Der Zürcher Limmatplatz ist ein belebter Ort. Unzählige Menschen eilen vorbei, überqueren die Strassen und bevölkern die Strassencafés. Unter ihnen ist bisweilen ein Mann anzutreffen, der in seinen Händen einige CDs hält, die er Passanten mit auf den Weg gibt. Der Mann heisst Donny Childs, ist kanadischer Musiker und macht auf seine Band namens Noxinixon aufmerksam. «Das Verteilen des Albums macht Spass und es ergeben sich immer wieder nette Begegnungen», sagt er.

Tatsächlich finden sich auf seinem Facebook-Profil Nachrichten von Fans, die auf diese Art den Zugang zu Noxinixon fanden. Bereits hat es sein Song «Here I stand» in die Playliste einer hiesigen Radiostation geschafft. Er selbst bezeichnet seine Lieder als «sad love songs», die alle eine eingängige «Hookline», also eine markante Melodiephrase aufweisen. «Mir ist wichtig, dass meine Songs Eindruck hinterlassen», so Childs. Die Texte selbst lassen tief in das Innenleben des 33-jährigen Sängers blicken.

Der Weckruf

Aufgewachsen ist Childs im kanadischen Niagara. Schon in seiner Kindheit trat die Musik mit voller Wucht in seine Welt; der Vater bewegte sich in der Punk-Rock-Szene. Es erstaunt nicht, dass Childs deshalb schon früh musizierte. Allerdings waren eher David Bowie und die Beatles seine Helden. Auftritte mit diversen Schulbands folgten und die Bassgitarre wurde sein bevorzugtes Instrument. Seine Zeit als Teenager beschreibt er als wild und oft habe er keine wirkliche Perspektive gehabt. Eine Phase, die drei Jahre andauerte – bis er sprichwörtlich den Weckruf erhielt: «Ich begegnete Gott und wusste genau, dass es keine Halluzination war». Allerdings sei sein Glaube fern von Traditionen und nur persönlicher Natur. In die Kirche gehe er nicht. Doch er wusste seit diesem Zeitpunkt, dass er sich auf die Musik konzentrieren will.

Auf nach Vancouver

Er verliess seine Heimatstadt und zog mit 19 Jahren nach Vancouver, um ein neues Leben zu beginnen. «Abgesehen davon, dass viele Künstler dorthin ziehen, ist das Klima in Vancouver sehr mild», sagt er lächelnd. Als Musiker kämpfte er sich durch, auch wenn er zweitweise weder Geld noch ein Dach über dem Kopf hatte. Dennoch nahm er jede Gelegenheit für einen Auftritt wahr. Und er komponierte fleissig Songs; die Melodien flogen ihm sogar im Schlaf zu. «Einige meiner Songs hörte ich zuerst in meinen Träumen und gleich am nächsten Morgen schrieb ich sie nieder.» 2011 gründete er seine heutige Band Noxinixon mit zwei Mitstreitern.

Der Name lässt viele Interpretationen zu, ausgesprochen wird er als «No X in Nixon». Eine Lüge oder ein Verweis auf den einstigen US-Präsidenten? Childs überlässt die Deutung anderen. Sicher ist aber, dass er ein Fan von Palindromen ist; Wörter, die vor- und rückwärts gelesen werden können. Schon das erste Album, das vollständig in Eigenproduktion entstand, nannte sich «Kayak» und erschien 2012.

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Die Liebe führte ihn nach Zürich

Das Debüt zeigte jedoch nur einen kleinen Ausschnitt aus dem kreativen Schaffen von Childs. «Bislang habe ich über 100 Songs geschrieben, die ich alle irgendwann veröffentlichen möchte, aber die Aufnahmen und die Produktion eines Albums sind teuer.» 2015 wurde das aktuelle Album veröffentlicht, das nach der Band benannt wurde, die mittlerweile auf vier Mitglieder anwuchs.

Zur selben Zeit sorgten persönliche Begebenheiten für eine räumliche Trennung der Gruppe; alle Musiker verfolgten Pläne, welche sie in andere Städte und Länder führten. Bei Childs war es die Liebe, die für eine Umstellung sorgte: Vor einem Jahr lernte er in Vancouver eine Frau aus Winterthur kennen, die bis heute seine Freundin ist. Also zog er aus Liebe und mit einem Studenten-Visum in der Tasche in die Schweiz.

In Winterthur besucht Childs eine Jazz-Schule. Da er keine bezahlte Arbeit annehmen darf, ist er auf einen privaten Gönner aus der Kulturbranche angewiesen. Auch finde er immer wieder Gelegenheiten für ein Konzert, etwa in einigen Plattenläden der Region, die Events veranstalten. Immer ohne Gage, dafür aber mit viel Applaus. «Manchmal darf ich mir auch einige Vinylplatten aussuchen», so Childs, der ein grosser Fan von Langspielplatten ist. Auch das Album «Noxinixon» liess er auf Vinyl pressen; das musste einfach sein, wie er sagt.

Childs betont, dass seine Band noch immer bestehe und trotz der Distanz zwischen den Mitgliedern grosse Pläne habe: «Wir treffen uns immer wieder, stehen ständig in Kontakt und haben neue Songs aufgenommen.» Diesen Juli soll das dritte Album erscheinen, dessen Titel mit «never odd or even» wieder ein Palindrom ist. Childs ist guter Dinge, was die Zukunft anbelangt. Das muss er auch – in rund zwei Jahren wird sein Visum ablaufen. Bis dann will er für Noxinixon einen Plattenvertrag an Land gezogen haben.