Motion Stellung, welche die Dietiker SP-Kantonsrätin Rosmarie Joss gemeinsam mit ihrer Parteikollegin Carmen Marty Fässler (Adliswil) Ende August eingereicht hatte.

Grosse Unterschiede im Umgang mit digitalen Geräten an Schulen

Die beiden hatten in ihrem Vorstoss eine Anpassung im Volksschulgesetz gefordert: «Das Schulmaterial muss umfassender beschrieben werden.» Alles für den Unterricht benötigte Material müsse kostenlos zur Verfügung gestellt werden – insbesondere auch die für das digitale Lernen benötigten Computer oder Tablets. «Für die Schule ist es extrem effizienzsteigernd, wenn sämtliche Schülerinnen und Schüler über eine standardisierte Lösung verfügen», hatten Rosmarie Joss und Carmen Marty Fässler in ihrer Motion geschrieben.

Die Unterschiede seien heute massiv; während in einzelnen Schulgemeinden alle Schüler mit digitalen Geräten ausgestattet würden, seien in anderen kaum Geräte vorhanden. «Dies führt zu verschiedenen Qualitätsstandards innerhalb der Volksschule.» Dabei sei es bezüglich Chancengerechtigkeit immens wichtig, dass alle Schülerinnen und Schüler möglichst gleiche Voraussetzungen hätten, hielten die Motionärinnen fest.

Reine Vorgaben sollen für Chancengerechtigkeit ausreichen

Eine Standardisierung der Lösungen will der Regierungsrat aus «ordnungs- und finanzpolitischen Erwägungen» aber nicht vorantreiben, wie er in seiner Stellungnahme zur Motion schreibt. Denn die Zürcher Volksschule bestehe aus rund 500 Schulen, für die 187 Schulpflegen zuständig sind. «Mit reinen Vorgaben zur Ausstattung kann weder der Unterschiedlichkeit der Schulen Rechnung getragen noch die Chancengerechtigkeit gewährleistet werden.»

Bereits 2012 habe die Fachstelle Bildung und ICT des Volksschulamts für Schulen einen ICT-Guide herausgegeben, der die pädagogische Verankerung der Nutzung von digitalen Medien in der Schule aufnehme, schreibt der Regierungsrat. «Die Gemeinden und Schulen im Kanton Zürich haben bereits grosse Investitionen in ihre digitale Infrastruktur getätigt.» Sie seien auf dem Weg zur Umsetzung der Power- Variante gemäss Grundlagenbericht «ICT an Zürcher Volksschulen 2022».

Durch die Einführung des Lehrplans 21 mit den Modulen Medien und Informatik ab der fünften Klasse und der Anwendungskompetenzen bereits ab dem Kindergarten bestünden verpflichtende Vorgaben für die Schulen.

Der Zürcher Regierungsrat empfiehlt dem Kantonsrat deshalb, die Motion abzulehnen. (og)