Hilfe beim Aufstehen oder Zubettgehen, Unterstützung beim Anziehen oder den Toilettengängen sowie die Begleitung zum Arzt: Die 24-Stunden Betreuung einer Pflegerin in den eigenen vier Wänden umfasst noch weit mehr. Neben dem Einkauf, dem Kochen und dem gemeinsamen Essen, halten die Betreuerinnen auch den Haushalt in Ordnung, waschen Kleider und begleiten Seniorinnen und Senioren auch mal auf einem Ausflug oder machen mit ihnen Gedächtnis- und Bewegungsübungen.

Damit Pflegebedürftige aber auch die qualitativ richtige Betreuung erhalten, sucht das Zürcher Start-up Senior Care Company gut ausgebildete und erfahrene Betreuerinnen, die über gute Deutschkenntnisse verfügen. Die meisten stammen aus dem EU-Raum, wie Dragana Radakovic, Juristin und Gründerin der Firma, sagt. «Bei einer 24-Stunden-Betreuung wohnen die Betreuerinnen auch bei den Seniorinnen und Senioren und dafür finden wir praktisch keine Betreuerinnen aus der Schweiz», so Radakovic.

Weil es bei der 24-Stunden-Betreuung um Vertrauen und Sicherheit geht, ist das Zusammenleben von Pflege und Unterstützungssuchenden unabdingbar. Dieses Angebot ermöglicht es alten Menschen, ihren Lebensabend zu Hause und nicht im Seniorenheim zu verbringen. «Wenn die stundenweise medizinische Betreuung der Spitex-Mitarbeitenden nicht mehr ausreicht, kommen wir ins Spiel», erklärt Radakovic das Angebot von Senior Care Company. Die Firma betreibt die Juristin seit 2016. Wie viele Betreuungsvermittlungen sie seither durchgeführt hat, will sie nicht verraten. Nur so viel: «Wir sind zufrieden.»

Günstiger als im Altersheim

Das dürften auch die bei Senior Care Company rekrutierten Betreuerinnen sein. «Unsere Plattform ermöglicht Betreuerinnen eine legale Anstellung in der Schweiz», so Radakovic. Oft würden Seniorinnen und Senioren von Pflegerinnen betreut, die keine Arbeitsverträge haben. Zudem sei dann auch die Gefahr gross, dass sie nicht die notwendige Erfahrung mit beispielsweise Demenz- oder Parkinsonpatienten mitbringen würden. Auch Sprachbarrieren können die Pflege-Patienten-Beziehung belasten.

So bietet Radakovic mit Senior Care Company zwei unterschiedliche Arbeitsmodelle an: Entweder hilft sie Familien, die Betreuerinnen direkt bei ihnen anzustellen oder aber das Start-up vermittelt ihre angestellten Betreuerinnen gegen eine monatliche Pauschale an Seniorinnen und Senioren. Damit das möglich ist, verfügt das Zürcher Jungunternehmen auch über die notwendigen Bewilligungen des kantonalen Amtes für Wirtschaft und Arbeit sowie des Staatssekretariates für Wirtschaft.

Radakovic selber ist als Juristin auf Arbeits-, Aufenthalts- und Sozialversicherungsrecht spezialisiert. «Wir organisieren für Betreuerinnen eine Aufenthalts- und Arbeitsbewilligung, sorgen für den gesetzlichen Versicherungsschutz und stellen einen Arbeitsvertrag wie auch eine Lohnabrechnung aus», sagt Radakovic.

Zudem überprüfe man die Qualifikationen der Betreuerinnen. «Wir achten darauf, dass unsere Betreuerinnen gut Deutsch sprechen, mehrjährige Betreuungserfahrung mitbringen und überprüfen selbstverständlich die entsprechenden Referenzen», sagt Radakovic zum Einstellungsverfahren. Ist eine Pflegerin beim Start-up angestellt, kostet eine monatliche Betreuung 6900 Franken. Die Firma untersteht dem Gesamtarbeitsvertrag und bezahlt mehr als der gesetzliche Bruttolohn vorsehe. Auch einen dreizehnten Monatslohn erhalten die Angestellten bei Senior Care Company.

Möchte eine Familie die Betreuungsperson selber anstellen, dann sei sie dazu verpflichtet, dieser einen Bruttomonatslohn von 4000 Franken zu entrichten. «Entgegen einer einmaligen Gebühr vermitteln wir der Familie eine qualifizierte Betreuerin und organisieren die notwendigen Bewilligungen und stellen die Verträge aus», sagt Radakovic. So oder so unterbietet das Betreuungsangebot die durchschnittlichen Kosten eines Heimaufenthalts. Der Kostenvergleich der Alters- und Pflegeheime durch die kantonale Gesundheitsdirektion 2015 ergab durchschnittliche Pflegekosten von rund 10 000 Franken im Monat.

Mit der Vermittlung oder Anstellung von Betreuerinnen aber ist die Arbeit von Radakovic nicht getan: «Wir stehen immer als Ansprechperson zur Verfügung. Das ist wichtig, denn viele Seniorinnen und Senioren sind alleine und können niemanden fragen», so die Juristin.