Zürich

Dieser Markt entführt ins Zürcher Mittelalter

Strohfrohwen Doris Stäger (l.) und Vally Stäger

Strohfrohwen Doris Stäger (l.) und Vally Stäger

Auf dem Mittelalter-Markt beim Zürcher Fraumünster können Neugierige von Freitag bis Sonntag in der Vergangenheit schwelgen. Alles ist da, originalgetreu zurecht gemacht: Wirte, Verkäufer, Handwerker und Gaukler - und ein aufdringlicher Bettler.

Schon recht viele Leute tummeln sich am Freitagmittag auf dem Münsterhof. Sie flanieren zwischen den Buden umher, besehen sich die Waren, kaufen etwas Stilechtes zum Essen: In einem Kessel über offenem Feuer dampft ein Gemüse-Dinkel-Eintopf, am Stand daneben brutzeln Fleischspiesse, eine junge Frau schiebt Fladenbrote in den Holzofen.

Handwerker in mittelalterlichen Trachten zeigen und erklären ihre Kunst: Schmiede in robusten ledernen Schürzen hämmern rotglühende Eisenstäbe zu Nägeln, ein Schindelmacher schabt ein Stück Holz zu einer dünnen Schindel: "Da weiss man, was man am Abend gemacht hat", sagt er zur Nachrichtenagentur sda und lacht zufrieden. Die Besucherinnen und Besucher können allerlei selbst ausprobieren

Mitten auf dem Platz dreht sich ein Riesenrad - oder eher ein Riesenrädlein. Das nur rund 4,50 Meter hohe hölzerne Rad mit vier kleinen Gondeln ist ein Nachbau des Augsburger Originals aus dem 17. Jahr

hundert, wie sein Betreiber sagt. Ursprünglich sei das Rad nicht für die Öffentlichkeit bestimmt gewesen, nur Adlige durften darin Runden - oder Ründchen - drehen.

Beim Mäuseroulette ist noch nichts los an diesem Mittag. Die Kinder, die sich sonst um das Spiel drängeln, sind noch nicht da. Und auch der Stand mit dem "Plagenschiessen" steht noch verwaist da. Hier kann man Plagen wie Pest, Influenza oder Hungersnot "abschiessen" - aber auch Bäcker Wackerbold, der zu leichtes Brot buk, oder das "Deficit der Stadt Zürich".

Auf diesem Markt geht es mittelalterlich bunt zu und her.

Auf diesem Markt geht es mittelalterlich bunt zu und her.

Um die Buden streicht ein Bettler. Für Almosengeber betet er, Geizhälse verflucht er. Er wirkt sehr echt in seinen Lumpen und mit schmutzigen Händen.

Zu festgesetzten Zeiten werden auf dem Platz szenische Geschichten zum Besten gegeben, und im benachbarten Fraumünster-Kreuzgang wird täglich mehrmals eine lebende Schachpartie gespielt.

Ritterspiele in Schaffhausen

Alle drei Jahre organisiert die Gesellschaft zu Fraumünster den Mittelalter-Markt, dieses Jahr bereits zum sechsten Mal. Hiess er bisher noch "Mittelalter-Spectaculum", so ist es heute der "Münster-Märt mit Spectaculum".

Wer vom Mittelalter nicht genug bekommen kann, der findet das ganze Jahr überall in der Schweiz Mittelalter-Events. Eines der grössten findet vom 10.-20. Juli in Schaffhausen statt: Das Museum zu Allerheiligen organisiert dann aufwändige Ritterspiele auf dem Herrenacker.

Meistgesehen

Artboard 1