«Ohlala»
Dieser Zirkus entführt die Zuschauer auf eine Reise in die sexy Wunderwelt

Er ist nicht nur für Kinder. Es gibt auch einen Zirkus nur für Erwachsene. Er heisst «Ohlala» und ist von Gregory und Rolf Knie. Gerade wird der sechste Teil gespielt. Denn Erwachsene brauchen auch diese Art von Liebe.

Stefan Busz
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Zirkus für Grosse bei «Ohlala».S. Vonesch

Zirkus für Grosse bei «Ohlala».S. Vonesch

Treffpunkt ist ein Ort in der Mitte der Stadt. Das GPS seines Handys wollte ihn in den Wald schicken. Aber natürlich lässt sich Gregory Knie von so einem Teil nicht in die Irre führen. Er ist auf die Minute pünktlich da.

Zielbewusst ist auch sonst der Weg des Zirkusproduzenten und Unternehmers. 1977 in Lausanne geboren, trat Gregory Knie als Sechjähriger erstmals in der Manege auf: als Peter Pan in einer eigenen Pony-Dressur. Die siebte Generation der Knie-Dynastie zeigte sich im Licht. Zum Zirkus kam Gregory Knie dann wieder 2002 zurück, dies nach einem Wirtschaftsstudium in Florida und einem Praktikum für den Disney-Konzern. Aber da war es schon sein eigener Zirkus – «Salto Natale», für den er und sein Vater Rolf Knie das Konzept entwickelten.

2011 kam ein zweites Projekt dazu, es ist «Ohlala», ein Liebeszirkus nur für Erwachsene: «sexy, crazy, artistic». Der sechsten Ausgabe dieses Unternehmens gilt auch das Gespräch. Deshalb wechseln wir jetzt von der Wikipedia-Biografie zum realen Leben: «Guten Tag, Gregory Knie, wir haben da ein paar Fragen.»

Eine Frage sollte ganz, ganz raffiniert sein. Denn das Plakat zu «Ohlala – Scandalo», wie der sechste Akt untertitelt ist, zeigt einen Mann und eine Frau in einem Körper vereint, während in der Pariser Ausgabe des Plakats für den Ohlala-Auftritt in den Folies Bergère zwei Frauen und ein Mann auftreten. Zeigt sich da schon die kulturelle Differenz zwischen Dübendorf und Paris? Und warum bekommen die Franzosen immer eine Frau mehr? Vielleicht darum, weil die Schweizer Holzböcke in Sachen Liebe sind?

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Die Antwort ist aber ganz einfach: Die Folies Bergère bekamen das Plakat der Ohlala-Ausgabe 2015, für Dübendorf ist es das aktuelle. Das «Scandalo»-Bild vom Spiel mit den Geschlechtern ist notabene überaus einnehmend und auch Programm für diese Art von Zirkus: Die Liebe schafft hier ganz besondere Bezüge – auch über Bart und Busen hinaus.

Es stimmt aber schon: Paris ist die Stadt der Liebe, und mit Enthusiasmus hat das Publikum dort «Ohlala, Ausgabe 2015», aufgenommen. «Ich bin überwältigt vom Erfolg des Programms in den Folies Bergère», sagt Gregory Knie, «schön, dass wir dort den Menschen eine grosse Freude machen konnten.»

Die Schweiz ist aber überhaupt kein Holzboden für die Liebeskultur. «2011 wussten wir nicht, ob das Konzept funktioniert und wie das Schweizer Publikum auf ‹Ohlala› reagiert», sagt Gregory Knie. Denn das Genre war neu und ein bisschen gewagt, die Zeitungen reagierten darauf ein bisschen betupft, wie alte Damen auf ein Kleid reagieren, das über dem Knie endet. Dem Publikum aber hat die neue, sexy Art von Zirkus gefallen und es hält «Ohlala» seitdem auch die Treue. «Die Schweizer haben ein Image, dem sie selber gar nicht entsprechen», sagt Gregory Knie.

Man könnte auch sagen: Was gut für Dübendorf ist, ist auch gut für Paris oder London. Denn überall zählt der Rahmen: Es ist die sexy Qualität. Und die hat «Ohlala». «Wir machen Sachen mit Stil», sagt Gregory Knie – und wichtig ist ihm auch die Atmosphäre vor der Vorstellung. «Wir machen auch alles, damit das Publikum relaxt in diese Wunderwelt eintauchen kann.»

Es ist eine Reise auf einem Gebiet, das vom Traum regiert wird, dass hier alles möglich sei zwischen den Geschlechtern. Dieses Jahr habe die Komik einen eigenen Akzent bekommen, sagt Gregory Knie. Auch ein Liebeszirkus muss sich immer weiter entwickeln, und die Künstlerinnen und Künstler tun es mit ihm. Es sei eine spannende Aufgabe, mit ihnen zu arbeiten, es brauche aber viel Zeit, Vertrauen, Geduld und Disziplin, damit am Ende alles wie ein Schweizer Uhrwerk funktioniere.

Die Inspirationen für neue Ideen fliegen Gregory Knie überall zu, auf Reisen, auf Festivals, bei der Lektüre. «Man muss nur durch die Welt gehen und die Augen offenhalten.»

Und wo geht die Reise weiter in die Zukunft? «Ich will, dass es das alles, was es gibt, auch gibt», hat einer mal in «Ohlala» gesungen. Gilt das selber auch für Gregory Knie? «Was haben Sie für Träume, die auf die Bühne kommen könnten?» Spannend wird der Einbezug der Technik auf der Bühne sein, sagt er: mit Drohnen, Hologrammen, anderen Projektionen.

Jetzt aber kommt «Ohlala», der sechste Akt. Und alle Wege führen dahin, wenn das GPS auf Liebeszirkus eingestellt ist.

Ohlala. Scandalo. Air Force Center, Dübendorf. Aufführungen bis 23. Oktober