«Es ist nicht mehr wie früher», sagt ein Weinhändler bei Kaffee und Gipfeli, während sich die geladenen Gäste auf dem Zürichsee-Schiff «Panta Rhei» zur Eröffnung der Expovina einfinden. Die Besucherzahlen auf den Weinschiffen seien zwar immer noch hoch.

Expovina-Präsident Bruno Sauter hofft auf 70'000 Gäste bis Mitte November. Aber die Umsätze seien deutlich gesunken, fährt der Händler fort und beisst in ein Gipfeli. Die Konkurrenz durch Onlinehandel und Discounter mache den Ausstellern zu schaffen.

«Digitalisierung und der Weinhandel» lautet denn auch das Thema eines Podiums bei der gestrigen Eröffnung der 64. Zürcher Weinausstellung. Mit dabei: Dieter Meier. Der 72-Jährige, der einst mit dem Elektropop-Duo «Yello» international bekannt wurde, hat sich längst auch als Produzent argentinischer Weine einen Namen gemacht. Als die Eröffnungsreden geschwungen sind und die geladenen Gäste zum Apéro schreiten, nimmt Meier auf dem Schiffssteg im Interview Stellung – und verrät, was sein nächstes Projekt ist.

Herr Meier, die Digitalisierung nimmt auch in der Weinproduktion und im -handel zu. Was bedeutet das für Sie?

Dieter Meier: Wir sind in Argentinien noch nicht so digitalisiert. Was sehr viel nützt, ist: mit der Drohne über die grossen Anbauflächen zu fliegen. Von oben sieht man die Mikroterroirs des Weinbergs sehr präzise und kann daraufhin eine Vorselektion der Trauben vornehmen. Aber ich glaube nicht daran, dass bald Roboter durch die Weinberge laufen und die Selektion ausführen. Mit der handverlesenen Traubenauswahl fahren wir sehr gut und erreichen eine super Qualität. Bei allem, was danach kommt – Verkauf, Abwicklung und so weiter – ist klar: Die Digitalisierung wird stattfinden. Sie ist eine Erleichterung für viele. Und da sind wir mit dabei.

Der Onlinehandel nimmt zu. Haben Sie selber schon via Internet Wein gekauft, den Sie sonst nicht kannten?

Nein. Ich kaufe keinen Wein online. Ich habe Zugang zu sehr guten Weinhändlern. Es ist immer eine Zeremonie, die Weine zu probieren und mit den Leuten zu reden. Online Wein zu bestellen ist für mich irgendwie unsinnlich. Aber ich glaube, dass die Zukunft im Onlinehandel liegen wird. Ein grosses Problem ist: Wenn man eine bekannte Marke hat, gibt es einen enormen Graumarkt, der über den Onlinehandel stattfindet. Das schädigt die Marke oft, indem Onlinehändler sie irgendwo auftreiben und zu Dumpingpreisen verkaufen.

Was passiert genau auf diesem Graumarkt?

In Deutschland zum Beispiel sind die Weinpreise allgemein viel tiefer. Es gibt Leute, die dort Weine zusammenkaufen und in die Schweiz importieren, um sie dann über irgendwelche Onlinekanäle oder in Ausverkaufsläden billiger zu verkaufen. Das dient oft auch als Lockvogel, um die Leute in ihre Läden zu bringen. Darunter leiden wir. Denn wenn solche Dumpingpreise erscheinen, fragen sich die Leute natürlich: Warum soll ich noch zu meinem guten Weinhändler, wenn ich die gleiche Ware auch 20 Prozent billiger haben kann? Oft erleben die Kunden dann aber eine Enttäuschung, indem die Weine sofort ausverkauft sind.

Was für eine Rolle spielt eine Ausstellung wie die Expovina im Vergleich zum Onlinehandel?

Bei aller Digitalisierung – der Erfolg der Expovina wird immer das sein, was es heute ist: Es ist ein gesellschaftliches Ereignis; man redet mit Leuten, die viel von Wein verstehen, und kann die Weine unmittelbar degustieren. Es ist eine wunderbar sinnliche Sache auf diesen Schiffen. Online optimiert und verbilligt man einfach die Verkaufswege und kauft Wein, den man kennt. Es ist natürlich auch schön, wenn man sich nicht darum bemühen muss, so eine Kiste irgendwo abzuholen, sondern sie einfach zugeschickt bekommt. Aber ich glaube nicht, dass das in irgend einer Weise der Expovina schaden wird.

Sie sind als Musiker bekannt geworden, ebenso als Filmer, Weinhersteller, neuerdings auch als Schokoladeproduzent. Was ist Ihr nächstes Projekt?

Eigentlich bin ich ja aus dem Film gekommen, aus dem Video-Making, das waren meine primären Interessen. Wenn meine Schoggi-Fabrik steht – wir haben jetzt eine kleine und bauen eine grössere – , möchte ich einen Spielfilm machen. Ich habe zwei Drehbücher fertig.

Wann ist damit zu rechnen?

Ich hoffe nächsten Frühling. Ein Film spielt in Buenos Aires, einer in Berlin. Ich hoffe, dass ich das irgendwie zustande bringe. Es braucht immer sehr viele Vorbereitungen, bis das Seil gespannt ist, auf dem der Seiltänzer tanzen kann.

Die Expovina an den Landungsstegen beim Bürkliplatz in Zürich dauert bis 16. November. Mo–Sa 13-21 Uhr, So 11–19 Uhr.